04.06.2020 - 19:03 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Grammer setzt Dividende aus und braucht weitere Kredite

Der Absatzeinbruch in der Automobilindustrie wegen der Corona-Pandemie belastet die Automobilzulieferer. Nun gibt es auch von Grammer aus Ursensollen bei Amberg schlechte Nachrichten.

Grammer streicht die Dividende und will das Kapital erhöhen.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Der Oberpfälzer Automobilzulieferer und Sitzhersteller Grammer AG setzt wegen der Corona-Pandemie die Dividende aus. Als weiteren Schritt zur finanziellen Stabilisierung will das Unternehmen seine Kreditlinie ausweiten, teilte Grammer am Donnerstagmittag in einer Ad-hoc-Mitteilung mit. Die Gespräche mit den "Konsortialbanken über eine dritte Tranche des bestehenden syndizierten Kredits" seien weit fortgeschritten, hieß es. Die zusätzliche Kredite sollen den bestehenden Kreditrahmen um "voraussichtlich 235 Millionen Euro erhöhen". Dabei setzt Grammer auch auf staatliche Unterstützung im Zuge der CoronaHilfen für die Wirtschaft.

Die Kredite dienten "zur Überbrückung der aktuellen wirtschaftlichen Ausnahmesituation", schreibt das Unternehmen aus Ursensollen bei Amberg in seiner Mitteilung. Zudem plant der Autozulieferer im zweiten Halbjahr eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht der Aktionäre. Ziel ist es, das Eigenkapital der Grammer AG um mindestens 40 Millionen Euro zu stärken.

Gewinnwarnung im April

Bereits Mitte April hatte der Konzern in einer Ad-hoc-Mitteilung von einem Umsatzeinbruch im ersten Quartal 2020 gewarnt. Ende April meldete der Automobilzulieferer dann für die ersten drei Monate dieses Jahres einen Umsatzrückgang um 14,8 Prozent auf 454,9 Millionen Euro. In den ersten drei Monaten des Jahres 2019 hatte der Umsatz noch bei 534,1 Millionen Euro gelegen.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag im ersten Quartal bei minus 2,1 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2019 hatte Grammer noch einem Gewinn von 24,0 Millionen Euro erzielt. Das um Währungseinflüsse in Höhe von 2,5 Millionen Euro bereinigte operative Ebit reduzierte sich laut Grammer auf 0,4 Millionen Euro. In den ersten drei Monaten des Jahres 2019 waren es noch 23,0 Millionen Euro gewesen. Die operative Ebit-Rendite bezifferte Grammer auf 0,1 Prozent (Vorjahresquartal: 4,3 Prozent).

Gewinnwarnung von Grammer

Amberg

Hilfe von staatlicher KfW

Zur finanziellen Stärkung holt sich Grammer neben seinen Kernbanken auch die staatliche KfW-Bankengruppe als direkten Kreditgeber. Die Förderbank des Bundes beteiligt sich im Rahmen des Corona-Sonderprogramms.

Im Zuge der Inanspruchnahme des Kredits streicht Grammer auch die Dividende. Ursprünglich hatte der Zulieferer beschlossen, eine Dividende von 0,11 Euro je dividendenberechtigter Aktie zu zahlen. Nun schlägt der Vorstand der Hauptversammlung vor, keine Dividende für das Geschäftsjahr 2019 auszuschütten. Der Aufsichtsrat hat sich diesem Vorschlag angeschlossen, teilte Grammer mit. Mit der Ausweitung des "Kredits wird die Dividende während der dreijährigen Laufzeit der neuen Tranche ausgesetzt".

Die Mitarbeiter sandte Grammer bereits Anfang April in Kurzarbeit. Allerdings sieht eine Konzernbetriebsvereinbarung, die der Betriebsrat mit Grammer vereinbart hat, beim Kurzarbeitergeld eine Aufstockung auf 80 Prozent vor.

Kurzarbeit bei Grammer

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