Weiden: Der nächste Schlag gegen Schleuserbande

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In Europas Schleuser- und Menschenhändlerszene dürfte die Stadt Weiden längst ein Begriff sein. Seit zwei Jahren treibt die hiesige Staatsanwaltschaft europaweite Ermittlungen voran. Jetzt feiert sie den nächsten Erfolg.

Darauf haben die Weidener Ermittler lange hingearbeitet: Polizisten führen Rayan S. (Mitte) ins Weidener Gerichtsgebäude.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Nur scheinbar ein Haftrichtertermin wie jeder andere: Als Polizeibeamte am Freitag den 39-jährigen Rayan S. im Weidener Gerichtsgebäude vorführten, war das vor allem für die Staatsanwaltschaft etwas Besonderes. Hinter dem Briten mit irakischen Wurzeln waren die Ermittler seit langem her: "Für uns ist das ein großer Erfolg", sagt dann auch Staatsanwalt Marco Heß.

Das große, dreckige Geschäft der Schleuser

Waidhaus

Dass dieser Erfolg nicht nur in Weiden beachtet wird, zeigt die ungewöhnlich lange Pressemitteilung, die die Zentrale der Bundespolizei in Potsdam am Freitag zur Auslieferung und der Arbeit der Weidener Staatsanwaltschaft veröffentlichte. Das Bundeskriminalamt nutzt die Ermittlungen der Weidener als besonders geeignetes Fallbeispiel in einer Broschüre über Schleusungskriminalität.

Unter Weidener Regie: Fünf Staaten gemeinsam gegen Schleuserbanden

Weiden in der Oberpfalz

Seit 2018 laufen diese Ermittlungen, früh war klar, die Fäden laufen beim nun ausgelieferten Rayan S. zusammen. Mehrere Bandenmitglieder sind in Weiden bereits zu Haftstrafen verurteilt worden. Auch in anderen Ländern sind Urteile gegen Bandenmitglieder gefallen. Und nun steht wohl auch einem Prozess gegen den Chef nichts mehr im Weg.

Verhaftung in London

Waidhaus

Am Freitagvormittag war der Termin beim Haftrichter in Weiden angesetzt, nachdem der Verdächtige am Donnerstag am Frankfurter Flughafen gelandet war. Rund 15 Monate saß er in Auslieferungshaft. Im März 2019 hatten ihn Ermittler bei einer europaweiten Aktion verhaftet. Auch zwei Bundespolizisten aus Bärnau und Oberstaatsanwalt Christian Härtl waren bei der Festnahme in London anwesend.

Alle Rechtsmittel ausgeschöpft

Dabei gab es bei dem grenzüberschreitenden Verfahren nicht nur eine Komplikation, beichtet Staatsanwalt Heß. Zunächst hatte eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshof zum Europäischen Haftbefehl die Arbeit verzögert. Der Brexit veränderte die juristische Grundlage für die Kooperation mit den britischen Behörden. Und dann kam der britische Pass des Verdächtigen hinzu. Ein Land zu bewegen, einen eigenen Staatsbürger auszuliefern, sei nicht ohne. "Er hat alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft", sagt Marco Heß, über den Verdächtigen. Seit Freitag sitzt dieser nun trotzdem in deutscher Untersuchungshaft, laut dpa in Hof.

Die Festnahmen mehrerer rumänischer Lkw-Fahrer in Tschechien und Ungarn Anfang 2018 brachten die Ermittler auf die Spur. Die Männer brachten die Flüchtlinge für viel Geld unter teils lebensgefährlichen Bedingungen aus Rumänien über Waidhaus nach Deutschland. Die Anweisungen sollen sie von Rayan S. per Whatsapp erhalten haben. Bei ihm landete ein Großteil des erpressten Schleuserlohns.

Verdächtiger in Griechenland

Diese Zusammenhänge deckte ab November 2018 eine internationale Ermittlungsgruppe auf, die aus Weiden koordiniert wurde. Dafür schloss die Weidener Staatsanwaltschaft eigens Verträge mit Behörden in Rumänien, Großbritannien und Ungarn. Aufgrund der Ermittlungen gab es inzwischen mehrere Aktionen. In Griechenland sitzt ein weiteres Bandenmitglied in Haft, den die Ermittler ebenfalls als Hintermann sehen.

Die Staatsanwaltschaft bemüht sich um die Auslieferung, um auch ihn vor Gericht zu stellen, eventuell gemeinsam mit Rayan S. Das wäre weniger aufwendig, als zwei Prozesse zu führen, erklärt Heß. Allerdings müsste Griechenland den Verdächtigen zügig ausliefern. In sechs Monaten soll spätestens die Anklage vorliegen, ansonsten steht eine Haftprüfung durchs Oberlandesgericht an. Bis Ende 2020 dürfte dann der Prozess terminiert werden.

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