05.10.2020 - 15:05 Uhr
WiesauBesserWissen

Zu Tisch mit moderner Etikette

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Darf man zum Fünf-Gänge-Menü Bier bestellen? Wohin mit der Serviette? Und wer zahlt eigentlich? Hotelmeisterin Inge Gebert erklärt, was heute im Restaurant als gute Umgangsform gilt. Adolph Freiherr Knigge würde sich wohl wundern.

Wenn man sich beim Restaurantbesuch am Gastgeber orientiert, kann man nicht viel falsch machen.
von Autor EWAProfil

Es fängt schon beim Betreten des Lokals an. Nicht die Frau geht voran ins Restaurant, der Mann tut es - er muss ja schließlich die Tür aufhalten. Wirklich? Tatsächlich stammt diese Knigge-Regel aus einer Zeit, in der man sich nie so wirklich sicher sein konnte, was sich hinter der Wirtshaustür abspielte.

"Heutzutage ist es so, dass eigentlich immer der Gastgeber vorausgeht", erklärt Inge Gebert, Hotelmeisterin und Praktische Fachbetreuerin für Hotel- und Gastgewerbe am BSZ Wiesau. "Das ist allerdings nicht zwingend, er kann auch als Letzter das Lokal betreten und die anderen vorausgehen lassen." In den Zeiten von Corona erübrigt sich die Frage, ob der Gastgeber auch als Erster zum Tisch geht, denn die Gäste werden meist am Eingang des Restaurants abgeholt und zu ihren Plätzen geleitet.

Keine Jacken auf dem Tisch

Stellt sich die Frage: Wohin mit den Jacken? "Es kommt dabei darauf an, in was für einem Restaurant man sich befindet", so die Expertin. "In vielen Restaurants werden einem Mäntel und Jacken oft abgenommen, in anderen kann man diese selbst in die Garderobe bringen. Will man seine Sachen jedoch bei sich behalten, empfiehlt es sich, diese so über die Stuhllehne zu hängen, dass sie niemanden stören. Auf keinen Fall sollte man Jacken auf dem Tisch oder einem freien Stuhl ablegen, das gehört sich nicht." Beim Blick in die Speisekarte heißt es dann wieder: am Gastgeber orientieren. "Bleibt dieser beim Wasser, sollte man das auch tun", erklärt Inge Gebert. "Schlägt er einen Aperitif und Wein vor, darf man natürlich gerne diesen wählen."

Angestoßen wird erst dann, wenn alle am Tisch ihr Getränk haben. Jedoch sollten sich dabei die Gläser nicht berühren. "Man hebt diese nur kurz hoch und nickt sich zu", so die Hotelmeisterin. Ein lautes "Prost" sollte man sich besser verkneifen - außer man befindet sich in einem urigen Wirtshaus oder der Zoiglstube. Bei der Getränkeauswahl gilt: "Man beginnt immer mit trockenen Sachen und Drinks, die wenig Alkoholgehalt haben. Gleich mit Wodka anfangen, das geht nicht. Denn man steigert sich. Das gilt auch beim Wein, nach trocken folgt halbtrocken. Zum Dessert darf es auch mal etwas Liebliches sein. Dabei muss der Wein immer zum Menü passen."

Kleines Pils als Aperitif

Und was ist mit Bier? "Auch das geht natürlich", sagt Inge Gebert. "Der Aperitif kann ebenfalls schon ein Bier sein. Da bietet sich etwa ein kleines Pils an." Eine Regel, die inzwischen veraltet ist: Man fragt nicht nach dem Preis, wenn der Kellner etwas mündlich empfiehlt. "Warum denn nicht?", fragt die Hotelmeisterin. "Dabei handelt es sich doch um ein klassisches Verkaufsgespräch. Wenn ich weiß, was ein bestimmter Aperitif oder ein Menü kostet, kann ich mich in Ruhe entscheiden, was ich haben will."

Locker bleiben sei hier die Devise, so Inge Gebert. Denn nur dann lasse sich ein Restaurantbesuch auch wirklich genießen. "Natürlich darf man auch im Gourmetrestaurant immer sagen, was man gerne hätte", erklärt sie. "Man kann zum Beispiel auch mal nur zwei oder drei Gänge wählen. Und sich selbst entscheiden, ob man nun eine Wein-Begleitung wünscht oder eben nicht."

Das "Fräulein" hat einen Namen

Eine weitere Frage, die sich oft beim Restaurantbesuch stellt: Wie wird das Bedienungspersonal eigentlich korrekt angesprochen? Auf keinen Fall sollte man laut "Herr Ober" oder "Fräulein" durch das Lokal rufen. "Heutzutage hat die Servicekraft häufig ein Namensschild, so dass sie einfach mit dem Namen angesprochen werden kann", erklärt Inge Gebert. "Möchte man noch etwas bestellen oder reklamieren, ist es am besten, Augenkontakt aufzunehmen oder dezent die Hand zu heben. Gute Restaurantangestellte haben immer den ganzen Raum im Blick." Bei einer Reklamation gilt: Ruhig bleiben und sachlich erklären, was nicht in Ordnung ist. Auf keinen Fall sollte man lautstark und vor anderen Gästen über das Essen oder den Küchenchef lästern.

Die altbekannte Regel, das Besteck für jeden Gang von außen nach innen zu benutzen, ist noch immer aktuell. Die Serviette liegt während des Essens am besten auf dem Schoß, danach wird sie zusammengefaltet links neben den Teller gelegt. In Ausnahmefällen darf auch einmal mit den Händen gegessen werden. "Das betrifft zum Beispiel Artischocken oder Meeresfrüchte", erklärt die Expertin. "Ein sicheres Indiz dafür, dass man auch die Hände benutzen darf, ist eine Wasserschale oder ein Zitronentüchlein für die Finger." Grundsätzlich gilt zwar: Gabel links, Messer rechts. Linkshänder dürfen diese Regel jedoch gerne brechen.

"20 nach 4"

Ist man mit dem Essen fertig, sollte das Besteck nebeneinander in einem Winkel entsprechend der Uhrzeit "20 nach 4" abgelegt werden. Das bedeutet für das Servicepersonal, dass abgeräumt werden darf. Eine Verpflichtung, im Restaurant Trinkgeld zu geben, gibt es hierzulande nicht. "Bei gutem Service ist das jedoch angebracht", so Inge Gebert. "Mit rund zehn Prozent des Rechnungsbetrages liegt man auf jeden Fall richtig, wenn man zufrieden war."

Die alte Regel, dass immer der Mann bezahlen muss, ist in unseren emanzipierten Zeiten natürlich Schnee von gestern. "Es sollte jedoch immer frühzeitig abgeklärt werden, wer die Rechnung übernimmt. Natürlich ist es in jedem Restaurant auch möglich, getrennt zu zahlen."

"Immer locker bleiben", rät Hotelmeisterin Inge Gebert. "Denn nur dann macht das Genießen auch Spaß."
Bei Gläsern und Besteck gilt nach wie vor bei der Reihenfolge: Immer von außen nach innen benutzen.
Hintergrund:

Restaurant-Regeln von gestern

Es zahlt immer der Mann

Richtig ist: Es übernimmt immer derjenige die Rechnung, der eingeladen hat. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle mehr.

Nur mit alkoholischen Getränken anstoßen

Richtig ist: Spätestens seit dem Motto „Kein Alkohol am Steuer“ gilt diese Regel nicht mehr. Ob Sekt oder Selters – es darf auch mit Softdrinks angestoßen werden.

Im Gourmetrestaurant mindestens sechs Gänge bestellen

Richtig ist: Niemand ist gezwungen, sich zu übernehmen. Auch drei oder vier Gänge sind inzwischen jederzeit erlaubt.

Die geöffnete Weinflasche bleibt im Restaurant

Richtig ist: Viele Restaurants bieten inzwischen von sich aus an, angebrochene Flaschen Wein einzupacken. Der Rest des Weins darf auch zu Hause genossen werden. (ewa)

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