Es beginnt, wie solche Geschichten wohl immer beginnen: mit einem Blick auf die Waage. Ich stehe morgens im Bad und trete mit Hoffnung auf die kalte Glasplatte. Die Zahl, die mir rot entgegenleuchtet, ist … nun ja, sagen wir mal so: Sie entwickelt sich zuverlässig – nur leider in die falsche Richtung. Die Hose, die vor einem Jahr noch locker saß, hält inzwischen ganz gut ohne Gürtel. Auch die Gürtelschnalle ist souverän von einem zum nächsten Loch gewandert. Und ich selbst? Ich fühle mich, als wäre meine Batterie so langsam in einem kritischen Zustand. Schlapp und irgendwie dauererschöpft. Kurz: Ich bin in einem Zustand angekommen, den man freundlich als „optimierungsfähig“ bezeichnen könnte.
Also fasse ich einen Entschluss. Es ist einer dieser pathetischen Momente, die meistens mit „Ab morgen wird alles anders!“ beginnen. Nur dass es diesmal tatsächlich stimmt. Nach vielen Jahren habe ich mich wieder im Fitnessstudio angemeldet. Ja, genau, dieser Ort mit den vielen Geräten, die ein bisschen so aussehen wie Folterinstrumente. Ich will mein Gewicht reduzieren, meinen Körper wieder in Form bringen – und nebenbei auch meine Ernährung umstellen. Mehr Gemüse, weniger „ach komm, das geht schon noch“.
Der erste Trainingstag: Ich betrete das Studio mit einer Mischung aus Entschlossenheit und Panik. Überall Menschen, die genau wissen, was sie tun. Die ersten Übungen sind … sagen wir: herausfordernd. Mein Körper reagiert, als hätte ich ihn gerade aus dem Winterschlaf gerissen. Aber etwas überrascht: Es macht Spaß. Mit jeder Wiederholung, jedem Schritt auf dem Laufband fühle ich mich ein kleines bisschen besser. Am Ende des Trainings bin ich zwar komplett durchgeschwitzt, aber auch erstaunlich zufrieden mit mir.
Am nächsten Tag – die Quittung. Ich wache auf und weiß sofort: Etwas stimmt nicht. Jeder Muskel meldet sich. Bewegungen, die gestern noch selbstverständlich waren, fühlen sich heute an wie Leistungssport. Treppen? Ein Abenteuer. Aufstehen? Ein kleines Drama. Ich entdecke Muskelgruppen, von denen ich lange nicht mehr wusste, dass sie tatsächlich existieren.
Und trotzdem: Es hat sich gelohnt. Trotz des Muskelkaters, trotz der Fortbewegung im Zeitlupentempo fühle ich mich besser. Oder zumindest ein bisschen weniger, wie die Person, die morgens verzweifelt auf die Waage gestarrt hat. Es ist nur ein Anfang, klar. Aber einer, der sich richtig anfühlt. Und wer weiß – vielleicht brauch’ ich für die eine Hose ja bald wieder meinen Gürtel.
OTon
Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.



















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