Die Hankerler aus dem Steinwald

Hilfsbereit, klug und fleißig: So werden in den Sagen die Hankerler beschrieben. Die aufgeschriebenen Erzählungen berichten von Mord, Hoffnung, Habgier und dem Wunsch, dass das Gute wiederkehrt.

Im Steinwald existieren viele Sagen um die Hankerler. Sie sollen mit ihrem Schatz am Teichlberg bei Pechbrunn versteckt sein.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Von Lucia Brunner und Wolfgang Ruppert

"Ja, das war eine bessere Zeit damals, als die Hankeln noch lebten, diese kleinen Männlein mit den langen Bärten bis auf die Knie und gar vielen Runzeln im Gesicht", schreibt Lehrer Ludwig Forster 1914 in seinem Heimatbuch "Wiesau und Umgebung". Wer in der Steinwaldregion im Landkreis Tirschenreuth aufwächst, kommt an den Sagen um die Hankerler nicht vorbei. Besonders bekannt ist ihr Schatz, der im Steinwald am Teichlberg versteckt sein soll. Dorthin sollen die Hankerler nämlich einer Sage aus Mitterteich nach vertrieben worden sein.

Der Oberpfälzer Märchensammler Franz Xaver von Schönwerth zählt diese Zwergenwesen in seinem zweiten Band der "Sitten und Sagen aus der Oberpfalz" zu den Erdgeistern. Er bemerkt an dieser Stelle auch, dass die Hankerler nicht nur ein Phänomen aus dem Steinwald sind: Im Landkreis Schwandorf werden sie etwa auch Schrazeln genannt, andernorts heißen sie auch Fankerln. Dabei handelt es sich bei den Zwergen um freundliche Wesen, die einst mit den Menschen zusammengelebt haben sollen. Ihre Reichtümer, Intelligenz und Kraft sollen sie dafür eingesetzt haben, um in Frieden zu leben und den Menschen in der Region Gutes zu bringen. Daher hätten sie ihnen am Feld, im Haushalt oder als kluge Ratgeber zur Seite gestanden.

Tragische Wendung der Sage

Der Plan der Hankerler: Sie wollten Mitterteich so vergrößern, dass die Stadt von Fuchsmühl bis nach Waldsassen reichen sollte. Dazu sollte es aber nicht kommen. Denn in der Sage kommt es zu einer tragischen Wendung. Als sich eines Abends die Zwerge zu einem Tanz trafen, fingen Menschen an, sich mit ihnen zu streiten. Der Streit uferte so aus, dass ein Hankerl erschlagen wurde. Ein absoluter Tabubruch und die Zwerge flüchteten auf den Teichlberg. Ihr neues Versteck wird wie folgt beschrieben: "Dort, wo im gebirgigen Hochwalde an großen Granitblöcken eine kleine klare Quelle entspringt, der Hankerlbrunnen, ist eine Höhle, die auch Hankerlgrube genannt wird."

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Heimatforscher Adalbert Busl aus Wiesau fiel in seinem Aufsatz "Die Hankerln" von 1986 auf, dass Schönwerth eine gewisse Unkenntnis über die Örtlichkeit hatte. Denn der Teichlberg ist vulkanischen Ursprungs, so findet sich dort kein Granit sondern Basalt. Am großen Teichlberg bei Pechbrunn findet sich im Naturschutzgebiet auch heute noch der Hankerlbrunnen in einer Waldlichtung. Dabei handelt es sich um eine kleine Holzblockhütte an einem kleinen Bach.

Hankerler ruhen im Versteck

Die Hankerler sollen in ihre Höhle auch all ihre Schätze mitgenommen haben. Es heißt, dass sie dort schlafend ruhen. Der älteste von ihnen sitzt in der Mitte an einem steinernen Tisch. Sein Bart soll in der Zwischenzeit so lange gewachsen sein, dass er sich zweimal um den Tisch wickelt. Der Sage nach heißt es, erst wenn der Bart zum dritten Mal um den Tisch gewachsen ist, sollen die Hankerler wieder munter werden und das Gute in die Welt zurück bringen.

Hinter diesem Gedanken steckte auch die Hoffnung und Sehnsucht einer Mitte des 19. Jahrhunderts eher ärmlichen bäuerlichen Bevölkerung im Steinwald. Der Wunsch nach Wohlstand und Frieden dürfte unter den Menschen damals groß gewesen sein. Heimatforscher Adalbert Busl forschte historisch zu den Hankerlsagen und stieß auf einen wahren Kern. So gibt es die hier geschilderte Sage aus Mitterteich auch in einer leicht abgewandelten Form in Wiesau.

Geschichtliche Quellen aus dem Oberamt Waldsassen und dem Gericht in Wiesau (Landkreis Tirschenreuth) aus dem 16. Jahrhundert berichten von ausländischen Erzgräbern. Drei Brüder, die "Henngkel" genannt wurden, hätten am "Teuchlberg" nach Erz gegraben. Alle drei seien in Wiesau beim Kretschmar erschlagen worden. Busl arbeitet heraus, dass es sich dabei um das einzige Wirtshaus im Ort handelte, das bis heute noch als Gasthof "Zum weißen Ross" existiert. Obwohl der Heimatforscher einen Zusammenhang zur Hankerl-Sage herstellt, betont er, dass die Sage ursprünglich wohl nichts mit dem Mord zu tun hatte. Jedoch habe sich im Laufe der Zeit das Sagennetz um die Hankerl verdichtet und den Mord mit aufgenommen.

Hankerlhöhle öffnet sich am Palmsonntag

So gibt es weitere Sagen, die erklären wie Menschen die Hankerler und ihren Schatz finden können. Das sei nur an bestimmten Tagen möglich. Laut Schönwerth ist das etwa an Palmsonntag der Fall. Also am Sonntag vor Ostern, wenn in der Kirche die Passion verlesen wird. In diesem Zeitraum soll die Höhle der Hankerler zugänglich sein. Menschen könnten dann sogar so viele Reichtümer wie sie nur wollen, aus der Höhle mitnehmen können. Jedoch hat dieser Traum vom Reichtum auch mehrere Haken. Denn wer etwa bis zum Ende der Passion die Höhle nicht verlassen hat, muss dort verharren bis sich die Höhle in einem Jahr wieder öffnet. Schlimmes muss jedoch keiner befürchten, da die Hankerler nicht böse sind.

Ein immer wiederkehrendes Symbol in den Sagen ist auch der Schlüssel, der in die Hankerlgrube führen soll. Diese soll sich laut Schönwerth in Triebendorf bei Wiesau befinden. Sie soll unter einem Felsen versteckt sein. Der Schlüssel dafür soll nur am Karfreitag während der Passion im Hankerlbrunnen gefunden werden können.

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Hintergrund:

Sagen über Zwerge

  • Die Bezeichnung Zwerg meint meist kleinwüchsige, in Bergen oder unter der Erde lebende Dämonen.
  • Zwerge üben oft handwerkliche Tätigkeiten aus.
  • Sagen über Zwerge sind oft mit Vorstellungen von einem fremden Volk verknüpft, das früher die Gegend bewohnte.
  • Oft werden Zwerge als besonders hässlich, unheimlich und uralt beschrieben. Ihr Gesicht ist runzlig und sie tragen Bärte.
  • Den Menschen verhalten sie sich oft hilfreich und gutmütig, aber man darf sie nicht beleidigen.
  • Zwerge beherrschen geheime Künste und stellen kunstvolle Handwerksarbeiten her. (Quelle: Leander Petzold: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister.)
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