25.02.2021 - 11:12 Uhr
OTon

Hätte ich Marco Reus damals getunnelt, hätte ich jetzt kein Frisur-Problem

Das Schlimmste an Corona sind die geschlossenen Friseurläden, hat unser Autor den Eindruck. Im OTon schreibt Julian Trager nicht ganz ernst gemeint über seine Lockdown-Locke – und was das mit seinem Spiel gegen Borussia Dortmund zu tun hat.

von Julian Trager Kontakt Profil

Nie war ich einer Profifußballer-Karriere näher als bei dem großen Turnier im Saarland, bei dem ich mit meiner Mannschaft gegen Borussia Dortmund antrat. In einem der BVB-Trikots steckte damals, wenn man dem Turnierheft glauben darf, auch Marco Reus. Okay, es war Sommer 1997, E-Jugend. Wir verloren 0:11 in 20 Minuten. Und dass wir bei diesem Mega-Turnier – neben Dortmund waren unter anderem auch der VfB Stuttgart und Dynamo Dresden dabei – überhaupt mitspielen durften, lag nur daran, dass der Ort des gastgebenden Vereins genauso heißt wie mein Heimatdorf. Egal. Dortmund wurde Erster, wir schieden in der Vorrunde aus.

Die Karrieren von Marco Reus und mir entwickelten sich dann in verschiedene Richtungen. Hätte, selbstverständlich, auch andersherum ausgehen können – hätte ich den Reus damals nur getunnelt. Ist nicht geschehen. Die große Karriere blieb mir verwehrt, um ein Haar sozusagen. Gut so, dachte ich immer. In den vergangenen Wochen war das anders: Wie gerne wäre ich da Profifußballer gewesen!

Die haben ja alle eine duale Ausbildung hinter sich, zum Kicker – und zum Friseur obendrein. Alle topfrisiert, bis auf den Müller Thomas, aber der zählt nicht. Ganz allgemein scheinen die Haare – gesundheitliche Schäden hin, finanzielle Sorgen her – das größte Problem der Menschen im Lockdown zu sein. Und ich kann das absolut verstehen. Kinos? Braucht kein Mensch, der Bachelor oder die Klum laufen ja immer in der Glotze. Restaurants? Bofrost reicht. Kneipen? Kann mich auch daheim betrinken. Aber bei meiner Frisur, da hört der Spaß echt auf.

Bin ja so der Kurzhaarschnitt-Typ. Mittlerweile hängt mir die Matte wie ein Vorhang über die Augen, über die Ohrwascheln. Im Nacken wächst, dem Wirbel sei Dank, ein Schwanzerl. Sieht alles nicht so geil aus. Aber immerhin weiß ich jetzt, wie ich mit längeren Haaren ausschaue: mit einem Eimer Gel – wenn's gut läuft – wie Gordon Gekko. Wenn's weniger gut läuft wie Andi Scheuer. Ohne Gel geh ich als fünfter Beatle durch. Und mit einer fetten Ladung Blondierungs- und Haarspray auch als Super-Sajayin. Weil ich aber weder Wallstreet-Banker, Popstar noch eine Dragonball-Z-Figur bin, bevorzuge ich die Kurzhaarfrisur. Von daher kann ich die nächste Woche nicht mehr erwarten, der Friseur-Termin steht schon. Endlich wieder schnittig.

Und damit nochmal zurück zum Fußball. Die Kicker von Borussia Dortmund mussten nach ihrem Kantersieg gegen uns sofort bei ihrem Trainer antanzen, Spielanalyse wahrscheinlich. Wir liefen zum Verkaufsstand auf der Tribüne, aßen Pommes und tranken Limo. Nimm das, Marco Reus!

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