02.01.2019 - 18:58 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Debatte um Amberger Schläger außer Kontrolle

Hat Bayern nach den Vorfällen von Amberg seine eigene "Kölner Silvesternacht"? Der Eindruck drängt sich nach dem medialen Echo auf die Vorfälle von Samstagabend auf. Und dann taucht noch die NPD aus der Versenkung auf.

Auch am Mittwoch war Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny war ein gefragter Gesprächspartner
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Jetzt schaltete sich Bundesinnenminister Horst Seehofer ein. "Sehr aufgewühlt" hätten ihn die Amberger Ereignisse, erzählte er der "Bild", um seine Forderung nach härterem Vorgehen gegen straffällige Asylbewerber zu untermauern. Derweil zitiert das Blatt mit Foto einen 13-Jährigen als "das erste Opfer" der vier ausländischen Jugendlichen.

Aus nicht bestätigten, amtlichen Quellen hieß es aber, dieser Augenzeuge habe seinerseits bereits häufiger Bekanntschaft mit der Polizei gemacht. Allerdings nicht im Zusammenhang mit den Vorfällen vom Samstag, als in Bahnhofsnähe und der angrenzenden Innenstadt insgesamt zwölf Passanten von dem inzwischen in Untersuchungshaft genommenen Schläger-Quartett wahllos angegriffen und verletzt wurden. Es sollen drei Afghanen und ein Iraner für die Angriffe verantwortlich sein. Unter den Schlägern war laut dpa aber wohl kein Syrer. Bei zweien der vier soll der Asylantrag bereits abgelehnt sein. Einer klagt gegen diese Entscheidung, beim anderen verhinderte bisher wohl der fehlende Reisepass die Abschiebung. Bei einem dritten Verdächtigen läuft das Asylverfahren noch, beim vierten ist die Abschiebung ausgesetzt, weil er minderjährig ist.


 

Derweil gaben sich am Mittwoch bei Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) TV-Nachrichten-Teams und Reporter die Klinke seines Amtszimmers in die Hand. Er hatte die Vorkommnisse in einem ersten Statement scharf verurteilt, die mutmaßlichen Täter als "Idioten" tituliert, aber davor gewarnt, die Attacken zu verallgemeinern und überzubewerten. Der schrille bis dumpfe Widerhall in den sogenannten sozialen Medien fiel erwartbar heftig aus. Nun muss sich Cerny für seine deeskalierende Absicht und die "Idioten"-Beschimpfung gleichermaßen rechtfertigen.

 

Drei Helden gegen neue Angst

Amberg

Der Oberbürgermeister nimmt die Verunsicherung der Amberger Bürger nach diesem Vorfall sehr ernst, und es liegt ihm am Herzen, den Vorgang sachlich und mit einem klaren Blick für die Realitäten aufzuarbeiten. "Unsere Stadt ist deshalb nicht unsicherer geworden, und wir werden gemeinsam mit der Polizei das uns Mögliche dafür tun, dass das so bleibt." Keinerlei Verständnis bringt Cerny für "hasserfüllte und textbausteinartig zusammengesetzte Anfeindungen" aus dem Rest der Republik im Netz auf. "Das lösche ich lieber ungelesen."

Wobei diese Kommentare dem Amberger Oberbürgermeister noch lieber sein dürften, als mancher Besuch in seiner Stadt. So prahlt die NPD Nürnberg auf ihrer Facebook-Seite damit, in Amberg "Schutzzonen" geschaffen zu haben. Dazu sind acht Bilder von vier Männern mit roten Schutzwesten zu sehen, die durch Amberg patrouillieren. Entstanden scheinen die Bilder am Neujahrstag zu sein. Eines zeigt die vier Gestalten laut Bildunterschrift vor einem Asylbewerberheim in Amberg.

Jugendliche prügeln auf Passanten ein

Amberg

Die beschuldigten vier Schläger lebten nicht dort. Den zuständigen Ausländerbehörden zufolge - die jeweils angegebenen Identitäten gelten derzeit noch nicht als endgültig gesichert - war je ein Verdächtiger in Regensburg sowie in Auerbach gemeldet, zwei "sind derzeit ohne festen Wohnsitz".

Je höher die Welle politischer Bewertungen schwappt, desto zurückhaltender bis zugeknöpft geben sich die Ermittlungsbehörden. Zur Versachlichung der Diskussion erklärte der Amberger Staatsanwalt Oliver Wagner schriftlich, dass es momentan "keinerlei Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund" gebe. Und weiter: "Es handelte sich nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht (wie teilweise wohl berichtet) um eine über drei Stunden andauernde Tat, sondern um wenigstens zwei Vorfälle gegen 18.45 Uhr und wenigstens zwei weitere Vorfälle etwa gegen 20.45 Uhr."

Noch ein Hinweis lässt tief blicken: "Da erfahrungsgemäß in solchen Fällen die Gefahr besteht, dass sich auch ,falsche' Zeugen melden", wolle sich die Staatsanwaltschaft zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu einigen offenen Fragen nicht detaillierter äußern. Es werde jedoch "in einem späteren Verfahrensstadium" eine Pressekonferenz geben.

Diskussion um Abschieberegeln

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Kommentar: Alle Gewalt geht vom Manne aus

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Kommentare

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Rene Kinderlein

Wenn in der Diskussion um die Gesetzte immer wieder gesagt wird, dass diese ausreichend sind und nur angewendet werden müssen muss es erlaubt sein zu sagen: Einen Staat, der Recht und Gesetz nicht durchsetzen, kann brauchen wir nicht. Siehe dazu auch die „No Go Areas“ im Gebiet der Clans. Und wenn wir nicht in der Lage sind wirtschaftsflüchtige, kriminelle Muslime (ich schreibe extra nicht von den Herkunftsländern, da dies nicht maßgeblich ist), die im Wesentlichen von unserem Sozialsystem leben zu reglementieren habe wir uns schon aufgegeben.

03.01.2019
Tobias Punzmann

Ich bin grad am überlegen, was ich als in Deutschland Geborener mit deutschen Eltern und Vorfahren aus Böhmen und Ostpreussen anstellen müsste, um den Bundesinnenminister auf den Plan zu rufen.
Dieser ruft jetzt vollkommenn hilflos nach immer schärferen Gesetzten, obwohl er nicht in der Lage ist, die bereits vollkommen ausreichenden Gesetze auch durchzusetzen. Neue Gesetze würden ihn doch noch mehr überfordern. Er kann sich höchstens mal beim ehemaligen Bayrischen Ministerpräsidenten dafür bedanken, dass er die Exekutive kaputt gespart hat, wenn er ihn mal im Spiegel sieht. Wie kann es sein, dass ein besoffener Schlägertrupp, egal welcher Provenienz, der weder flüchtet noch sich versteckt, erst nach Stunden gestellt wird? Warum bestraft ein Rechtsstaat eigentlich nicht komplett gleich, egal ob eine Tat von Migranten, falschgescheitelten Faschisten, Besoffenen oder anderweitig Minderbemittelten begangen wird.
So wie Deutschland jahrelang die größten Nieten nach Brüssel oder Straßburg abgeschoben hat, entsorgt Bayern seine größten Stümper immer noch in Berlin.

03.01.2019
Patrick Plenhart

weshalb wird diese Hetzjagd auf Deutsche, als "Prügeltour" bzw als "Schlägerei" verharmlost?

in Chemnitz gab es nur ein sekundenlanges video das allerdings ausreichte, um wochenlang eine ganze Stadt zu verunglimpfen, obwohl es keine Verletzen oder Verfolgten gab.

03.01.2019