Scharfmacher mit heilender Wirkung

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Meerrettich ist die "Heilpflanze des Jahres 2021". Seine Inhaltsstoffe haben entzündungshemmende, antivirale und antibakterielle Eigenschaften. Und ganz nebenbei ist Meerrettich auch in der Küche nicht wegzudenken.

Enthaltenes Senföl sorgt für Tränen, wenn man die Meerrettichwurzeln raspelt oder schält.
von Adele SchützProfil

Geriebener Meerrettich schmeckt nicht nur erstklassig zur Brotzeit, er hat auch heilende Kräfte. Meerrettich ist die „Heilpflanze des Jahres 2021“. Eine ausgezeichnete Wahl findet Daniela Dotzler, Heilpraktikerin und Biogärtnerin, in Großschönbrunn. „Der Meerrettich hat es in sich. In der scharfen Wurzel steckt enormes, meist unterschätztes Potenzial“, sagt sie. „Der Meerrettich ist Gemüse, schärfstes heimisches Gewürz, Heilpflanze und im Gartenbeet ein echter Hingucker.“

Es sei wissenschaftlich belegt, dass die im Meerrettich enthaltenen Inhaltsstoffe entzündungshemmende, antivirale und antibakterielle Eigenschaften hätten. „Meerrettich zählt eindeutig zu den Schätzen der Natur. Durch eine gezielte Verwendung können die Pflanzen manches Leid lindern oder heilen. Ob als Teil der Ernährung, als Gewürz oder als Extrakt.“

Unverwüstliche Pflanze

Daniela Dotzler ist leidenschaftliche Hobbygärtnerin und Besitzerin eines „Hortus Bios“, eines Naturgartens. „Der Meerrettich gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse und ist eine der ältesten Kulturpflanzen“, erklärt sie. „Häufig kommt er verwildert entlang von Wegen vor oder gibt als Zeigerpflanze an, wo früher einmal ein Gemüsegarten war.“ Das liege daran, dass der Meerrettich auch aus kleinen Wurzelteilen immer wieder austreibe. „Wo er einmal wächst, lässt er sich daher schwer wieder entfernen.“ Die winterharte Staude wächst auf fast allen Böden, bildet jedoch in tiefgründigen und humosen Böden besonders schöne Stangen mit intensivem Aroma. Im Frühjahr bilden sich die Blütenstände, die über einen Meter hoch werden und von Mitte Mai bis Juli weiße Blüten zeigen, die stark duften. Die Pfahlwurzel (das, was wir als Meerrettich essen) kann ab Ende Oktober bis ins darauffolgende Frühjahr hinein geerntet werden.

Am bekanntesten sei der Meerrettich in der Küche in Süddeutschland und Österreich. Dort verfeinert die scharfe Wurzel Fleisch- und Fischgerichte, Gemüse und Soßen. Traditionell wird Meerrettich vor allem zu Räucherfisch, Roastbeef und Tafelspitz serviert. Als Zugabe zu deftigen Speisen und Fisch, in Kombination mit Apfel, Preiselbeere und Sahne, ist der Meerrettich auch ein fixer Bestandteil der zentral- und osteuropäischen Küche.

„Was die Menschen aber auch schon seit der Antike wissen: Der Meerrettich ist auch Medizin, eine Medizin aus der Küchenapotheke“, so Daniela Dotzler. Meerrettich mundet nicht nur, er soll auch die Fettverdauung fördern. Neben positiven Effekten auf Magen und Darm soll die Meerrettichwurzel auch Husten lösen, Kopfschmerzen lindern und den Kreislauf anregen. Zur Behandlung von Erkältungskrankheiten oder Infektionen der Harnwege habe sich Meerrettich ebenso bewährt wie zur Unterstützung des Immunsystems, sagt die Heilpraktikerin. Bereits Hildegard von Bingen habe Meerrettich gegen Erkältungen und Husten empfohlen. Meerrettich habe „bei unseren Vorfahren als generelles Stärkungsmittel" gegolten, so sollte er auch bei sexueller Erschöpfung die Liebe neu befeuern.

„Penicillin der Bauern“

Im 12. Jahrhundert fand der Meerrettich seinen Weg aus den Klostergärten in die Bauerngärten Mitteleuropas. Schon bald wusste man seine starke antibakterielle Wirkung zu nutzen, was ihm den Namen „Penicillin der Bauern“ einbrachte. Darüber hinaus enthält die scharfe Wurzel viel Vitamin C, B-Vitamine, Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Frühere Seefahrer nahmen daher nicht nur Fässer mit Sauerkraut, sondern auch Meerrettich mit auf große Fahrt.

„Der Grund für die gute Wirkung des Meerrettichs gegen Krankheitserreger ist tatsächlich sein scharfer Geschmack“, erklärt Daniela Dotzler. „Genau genommen sind es die enthaltenen Senföle, die beim Kauen und Schneiden der Wurzel freigesetzt werden. Ihre antimikrobielle Wirkung konnte wissenschaftlich bewiesen werden. Auch für die antivirale Wirkung gibt es Belege.“ Diese Senföle, so Daniela Dotzler, gelangten über den Dünndarm in den Körper und würden hauptsächlich durch die Nieren und die Lunge ausgeschieden. Daher würden sie auch in diesen Bereichen des Körpers besonders gut wirken.

Blasenentzündung und Bronchitis sind Hauptanwendungsgebiete der Heilpflanze des Jahres 2021. Auch gegen Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündung helfe der Meerrettich. „Besonders wirksam ist er, wenn man ihn mit der Kapuzinerkresse kombiniert. Die Wirkung dieser beiden Pflanzen in Kombination wurde in mehreren klinischen Studien wissenschaftlich belegt.“ In der Apotheke erhalte man dieses Duo als „pflanzliches Antibiotikum“. „Man kann auch einfach selber eine wirksame Tinktur aus Meerrettich und Kapuzinerkresse herstellen.“

Wunderwaffe Senföl

Der große Vorteil dieser „pflanzlichen Antibiotika“: Sie sollen gegen Keime wirken, die auf synthetische Antibiotika bereits resistent geworden sind. Experten würden empfehlen, hocheffektive, synthetische Antibiotika für ernste Erkrankungen aufzusparen und bei unkomplizierten Harnwegsinfekten und Schnupfen die pflanzlichen Arzneimittel zu nutzen.

Arzneimittel auf Senföl-Basis sollen ebenfalls gegen Pilze und bestimmte Viren wirken. Sie sollen die Darmflora nicht schädigen und das Immunsystem – auch vorbeugend – stärken. Die Senföle des Meerrettichs würden außerdem den Magensaft anregen und die Verdauung fördern. „Meerrettich ist allgemein gut verträglich. Vorsichtig sollten jedoch Menschen mit Magenproblemen sein“, sagt Daniela Dotzler. „Für Kinder unter sechs Jahren und Menschen mit Nierenleiden oder Magen-Darmgeschwüren ist der Meerrettich nicht als Heilpflanze geeignet.“

Mit Ruhe essen und genießen

Erbendorf
Rezept:

Meerrettich-Honig gegen Erkältungen

  • Etwas frischen Meerrettich mit der Gemüsereibe fein raspeln und in ein Schraubglas füllen. So viel Honig dazugeben, dass der Meerrettich gut bedeckt ist. Die Mischung lässt man über Nacht bei Zimmertemperatur stehen. Am nächsten Tag kann er schon verwendet werden. Kühl gelagert hält der Würzhonig mindestens vier Wochen.
  • Anwendung: Bei Schnupfen, Kratzen im Hals, Bronchitis und verschleimtem Husten mehrmals täglich einen halben Teelöffel im Mund zergehen lassen, vor allem ganz am Anfang, um die Erkältung noch abzufangen. Vorsicht bei empfindlichem Magen: In diesem Fall am besten nach den Mahlzeiten oder auf einem Stück Brot einnehmen.
  • Tipp: Dieses Rezept kann man gut mit frischem Ingwer kombinieren. Er wärmt, stärkt das Immunsystem und wirkt ebenfalls antibakteriell. Dazu einfach die gleiche Menge frischen Ingwer und Meerrettich reiben und mit Honig ansetzen.
Rezept:

Meerrettich-Butter

120 Gramm weiche Butter mit einem Esslöffel frisch geriebenen Meerrettich, etwas Zitronensaft, frisch gehackter Petersilie und Salz mischen. In Erkältungszeiten vorbeugend in der Küche verwenden: aufs Brot, über Kartoffeln und Gemüse, zu Fleisch oder auf Spaghetti.

Rezept:

Meerrettich-Brotaufstrich

30 bis 40 Gramm Meerrettich, einen kleinen Apfel und ein kleines Stück Ingwer fein reiben. Mit 250 Gramm Frischkäse und 50 Gramm Joghurt mischen. Mit einem Teelöffel Zitronensaft, Salz und frischen, gehackten Kräutern (Petersilie, Löwenzahn, Giersch und Schafgarbe) vermengen.

Rezept:

Rote-Bete-Meerrettich-Suppe

  • Zutaten: 1 Zwiebel, 150 Gramm Kartoffeln, 400 Gramm Rote Bete (frisch), je einen Esslöffel Öl und Balsamico-Essig sowie Meerrettich frisch gerieben (fein), 800 Milliliter Gemüsebrühe, je eine Prise Meersalz, Pfeffer (frisch gemahlen), Kreuzkümmel und Piment; 1 Lorbeerblatt und 150 Milliliter Sahne.
  • Zubereitung: Die Zwiebel schälen und fein würfeln. Die Kartoffeln und die Rote-Bete schälen und waschen. Beides in kleine Würfel schneiden. Das Öl in einem Topf erhitzen und die Zwiebeln darin glasig dünsten. Die Kartoffeln und die Rote Bete dazugeben und kurz mitdünsten. Dann die Brühe angießen und mit Salz, Pfeffer, Essig, Kreuzkümmel und Piment würzen. Das Lorbeerblatt hinzugeben und alles zum Kochen bringen. Auf kleiner Stufe zugedeckt etwa 20 Minuten köcheln lassen. Danach das Lorbeerblatt aus der Suppe nehmen, den Meerrettich dazugeben und die Suppe mit dem Mixer fein pürieren. 100 Milliliter Sahne unterrühren. Die Suppe abschmecken und auf tiefe Teller oder Schälchen verteilen. Mit der restlichen Sahne und etwas Pfeffer garnieren.
Service:

Meerrettich-Kompresse

  • Eine pflaumengroße Menge ganz fein geriebenen Meerrettich in ein Stofftuch oder Papiertaschentuch geben und auf allen Seiten einschlagen. Die Seite des Tuchs, an der nur eine Lage Stoff ist, auf die betroffene Stelle auflegen. Zwei bis maximal fünf Minuten darauf lassen. Im Anschluss die Haut abwischen und mit einem Pflegeöl einölen. Danach die Hände waschen, damit nichts Scharfes in die Augen gelangt. Erst ab dem zehnten Lebensjahr anwenden.
  • Anwendung: Bei leichten Muskelschmerzen aufgrund von Verspannung zur Förderung der Durchblutung. Bei Nasennebenhöhlenentzündung wird die Kompresse im Nacken aufgebracht, zwischen dem dritten und sechsten Halswirbel (Reflexzone für Nasennebenhöhlen). Sobald die Haut intensiv brennt, die Kompresse entfernen. Diese Anwendung fördert die Durchblutung der Nebenhöhlen und hilft, dort Sekret zu lösen.

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