Ode an die Bratwurst

Am 16. August ist Internationaler Tag der Bratwurst. Ja, den gibt es wirklich. Ein Anlass zum Feiern, findet unser Reporter und gesteht dem brutzelnden Kulturgut seine Liebe.

Ob im Stadion oder auf dem Sommerfest: Mit einer Bratwurstsemmel in der Hand ist die Welt in Ordnung, findet unser Reporter.
von Florian Bindl Kontakt Profil
Kommentar

Liebe Bratwurst,

für einen gefüllten Darm hast du es ziemlich weit gebracht. Du bist nicht nur in deiner Heimat Deutschland bekannt, man ruft dich – nicht ganz akzentfrei – auch in den USA, in Südafrika oder in Singapur so. "Could I have a deutsche bratwurst please", heißt es weltweit an gut sortierten Imbissbuden. Einer Gruppe hast du es besonders angetan, den Fußballfans. Wenn du deinen Geruch durch die grauen Beton-Gänge des Stadion-Runds strömen lässt, dann ist die Welt in Ordnung. Du bist eine Konstante, ein brutzelnder Stützpfeiler im Weltbild eines Fans. Egal wie das Spiel gelaufen ist, auf die Bratwurstsemmel ist Verlass.

War Verlass. Seit die Corona-Pandemie jede scheinbare Konstante der Lächerlichkeit preisgegeben hat, bist auch du aus vielen Leben verschwunden. Keine Feste, keine Konzerte, keine Zuschauer in den Stadien. Was gab es Schöneres, als auf einer wackeligen Bierbank zu stehen, in der einen Hand ein kühles Getränk, in der anderen dich, verpackt in eine Semmel, dazu Senf in den Mundwinkeln?

Aber du machst ja selber eine schwere Zeit durch, wirst mit Vorwürfen statt mit Senf überhäuft. Ein totes Tier seist du, gefertigt aus den Zutaten Leid, Tod und Darm. Andere verschmähen dich, weil du ungesund seist, deine Kruste: krebserregend. Sie ersetzen dich durch Seitan, Tofu oder Lupinensamen. Mittlerweile hat sogar Dieter Bohlen für dich werben müssen. Mein Mitgefühl hast du. Eigentlich bist du eine arme Sau. Ich liebe dich trotzdem.

Pullenried bei Oberviechtach
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