12.11.2021 - 15:38 Uhr
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Diabetes: Fragen und Antworten rund um die Volkskrankheit

Diabetes tut nicht weh. Viele Menschen ahnen daher nichts von ihrer Erkrankung. Wie man vorbeugen und behandeln kann, erklärten Diabetes-Beraterinnen am Lesertelefon von Oberpfalz-Medien.

Die Hände sollten beim Messen des Blutzuckers trocken sein, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.
von Sandra Schmidt Kontakt Profil

Die Fragen der Leser zu Diabetes beantworteten die Diabetesberaterinnen Yvonne Häusler und Michaela Berger von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA.

Mein Blutzuckerlangzeitwert ist in der Norm. Wie viel Obst ist gesund?

Die Faustregel lautet: Zwei Handstücke Obst am Tag, jeweils nach einer Hauptmahlzeit. Handstück bedeutet: So viel Obst wie in die hohle Hand passt.

Ich bin 60, schlank, obwohl ich viel esse. Ich bin öfter müde, antriebslos und meine Augen brennen. Deshalb will ich meinen Blutzucker selber regelmäßig kontrollieren. Wie messe ich richtig?

Sie messen den Blutzucker am besten zwei Stunden nach einer Hauptmahlzeit. Dann hat er den maximalen Wert erreicht.

Ich bin noch nicht gegen Corona geimpft, weil ich unsicher bin. Und man hört verschiedene Meinungen ...

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft empfiehlt Erwachsenen mit Diabetes generell eine Impfung gegen Covid-19. Vor allem, wenn sie älter als 60 Jahre sind, korpulent, herzkrank und der Stoffwechsel instabil ist, sollte mit der Impfung nicht länger gewartet werden.

Ich bin schlank, 66, habe Schwierigkeiten, mein Gewicht zu halten. Mein Langzeitblutzucker ist in Ordnung. Trotzdem mache ich mir Sorgen, dass ich Diabetes bekommen könnte. Meine Eltern waren beide Diabetiker ...

Es kann, muss aber nicht sein, dass Sie erkranken. Nicht in jedem Fall wird die Veranlagung dazu vererbt. Lassen Sie Ihren Blutzuckerspiegel gelegentlich kontrollieren. Einer Erkrankung vorbeugen können Sie am besten durch regelmäßige Bewegung und entsprechende Ernährung. Weitere Informationen gibt es auf www.diabinfo.de.

Ich bin übergewichtig. Hilft Intervallfasten, Diabetes vorzubeugen?

Das kommt auf die persönliche Stoffwechselsituation an. Generell sind drei Mahlzeiten am Tag empfehlenswert - bestehend aus Vollkornprodukten, Gemüse und nicht mehr als zwei Handvoll Obst am Tag. Der Verzicht auf süße Getränke versteht sich von selbst. Und: nach jeder Hauptmahlzeit möglichst eine halbe Stunde Bewegung.

Ich bin 50, übergewichtig, weiß seit kurzem, dass ich Diabetes habe. Mein Arzt wollte mir Tabletten verschreiben, ich will es aber ohne schaffen. Wie gehe ich vor?

Streichen Sie alle Weizenprodukte vom Speiseplan. Essen Sie stattdessen Dinkel-, Hafer-, Roggenprodukte, viel Gemüse und möglichst wenige oder gar keine Süßigkeiten. Zwei Kekse stellen für unseren Körper eine komplette Mahlzeit dar, wie – um ein Beispiel zu nennen – Wirsinggemüse, Kartoffeln und ein Fleischpflanzerl.

Was müssen Diabetiker im Hinblick auf Corona beachten?

Die Impfung ist der beste Schutz, um nicht zu erkranken. Diabetiker, die gut eingestellte Blutzuckerwerte sowie keine Begleit- und Folgeerkrankungen aufweisen, haben generell kein höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf.

Mein Hausarzt empfahl, mehr Ballaststoffe zu essen, um Diabetes vorzubeugen. Was können denn Ballaststoffe ausrichten?

Ballaststoffe sind unverdauliche Füllstoffe. Sie bewirken, dass die Nahrung länger und besser gekaut wird und dass der im Essen enthaltene Zucker deutlich langsamer zerlegt wird. Die Aufnahme des Zuckers durch das Blut wird verzögert, der Blutzucker steigt langsamer an. Zusätzlich sorgen Ballaststoffe für eine rechtzeitige Sättigung, die auch deutlich länger anhält.

Was ist zu beachten, wenn ich mich als Diabetiker mit dem Corona-Virus anstecke?

Eine gute Blutzucker- und Stoffwechseleinstellung ist wichtig – für alle Körperfunktionen. Außerdem wird dadurch das Immunsystem gestärkt. Ist eine Behandlung im Krankenhaus notwendig, sollte ein erfahrener Diabetologe anwesend sein, um eine spezielle Behandlung auch in der Akutsituation zu gewährleisten.

Zum Arzt gehe ich jetzt nicht, schon aus Angst, mir im Wartezimmer Viren einzufangen. Gibt es eine Möglichkeit, selber zu prüfen, ob ich ein Diabetes-Risiko habe?

Es gibt einen Online-Test auf www.diabinfo.de. Alter, Größe, Essgewohnheiten und sportliche Aktivitäten werden abgefragt. Daraus wird das persönliches Risiko errechnet. Wurde ein erhöhtes oder hohes Risiko festgestellt, sollte man einen Termin beim Arzt vereinbaren. Haben Sie bereits Symptome, sollten Sie sofort zum Arzt.

Mein Langzeitblutzucker ist leicht erhöht. Woran kann das liegen?

Die erste Frage in solchen Fällen ist immer die nach den Essgewohnheiten. Essen Sie zum Beispiel sehr viel Obst – mehr als zwei Handvoll am Tag – könnte das die Ursache sein. Obst ist zwar gesund, es enthält aber – je nach Sorte – auch sehr viel Fruchtzucker. Frühstücken Sie stattdessen lieber Haferflocken mit wenig Obst und Jogurt.

Gibt es eine Schulung für Diabetiker oder eine spezielle Ernährungsberatung?

Ja. Sobald Diabetes diagnostiziert wurde, werden Sie eingewiesen: Einnahme der Tabletten, Spritzen des Insulins. Dazu gehört auch eine Ernährungsberatung. In aller Regel erfolgen Einweisung und Beratung durch Diabetesberater oder Diabetesassistenten, die bei niedergelassenen Diabetologen arbeiten oder im Krankenhaus.

Darf ich Kartoffeln essen?

Ja, aber nicht in Unmengen. Kartoffeln sind Kohlenhydrate. Eine Kohlenhydrateinheit (KHE) hat zehn Gramm. Die normale Tagesration für Typ-2-Diabetiker, die Tabletten nehmen, ist: Frühstück vier KHE, Zwischenmahlzeit zwei KHE, mittags fünf bis sechs KHE, zum Kaffee eine KHE, zum Abendessen vier KHE und eventuell Tomate und Gurke pur. Nach jeder Hauptmahlzeit sollten Sie sich eine halbe Stunde bewegen.

Nach jeder Mahlzeit gibt es bei mir etwas Süßes. Darauf kann ich nicht verzichten. Meine Blutzuckerwerte sind grenzwertig. Kann ich die Krankheit aufhalten?

Wenn Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten nicht umstellen: Nein. Versuchen Sie sich Schritt für Schritt an eine andere Ernährung heranzutasten. Vielleicht zunächst einen Fastentag einlegen, das heißt in Ihrem Fall: einen ganzen Tag lang nichts Süßes zu sich nehmen.

Ich bin 84, seit drei Jahrzehnten Diabetiker und nehme auch schon so lange Tabletten. Kann man diese Tabletten eigentlich unbegrenzt nehmen?

Nein, nicht länger als zehn Jahre, denn der Körper gewöhnt sich daran, und die Wirkung lässt nach beziehungsweise verschwindet. Außerdem hängt die Wirksamkeit der Tabletten vom Alter ab sowie davon, ob es Begleiterkrankungen gibt.

Ich suche nach einer Alternative zu Weizen. Ich habe gelesen, dass ich Dinkelprodukte verwenden soll. Meine Tochter meint aber, Dinkel sei nur eine andere Form von Weizen ...

Das stimmt. Nehmen Sie deshalb Dinkelvollkorn-Produkte.

Ich scanne meine Blutzuckerwerte. Wie hoch muss der Wert vor dem Essen sein, wie hoch danach? Ich habe das Gefühl, dass er oft Achterbahn fährt.

Vor der Mahlzeit sollte der Wert 80 bis 100 mg/dl sein, zwei Stunden nach dem Essen zwischen 160 und 180 mg/dl. Aber: Liegt der Wert vor dem Essen weit unter 100 mg/dl empfehlen wir, 100 Milliliter Apfelsaft zu trinken. Liegt der Wert vor dem Essen bereits bei 180 oder darüber, spritzen Sie zwei Einheiten Analog-Insulin und warten 20 Minuten mit dem Essen.

Ich bin schon 80. Kann ich noch an Diabetes erkranken? Und wenn ja, wo kann ich mich testen lassen?

Ja, das ist möglich. Gehen Sie zu Ihrem Hausarzt, der einen Nüchternblutzuckertest durchführen kann.

Ernährungstipps für ein fittes Leben

Weiden in der Oberpfalz
Service:

Informationen über Diabetes

  • Aktuelle Informationen zu Diabetes und Testmöglichkeit zum eigenen Diabetes-Risiko gibt es auf www.diabinfo.de.
  • Tagesaktuelle Informationen zur Pandemie sowie Empfehlungen zur Vorbeugung von Infektionen sind auf www.infektionsschutz.de nachzulesen.

 

 

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