09.10.2020 - 17:57 Uhr
SchwandorfSport

Vor dem Hawaii-Wochenende: Oberpfälzer Triathleten über ihr Corona-Jahr

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Statt mit Vorfreude auf den Ironman Hawaii am Wochenende, blicken die Triathleten der Region mit Sorge auf 2021. Hawaii ist coronabedingt abgesagt, wie viele Wettkämpfe 2020. Ob der Sport je wieder so wird wie vor Corona, ist ungewiss.

Das Wasser bis zum Hals. Das Bild vom Start des letzten Ironman auf Hawaii steht auch symbolisch für viele Triahtlonveranstaltungen.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Viermal war Frank Dietrich als Triathlet bei der Ironman-WM auf Hawaii. Ein weiterer Start ist ungewiss - nicht wegen fehlender Motivation oder Leistung beim Eschenbacher Ausdauersportler: "Ich bin mit der Vorgehensweise von Iornman nicht einverstanden. Ich überlege, ob ich überhaupt noch an deren Veranstaltungen teilnehme", sagt der 56-Jährige. Dietrich steht mit seiner Meinung nicht alleine. Viele sind verärgert über das Kult-Unternehmen Ironman, dessen Firmenlogo nicht wenige Triathleten als Tattoo unter der Haut tragen.

Grund des Ärgers ist das Verhalten des größten Triathlon-Veranstalters der Welt in der Coronakrise. Fast alle europäischen Rennen waren früh abgesagt, bei der Rückzahlung der Startgebühren war Ironman weniger entschlossen: 2200 Euro sind es bei Dietrich, der sich für fünf Rennen angemeldet hatte. Statt einer Rückzahlungen sollten es nur Ummeldungen auf 2021 oder Gutscheine geben. Wenigstens für ein Rennen wollte Dietrich sein Geld zurück und biss auf Granit: Erst nachdem ich mit einem Rechtsstreit gedroht habe, hat man eine Teilrückzahlung akzeptiert", sagt Dietrich. "Das Geld habe ich bis heute nicht."

Es sind Unternehmen, denen über Nacht alle Einnahmen weggebrochen sind.

Walter Arnold

Walter Arnold

Dabei ist Ironman nicht der einzige Veranstalter, der sich mit Rückzahlungen zurückhält. Walter Arnold hat dafür mehr Verständnis als Dietrich. "Es sind Unternehmen, denen über Nacht alle Einnahmen weggebrochen sind", sagt der Vorsitzende des Weidener Laface-Teams, der selbst aktiver Triathlet ist und das Fachgeschäft Cube-Store betreibt. Arnold ist bereit auf Teile der Startgebühren zu verzichten, wenn das hilft, dass es auch künftig große Veranstaltungen gibt. Wie viele Veranstalter Corona nicht überleben, ist unklar. Probleme haben alle.

Das gilt auch für den Ski-Club Schwandorf, der seinen Seenland-Triathlon am Steinberger See absagen musste. 2021 soll es wieder geben. "Bei uns muss aber auch niemand von den Einnahmen des Triahtlons leben", erklärt Vereinsvorsitzender Christian Betzlbacher. Sein Verein habe vor der Absage einiges Geld ausgegeben, alleine 1300 Euro für Badekappen. "Wir hoffen, dass wir die nächstes Jahr nutzen können", sagt Betzlbacher. Die Einnahmen der Veranstaltung wären in die Nachwuchsarbeit des Ski-Clubs geflossen. "Trotzdem machen wir alles ehrenamtlich, niemand ist wirklich auf das Geld angewiesen."

Trotzdem: Seine Vereinsmitglieder arbeiten zwar kostenlos, aber nur ungern umsonst. Deshalb blickt Betzlbacher mit etwas Sorge aufs kommende Jahr. Niemand weiß welche Auflagen es dann gibt. Und auch wie es mit der Masse der Hobbysportler weiter geht, ist ungewiss. "Wenn man eine Saison ausgesetzt hat, bleibt man vielleicht dauerhaft weg."

Verständnis für Veranstalter

Das befürchtet auch Laface-Vorsitzender Arnold. "In Weiden hatten wir fast ein halbes Jahr keine Schwimm-Möglichkeit." Wer nicht ständig nach Amberg oder Kümmersbruck fahren wollte, muss mit seinem Training bei Null anfangen. Dazu gab es kaum Wettkämpfe. So fehlt erst recht die Motivation.

Arnold selbst war im Spätsommer in ganz Deutschland und bis Österreich unterwegs, um an den wenigen Wettkämpfen teilzunehmen. "Dort war das Niveau sehr hoch. Freizeitsportler waren nicht am Start, nur Triathleten, die es sehr ernst nehmen." Auch im Cube-Store in der Leimberger Straße hat Arnold Veränderungen bemerkt: Während E-Bikes boomen sei der Absatz von Wettkampfrädern eingebrochen. Auch Wettkampfkleidung und -ernährung wollte niemand haben.

Wie wichtig Wettkämpfe für die Motivation sind, weiß auch Dietrich. Bis Mitte 2020 bestand Hoffnung, wenigstens den Ironman Barcelona im Herbst absolvieren zu können. Nach der Absage war die Luft raus, dafür schnell drei Kilogramm zusätzlich auf den Rippen. Trotzdem soll es bei Dietrich bald mit richtigem Training losgehen. Der richtige Veranstalter wird sich schon finden.

Der Rennbericht vom Seenlandtriathlon 2019

Amberg

Freizeitsportler springen ab

Der Bericht zu Frank Dietrichs letztem Hawaii-Start

Seenland Triathlon abgesagt

Schwandorf

Walter Arnolds Cubestore in Weiden

Hintergrund:

Wie es weitergeht

Es ist der erste Oktober seit 1982 ohne Ironman-WM. Pläne, den Wettkampf im Februar nachzuholen, 2021 also zwei Weltmeisterschaften auszurichten, sind verworfen. Qualifikationsleistungen für 2020 sollen nun bei der WM 2021 gelten.

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