09.01.2021 - 00:30 Uhr
TirschenreuthBesserWissen

Was eine gute Mahlzeit ausmacht

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Essen bedeutet weit mehr als nur Nahrungsaufnahme. Denn es kommt nicht nur darauf an, was man isst. Von großer Wichtigkeit ist auch das Drumherum.

Gemeinsames Essen macht Familien stark, sagt die Sozialpädagogin und Gesundheitstrainerin für Vollwerternährung, Theresia Kunz. Wichtig ist auch, sich beim Essen hinzusetzen.
von Christa VoglProfil

Tag für Tag versorgen wir unseren Körper über verschiedene Mahlzeiten mit Nährstoffen: Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette, Vitamine, Mineralstoffe. Sie liefern die notwendige Energie, sie dienen zum Aufbau des menschlichen Körpers und zur Aufrechterhaltung seiner Lebensfunktionen. Ist Essen also gleichbedeutend mit der Zufuhr von fester Nahrung und Getränken?

„Nein, keinesfalls“, sagt Theresia Kunz, 58 Jahre, Sozialpädagogin, Gesundheitstrainerin für Vollwerternährung und Mutter dreier erwachsener Töchter. „Essen bedeutet viel mehr als Nahrungsaufnahme. Inzwischen wissen wir zwar alle sehr gut, was wir essen sollten, zum Beispiel Vollkornprodukte, Obst, Gemüse.“ Aber wichtig sei eben nicht nur das Was, sondern auch das Wie. Doch das komme im Alltag oftmals zu kurz.

Gründe, so Kunz, warum wenig auf das bewusste Essen geachtet wird, gebe es viele. „Und sie sind natürlich auch von der jeweiligen Altersklasse abhängig.“ Einer der Hauptfaktoren sei allerdings die Fülle an Terminen und Verpflichtungen, die keine Zeit mehr lassen für gemeinsame Mahlzeiten. „Das ist sehr schade“, sagt die Gesundheitstrainerin aus Tirschenreuth, zumal Bausteine zum „Besser machen“ leicht umzusetzen seien.

Gemeinsames Kochen:

„Wenn während der Woche keine Zeit ist, miteinander zu essen, warum dann nicht am Wochenende mal gemeinsam kochen?“, rät sie. „Pizza aus dem eigenen Ofen, ein bunter Salatteller mit der Lieblingssoße, selbst gebackene Semmeln, ein Brotaufstrich nach einem neuen Rezept – und danach gemeinsam die Mahlzeit in aller Ruhe genießen.“ Essen werde so zum Erlebnis, gemeinsames Essen mache Familien stark. „Und es ist auch eine Art Beziehungspflege, weil man sich während des Kochens und Essens über alles Mögliche austauscht.“

Hinsetzen:

„Sich beim Essen hinzusetzen ist wichtig. Isst man immer nur zwischen Tür und Angel – da schnell ein Sandwich, da ein Schokoriegel, dort einen Snack – hat man abends das Gefühl, man habe den ganzen Tag über nichts gegessen. Unser Hirn speichert das nicht als Mahlzeit ab. Und dann isst man leicht zu viel.“

Wertschätzung:

Gerade für Senioren oder Menschen in Single-Haushalten sei es eine große Herausforderung, jeden Tag nur für sich selbst zu kochen. „Aber man sollte auf sich schauen, man sollte sich eine gute Mahlzeit am Tag wert sein. Niemand kann besser auf sich schauen, als man selbst. Das ist auch beim Essen so.“

Ort für Kommunikation:

„Beim Essen darf gesprochen werden, ja es soll sogar gesprochen werden“, sagt Kunz. „Gerade Kinder erzählen gerne, wenn sie von der Schule nach Hause kommen und am Mittagstisch sitzen. Sie laden dann einfach ab.“ Eine Mahlzeit sei „eine großartige Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen“.

Erziehungswert:

„Mit dem erhobenen Zeigefinger und den Worten ‚Iss deinen Teller leer, denk an die anderen Kinder auf der Welt, die hungern müssen‘ schafft man nur eine schlechte Stimmung“, warnt Kunz. Generell gelte: Die gemeinsame Mahlzeit sollte ein positiv besetztes Erlebnis sein und Freude am Essen vermitteln. „Besser ist es, selbst als gutes Beispiel voranzugehen: Indem zu Hause kein Essen weggeworfen wird, indem Reste sinnvoll verwertet werden, indem die Kochtöpfe sorgfältig geleert werden.“ Die Koppelung von Essen und Erziehungsabsichten sei pädagogisch und ernährungsphysiologisch „nicht sinnvoll, sogar bedenklich“.

Achtsamkeit:

„Bewusstes Essen geht am besten, wenn wir nicht mehrere Sachen gleichzeitig machen. Nicht essen und lesen. Oder essen und fernsehen. Oder essen und am Handy hängen. Wenn essen, dann essen.“ Das Multifunktionale sei nicht gut, dabei komme etwas zu kurz, in diesem Fall der Genuss. „Man isst auch mehr, als man eigentlich essen möchte, weil man nicht darauf achtet.“ Außerdem seien es oft schlechte Nachrichten, die aus den Medien während der Mahlzeit auf uns einströmten. „Und das schafft keine gute Stimmung, um Mahlzeit zu halten.“

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Zuwendung:

„Eine zubereitete Mahlzeit ist eine Form der Zuwendung und Wertschätzung: ‚Ich habe ich für Dich gekocht.‘ Vielleicht ja sogar das Lieblingsessen.“ Auch für einen schön gedeckten Tisch mit Servietten und einer kleinen Kerze sollte ab und zu Zeit sein.

Es sind diese verschiedenen Bausteine, die in Kombination ein gutes Fundament für die ideale Mahlzeit bilden. Theresia Kunz bündelt die einzelnen Elemente in einem einfachen Tipp: „Sich immer wieder mal am Esstisch zusammensetzen, gemeinsam essen, erzählen und in guter Stimmung genießen.“

"Gründe", so Theresia Kunz, "warum wenig auf das bewusste Essen geachtet wird, gibt es viele."
Theresia Kunz, Sozialpädagogin, Gesundheitstrainerin für Vollwerternährung und Mutter dreier erwachsener Töchter: „Essen bedeutet viel mehr als Nahrungsaufnahme."

Das bedeutet Intervallfasten

Deutschland und die Welt
Service:

Rezept für Apfel-Zwiebel-Aufstrich

Zutaten: 80 Gramm Butter, 100 Gramm säuerliche Äpfel, 150 Gramm Zwiebeln, 40 Gramm Sonnenblumenkerne, ein Viertel Teelöffel Kräutersalz, 1 Teelöffel Zitronensaft, eventuell etwas Knoblauch.

  • Die Butter vorsichtig erhitzen, gewürfelte Äpfel und Zwiebel mit den Sonnenblumenkernen und – wer mag – Knoblauch dazugeben.
  • Etwa fünf Minuten dünsten, dann pürieren. Mit den Gewürzen abschmecken.
  • Im Kühlschrank nicht länger als eine Woche aufbewahren.
Service:

Rezept für Vollkornbrötchen

Zutaten für zehn Stück à 50 Gramm: 15 Gramm Hefe, 200 Milliliter kaltes Wasser, 1 Teelöffel jodiertes Meersalz, 300 Gramm fein gemahlener Weizen sowie Sesam, Mohn, Kümmel, Leinsamen, Sonnenblumenkerne, provenzalische Kräutermischung oder geriebenen Käse zum Bestreuen je nach Vorliebe.

  • Hefe in Wasser auflösen.
  • Mit Salz vermischtes Weizenvollkornmehl dazugeben und das Ganze zirka 15 bis 20 Minuten per Hand oder in der Knetmaschine im kleinsten Maschinengang kneten.
  • Den Teig abgedeckt an einem warmen Ort bis zum doppelten Volumen gehen lassen.
  • Inzwischen den Backofen auf 200 bis 220 Grad Celsius aufheizen.
  • Teig zusammenkneten, zu einem Strang formen und 10 etwa 50 Gramm schwere Stücke mit der Teigkarte abdrücken und diese zu Brötchen formen.
  • Brötchen mit Wasser bestreichen, in die gewünschten Gewürze oder Samen tauchen und auf das Blech (mit Backpapier) setzen.
  • Die Brötchen wieder abdecken und nochmals an einem warmen Ort bis zur doppelten Größe gehen lassen.
  • Die Brötchen im vorgeheizten Backofen auf der zweiten Schiene von unten zirka 20 bis 25 Minuten backen.
  • Je nach Geschmack und Bedarf können auch Rosinen, Nüsse, und anderes unter den Teig geknetet werden. Statt Weizenvollkornmehl kann auch Dinkelvollkornmehl verwendet werden.

 

 

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