12.08.2018 - 15:08 Uhr
GrafenwöhrDeutschland & Welt

Wolfswelpen für die Oberpfalz?

Die Liebe im Veldensteiner Forst ist frisch, und doch hat es für das Wolfspaar bereits mit Nachwuchs geklappt. Über den Truppenübungsplatz Grafenwöhr streift schon deutlich länger ein Paar. Wie sieht es hier mit Nachwuchs aus?

Zwei junge Welpen im Veldensteiner Forst auf einer Aufnahme vom 2. August 2018
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

(wüw) Es hat wohl wieder nicht geklappt. Der Leiter des Bundesforstbetriebs Grafenwöhr, Ulrich Maushake, und Stellvertreter Hubert Anton gehen davon aus, dass 2018 keine jungen Wölfe auf dem Truppenübungsplatz zur Welt kamen. Ganz anders im nahen Veldensteiner Forst. Am Freitag veröffentlichte da Landesamt für Umwelt eine Fotofallenaufnahme vom 2. August. Zwei Jungwölfe sind auf dem Bild zu sehen, das im Landkreis Bayreuth entstand ist. Es ist erst der zweite Wurf seit langer Zeit in Bayern.

2017 wurden im Nationalpark Bayerischer Wald Wölfe in freier Wildbahn geboren, zum ersten Mal nach 150 Jahren im Freistaat. Aus dem Nationalpark gibt es 2018 noch keinen Beleg für einen neuen Wurf, wie das LfU bestätigt. "Es handelt sich in diesem Jahr um den ersten Nachweis von Wolfswelpen in Bayern", heißt es in der Pressemitteilung zu den Fotoaufnahmen aus Franken.

In Grafenwöhr scheinen ähnliche Bilder eher das Gegenteil zu belegen: Forstmann Hubert Anton verweist auf Aufnahmen vom 2. Juli, die das Wolfspaar auf dem Übungsplatz zeigen. "Selbst die Fachleute vom Büro Lupus erkennen darauf kein Gesäuge", erklärt Anton. Würde die Wölfin Nachwuchs ernähren, sollten Zitzen zu sehen sein. Betriebsleiter Maushake weist zwar auf die Größe und Unübersichtlichkeit des Geländes hin. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Wolfs-Nachwuchs bisher einfach nicht entdeckt wurde. Wahrscheinlicher sei aber, dass es keinen gibt.

Die beiden Wölfe leben seit mindestens zweieinhalb Jahren gemeinsam in der Oberpfalz. Die Fähe kam auf dem brandenburgischen Bundeswehr-Übungsplatz Lehnin südwestlich von Potsdam zur Welt. Ihre erste DNA-Probe aus Grafenwöhr stammt vom 7. Januar 2017. Der Rüde konnte keinem Stamm-Rudel zugeordnet werden, zählt aber ebenfalls zur sogenannten zentraleuropäischen Tieflandpopulation, die in Nordostdeutschland und Westpolen lebt. Zum ersten Mal auf dem Übungsplatz nachgewiesen wurde er mit einer Probe vom Silvestertag 2016. Seit März 2017 ist belegt, dass die Tiere als Paar über den Platz streifen. Deshalb war schon 2017 mit Nachwuchs zu rechnen. Als der ausblieb, hielt sich die Überraschung in Grenzen. Es sei nicht ungewöhnlich, dass junge Wölfe bei der ersten Paarung nicht erfolgreich sind.

Der Wolf auf dem Übungsplatz - Zwischenbilanz nach zwei Jahren

Wie schnell es aber gehen kann, haben die fränkischen Nachbarn bewiesen. Erst im März 2018 gelang im Veldensteiner Forst der Nachweis des Wolfspaars, gerade zum Ende der Paarungszeit. Der Rüde war zuvor mehrere Monate alleine über den Truppenübungsplatz Hohenfels gezogen, bevor er sich der Fähe anschloss, die schon seit Anfang 2017 im Waldgebiet an der Grenze zur Oberpfalz lebte. Inzwischen zieht das Paar mindestens zwei Welpen groß.

Dass es in Grafenwöhr im zweiten Jahr wieder nicht geklappt hat, überrascht Ulrich Maushake schon etwas. Die Bedingungen für die Tiere seien gut. Im Februar fanden sich Spuren im Schnee, neben Urin entdeckten die Forstmänner auch kleine Blutstropfen. Ein Zeichen, dass die Fähe läufig war. Im Mai oder Juni wäre die Zeit für den Wurf gekommen gewesen. Welpen bleiben nach der Geburt für einige Wochen in einer Geburtshöhle unter der Erde. Inzwischen hätten die Jungtiere aber Spuren an der Oberfläche hinterlassen sollen.

Dem ist nicht so. Weshalb, lasse sich von außen nicht erklären. Man wisse, dass wiederholt ausbleibender Nachwuchs ungewöhnlich, aber nicht ausgeschlossen ist. "Es ist möglich, dass der dritte Anlauf im kommenden Jahr klappt", erklärt Maushake. Wölfe seien in der Beziehung wie Menschen. "Es gibt Paare, bei denen es länger dauert." Bei manchen klappe es aber auch gar nicht.

Das Wolfspaar vom Truppenübungsplatz auf einer Aufnahme aus dem Sommer 2017. Vermutlich sind sie wohl auch in diesem Jahr nur zu zweit unterwegs.

Wolf vom Barbaraberg bleibt unbekannt:

Wolf vom Barbaraberg bleibt unbekannt

Die Hintergründe zum ersten nachweislich von einem Wolf gerissenen Haustier in der Region bleiben dunkel. Es ist nicht möglich, mehr über den Wolf zu erfahren, der im April auf einem Hof in Barbaraberg (Landkreis Neustadt/WN) ein Schaf gerissen hat. Dies teilte das Landesamt für Umwelt (LfU) mit.

Am Kadaver gesicherte DNA stammt zwar sicher von einem Wolf. "Wie das beauftragte Labor mitteilte, war das Signal der Proben zu schwach für eine genetische Individualisierung", meldet das LfU.

Damit bleibt offen, ob einer der Wölfe vom Übungsplatz der "Täter" war oder ein Jungtier auf Reviersuche das Schaf tötete. Im Frühjahr sind nachweislich viele solche Tiere unterwegs. In Deutschland leben inzwischen mehr als tausend Wölfe. Wenn Jungtiere im Frühjahr ihr Rudel verlassen müssen, legen sie auf Revier-Suche oft viele Hundert Kilometer zurück.

Wolf am Barbaraberg II

Wolf am Babaraberg I

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