02.08.2019 - 14:16 Uhr
RiedenOTon

Vom Profi zum Anfänger: Lukas Bauer nach dem Karriereende

Lukas Bauer, der beste Oberpfälzer Volleyballer, hat mit 30 Jahren seine Karriere beendet, als große Nummer. Nun arbeitet er in einer Marketing-Agentur in München. Ein Neustart, als kleine Nummer. Der Riedener erklärt, wie er damit umgeht.

von Julian Trager Kontakt Profil

Seit Mitte Juli ist Lukas Bauer wieder ein Anfänger. Ungewohnt für einen, der mehr als ein Jahrzehnt lang Profi war, professioneller Volleyballspieler. „Das ist wie von Null anfangen“, sagt der 30-Jährige. „Ich hatte ja wenig Arbeitserfahrung.“ Zwei Praktika, das war‘s. Bauer geht das neue Kapitel so an, wie es ein Spitzensportler eben tut. Er sieht vor allem die Herausforderung, und die gilt es zu meistern. „Es ist eine neue Challenge“, sagt er. „Ich versuche möglichst schnell und viel zu lernen.“

Nach zwölf Jahren, 21 Länderspielen, einem deutschen Meistertitel und unzähligen Erfahrungen hat Bauer im April seine Profi-Laufbahn beendet. Seit ein paar Wochen arbeitet der 2,03-Meter-Mann aus Rieden (Kreis Amberg-Sulzbach) bei „Rapid Peaks“, einer Sport-Marketing-Agentur in München.

Nicht der typische Profisportler

Vor dem Karriereende hatte er durchaus Respekt, sagt Bauer. „In den Jahren als Profi habe ich versucht, so gut wie möglich zu werden in dem Sport.“ Auch wenn er nebenbei studierte, der Fokus lag immer auf Volleyball. Und trotzdem sei es ihm nicht allzu schwer gefallen, dem Spitzensport Servus zu sagen. „Ich hatte neben dem Volleyball immer die Augen und Ohren offen gehalten.“ Bauer war kein typischer Profisportler, der nur in seiner Welt lebt. Einmal teilte er auf seiner Facebook-Seite den Livestream des Eröffnungskonzerts der Elbphilharmonie.

Lukas Bauer während seiner Zeit in Frankfurt

Bauers Plan war immer: mit 30 Jahren aufhören. „Das ist jetzt perfekt aufgegangen.“ Er sei noch nicht zu alt, um ins normale Arbeitsleben einzusteigen, habe aber mehr als zehn Jahre seiner Leidenschaft nachgehen können – mit all den Vorteilen eines Spitzensportlers. Der Riedener ist in der Welt herumgekommen, hat andere Kulturen kennengelernt, Geld verdient. „Damit bin ich sauzufrieden.“ Er wollte nie „bis zum bitteren Ende“ auf dem Hallenparkett stehen. „Es gibt Sportler, die das machen, die aber nach dem Karriereende Schmerzen am ganzen Körper haben“, sagt Bauer. „Und die dann viel zu alt sind für den Jobeinstieg.“

Gerade für Athleten in Randsportarten kann das problematisch werden – die wenigsten haben finanziell fürs Leben ausgesorgt. Trotzdem scheren sich manche nicht darum, wie es nach der Karriere weitergeht. „Die Hälfte der Volleyballer macht nichts nebenbei“, sagt Bauer. Viele Sportler wissen nicht, was sie nach der Laufbahn machen sollen. Der Wechsel ins „normale“ Leben fällt oft schwer. Daran sind schon einige gescheitert, auch prominente Athleten. Jan Ullrich, einziger deutscher Tour-de-France-Sieger, sorgte zuletzt vor allem wegen privater Probleme für Schlagzeilen, inklusive Festnahme. Gerd Müller, Rekordtorschütze der Fußballbundesliga, wurde Alkoholiker. Diego Maradona, Argentiniens Fußballgott, klopfte nach einer Überdosis Kokain mehrmals ans Himmelstor.

Keine Sorge vor Absturz

Auch für Lukas Bauer hat sich viel verändert. Bis vor kurzem spielte er noch vor Tausenden jubelnden Menschen, die auch wegen ihm in die Hallen kamen. „Das vermisse ich nicht“, sagt der 30-Jährige. Auch nicht die großen Spiele, die großen Siege. Das „Gemeinschaftsding“, das werde ihm fehlen. „Das waren die schönsten Gefühle und Situationen während meiner Karriere.“ Mannschaftssportler verbringen viel Zeit miteinander, oft auf engstem Raum, in der Trainingshalle, im Fitnessraum, in der Kabine. Bauer sieht Parallelen im neuen Job. „Rapid Peaks“ ist eine kleine, junge Agentur mit etwa 40 Leuten. „Die haben auch einen gemeinsamen Drive“, sagt Bauer. Nur gibt‘s halt keine Kabine mehr, dafür so etwas wie eine Kantine.

Sorgen um einen Absturz muss man sich beim Riedener wohl nicht machen. Weder mental noch körperlich. Ein ungesunder Lebenswandel ist nicht in Sicht. Eher das Gegenteil. „Ich behalte meine Morgenroutine vom Sport“, sagt Bauer. Yoga, Meditation, eine kalte Dusche. Auch der Bewegungsdrang bleibt, der 30-Jährige treibt viele Sportarten. Und: „Ich achte weiter auf meinen Körper, esse mittags sogar noch öfter Salat, noch kalorienarmer.“

Lukas Bauers Wechsel zum "Geilsten Club der Welt"

Bauer wollte nach der Karriere in der Sportbranche bleiben. Hat geklappt. „Rapid Peaks“, sein neuer Arbeitgeber, macht Marketing für prominente Kunden. Unter anderem für den DFB, den Streamingdienst DAZN sowie für die beiden deutschen Fußballnationalspieler Serge Gnabry und Kai Havertz. „Coole Kunden, coole Projekte“, sagt Bauer. Seine Erfahrung als Ex-Profisportler schadet dabei nicht. „Ich bringe einen neuen Blickwinkel rein.“ Spitzenathleten bräuchten zwar länger fürs Studium, hätten aber andere Qualitäten. „Für einen Berufseinsteiger habe ich viel erlebt“, sagt Bauer. „Ich habe in verschiedensten Teams gespielt, kann mit Druck umgehen.“ Dazu der Leistungswille, das Durchhaltevermögen. Eigenschaften, die für Unternehmen wertvoll sind. Das belegt eine Studie des Sportwissenschaftlers Sascha Schmidt, wonach viele Leistungssportler genau das mitbringen, was Firmen brauchen.

"Der Kopf glüht noch"

Die ersten Wochen im neuen Job waren durchaus stressig, gibt Bauer zu. „Es ist schon krass. Wenn ich heimkomme, glüht der Kopf noch.“ Der Alltag als Sportler sah anders aus. „Da hatte man immer eine Mittagsbreak.“ Vormittagstraining, Mittagsschlaf, Nachmittagstraining. Die neuen Kollegen und das Arbeitsumfeld würden ihm aber die Umstellung erleichtern. „Da ist alles recht locker. Man kann auch mit Flip-Flops ins Büro kommen.“

Vom Gehalt her verdient Bauer jetzt so viel wie im zweiten Jahr als Bundesligaprofi, sagt er. Das sei aber kein Vergleich zu dem, was er im Ausland – Bauer spielte vier Jahre in Frankreich – verdient hatte. „Das war definitiv mehr.“ Davon habe er ein bisschen was gespart, ein finanzieller Druck sei deswegen nicht da. „Es war mir klar, dass ich als Einsteiger Rückschritte machen muss.“ Sein Ziel ist nun: „Viel lernen und gut werden. Dann kommen die Gehaltssprünge von alleine.“ Der Ehrgeiz des Profis, er ist immer noch da.

Bauers Karriere in Kürze:

Lukas Bauer spielte als Profi zunächst für die unterfränkische SG Eltmann, danach zwei Saisons beim deutschen Branchenprimus VfB Friedrichshafen, mit dem der Mittelblocker 2010 deutscher Meister wurde. Von 2011 bis 2015 spielte der 30-Jährige in Frankreich, in Toulouse, Sète und Saint-Nazaire. Dann trug er das Trikot der United Volleys Rhein-Main, 2018 kehrte er nach Bayern zum TSV Herrsching zurück. Bauer galt all die Jahre als einer der besten Mittelblocker der Liga – sowohl in Deutschland als auch in Frankreich. Der Riedener spielte 21 Mal für die deutsche Nationalmannschaft.

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