17.05.2018 - 17:10 Uhr
Oberpfalz

Bankraub in Tännesberg: Urteil ist gefallen Elf Jahre Haft für 37-Jährigen

Pavel S. wirkt gefasst, als ihm seine Dolmetscherin das Urteil übersetzt. 11 Jahre muss der 37-Jährige für den Raubüberfall auf eine Sparkasse in Tännesberg und zwei weitere Delikte ins Gefängnis - nicht die einzige Haftstrafe, die er noch vor sich hat.

von Julia Hammer Kontakt Profil

Weiden/Tännesberg. 45 Minuten berät die Große Strafkammer unter Vorsitz der Richter Markus Fillinger und Gerhard Heindl über das Urteil. Zuvor beschrieb Gutachter und Psychiater Dr. Bruno Rieder Pavel S., der bei seinen Taten Drogen konsumierte, als "introvertiert, bedrückt, vielleicht auch ein bisschen misstrauisch". Sein Fazit: "Ich halte ihn für voll schuldfähig. Ich sehe keine Anzeichen einer starken Abhängigkeit. Seine Handlungskontrolle war - auch bei den Taten - nicht gestört." Zwar habe der Angeklagte Straftaten nie "klar", also immer unter Drogeneinfluss, begangen. "Allerdings sprechen wir nur von kleinen Zeiträumen des Konsums. Zu kurz, um eine starke Sucht zu entwickelt."

Zudem sei es ihm nicht schwer gefallen, darauf zu verzichten. Der Angeklagte habe von Montag bis Donnerstag täglich ein dreiviertel Gramm Crystal konsumiert. "Am Freitag und am Wochenende rauchte er nur Marihuana." Der Grund: Da besuchte ihn häufig seine heute elfjährige Tochter, die bei der Mutter lebt.

"Er wusste, was er tat"

Auch das Vorgehen bei den Straftaten zeige: "Der Angeklagte wusste, was er tat. Er hat alles durchgeplant, extra einen Wagen für den Raubüberfall in Tännesberg gemietet. Danach haben die Täter die Kleidung in einem Waldstück vergraben, zum Teil angezündet", sagt Rieder.

Die Biografie von Pavel S. zeigt ein ungeregeltes Leben. Vater und Mutter, beide Köche, trennen sich, als er zwei Jahre alt ist. Er bleibt bei der Mutter, zieht häufig mit ihr um. Auch er beginnt eine Ausbildung zum Koch, will dann aber doch Berufssoldat werden. Sein Traum: Fallschirmspringer. Die körperlichen Voraussetzungen bringt er nicht mit. 2007 tritt er der französischen Fremdenlegion bei, beteiligt sich an etlichen Auslandseinsätzen, etwa in Afghanistan. Zu der Zeit hat er eine Beziehung, aus der die Tochter hervorgeht. Seine Freundin verlässt ihn, Pavel S. greift das erste Mal zu Drogen. Die Straftaten beginnen.

Im September 2011 wird er in Tschechien zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt, im Februar 2015 entlassen. Doch er hat keine Perspektive, kein Geld, keine Arbeit. Wieder greift er zu Drogen, wieder begeht er Straftaten. "Ich habe die Drogen genommen, um die Straftaten begehen zu können", sagt Pavel S. vor Gericht. Ohne sie hätte ihm der Mut gefehlt. Auch vor dem Raubüberfall in Tännesberg habe er konsumiert.

Art Lebensbeichte abgelegt

"Gemerkt habe ich davon nichts. Er, und auch der andere Täter, haben von den Bewegungen her völlig normal gewirkt", berichtet die 57-jährige Bankkauffrau, die am letzten Verhandlungstag aussagt. Sie erlebte den Raubüberfall in Tännesberg am 4. September 2015 mit. Sie war es, die den Alarmknopf drückte. Den Überfall habe sie gut verarbeitet. Auch bei ihr entschuldigt sich Pavel S.

Das hält ihm Staatsanwältin Katrin Gaider zugute. "Es steht fest, dass der Angeklagte alle ihm vorgeworfenen Straftaten begangen hat." Den versuchten Raubüberfall in Großenhain (Sachsen), den Raubüberfall in Kolkwitz und den auf die Sparkasse in Tännesberg. "Dabei war er immer maskiert, immer bewaffnet. Ich glaube dem Angeklagten aber, dass er bei den Taten niemanden verletzen wollte." Dennoch sei eine starke kriminelle Energie zu erkennen gewesen. Grainer fordert 13 Jahre Gefängnis.

Rechtsanwalt Franz Schlama plädiert auf zehn Jahre. Der Angeklagte habe eine Art Lebensbeichte abgelegt, Aufklärungsarbeit geleistet. "Zudem hat er die Tatwaffe in Tännesberg unbrauchbar gemacht, damit niemand verletzt wird." Das letzte Wort gehört Pavel S., den in Tschechien wegen anderer Straftaten noch eine sechsjährige Haftstrafe erwartet. Wieder entschuldigt er sich: "Ich bitte, eine Therapie machen zu dürfen, um von den Drogen loszukommen."

"Eine Unterbringung in einer Entziehunganstalt kommt nicht in Frage", sagt Richter Heindl. "Wir sehen bei dem Angeklagten keine schwere Suchterkrankung." Ob Pavel S. für die elf Jahre Gefängnis nach Tschechien ausgeliefert wird oder die Strafe in Deutschland absitzt, steht aber noch nicht fest.

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