05.04.2021 - 14:43 Uhr
AmbergOberpfalz

Abschied fällt ihm schwer: Johannes Laschinger verlässt Stadtarchiv Amberg

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Johannes Laschinger, der das Amberger Stadtarchiv seit 1986 leitete, hatte vor Ostern seinen letzten Arbeitstag. Doch loslassen will und soll er als gar nicht. Das hat aber nicht nur etwas mit dem Wasserschaden vom 16. Februar zu tun.

Bild: Wolfgang Steinbacher Gespräch im Stadtarchiv mit dem scheidenden Leiter Dr. Johannes Laschinger.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Der Schmerz sitzt noch immer tief. Die geplatzte Leitung, die in der Nacht zum 16. Februar das Stadtarchiv unter Wasser setzte, hat nicht nur einen immensen Schaden im 2018 bezogenen ehemaligen Kurfürstlichen Wagenhaus am Paulanerplatz hinterlassen, sondern auch in der Psyche von Stadtarchivar Johannes Laschinger. "Mental war das ein riesiges Problem für mich", sagt der 65-Jährige, der seit 1. April Ruheständler ist und auch nach rund sieben Wochen nicht mit dem Vorfall abschließen kann. Obwohl er das mit Beendigung seiner Amtszeit jetzt offiziell dürfte: "Das beschäftigt mich immer noch ein bissl. Es ist schwierig, jetzt zu gehen. Ich habe im Vorfeld alles dafür getan, um einen vernünftigen Übergang zu schaffen. Und dann kommt so was."

Ersten Schock überstanden

Rund 30 Kubikmeter Wasser waren aus einer Leitungsverpressung gelaufen, die sich aus bisher noch ungeklärter Ursache einfach gelöst hatte. Johannes Laschinger schüttelt noch immer den Kopf: "Da ziehst du wegen der Hochwassergefahr von der Vils weg, hier ein und hast dann einen Wasserschaden. Da stehst du dann da und denkst dir, dass das doch alles nicht sein kann." Den ersten Schock hat der gebürtige Straubinger, der 1986 als Leiter des Stadtarchivs nach Amberg gekommen war, mittlerweile überwunden. Die letzten Trocknungsgeräte seien am Montag vor Ostern abgebaut worden: "Das Raumklima ist jetzt einigermaßen wieder in Ordnung Man muss jetzt hoffen, dass sich nicht in irgendeiner Ecke noch Schimmel bildet." Noch stehe nicht fest, wann das zur Wiederaufbereitung nach Leipzig geschickte Archivgut nach Amberg zurückkehrt. Laschinger vermutet, dass das in den nächsten Wochen der Fall sein werde. In diesem Moment wäre er liebend gern noch Archivleiter, um auch gedanklich einen Schlussstrich ziehen zu können.

Vom negativen Höhepunkt in 35 Jahren als Leiter des Stadtarchivs zum positiven, der Landesausstellung "Der Winterkönig" vom 9. Mai bis 2. November 2003. "Das war das Ereignis schlechthin", sagt Laschinger und gerät ins Schwärmen: "Das Interesse war gigantisch."

Höhepunkt Landesausstellung

Er selbst steuerte eine Vortragsreihe bei, die sonntags als Matinee im Rathaussaal stattfand. Sämtliche Beiträge mündeten in ein Buch. Gerade diese Nachhaltigkeit historischer Themen ist dem scheidenen Archivar wichtig. Das wird auch an einer anderen Stelle des Gesprächs deutlich: "Ohne Landesausstellung kein Welttheater." Die Amberger hätten dadurch nicht nur ein Stück ihrer Identität zurückbekommen, sondern es durch das Schauspiel auf dem Berg auch behalten.

Wasserschaden und Landesausstellung als herausragende Ereignisse in 35 Jahren - diese Auswahl Laschingers überrascht nicht. Eine andere dagegen womöglich schon: "Was mich am meisten freut, sind die Dissertationen, die auf der Basis unseres Archivmaterials erstellt wurden." Ein Paradebeispiel sei die 2018 beendete Doktorarbeit von Laura Gebauer mit dem Titel "Erforschung der Geschichte Ambergs in der Zeit des Nationalsozialismus". Erneut gerät Johannes Laschinger ins Schwärmen: "Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Das ist eine ganz tolle Arbeit geworden."

Hochschule für Geschichtsbücher

Ob sich die Amberger auch in 100 Jahren noch an den Wasserschaden, die Landesausstellung oder an die Doktorarbeit von Laura Gebauer erinnern werden? Laschinger denkt da eher an etwas anderes: "Ich glaube, wenn man auf diese Zeit zurückblickt, wird man wohl als herausragendstes Ereignis die Gründung der Hochschule 1994 betrachten."

"Ich glaube nicht, dass es das jetzt war. Es wird immer wieder Berührungspunkte geben."

Dr. Johannes Laschinger

Eine große Abschiedsfeier kann es wegen Corona nicht geben. Aber so ganz sagt Laschinger ja ohnehin nicht Lebewohl: "Ich glaube nicht, dass es das jetzt war. Es wird immer wieder Berührungspunkte geben." Mit seinem Nachfolger Andreas Erb stehe er bereits in Kontakt: "Es zeichnen sich schon Dinge ab. Die werde ich in Absprache mit ihm machen", denn: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich diese Art von Arbeit ganz aufgebe. Ich fände es auch schade, wenn es nicht so wäre."

Dr. Andreas Erb - der neue Leiter des Stadtarchivs Amberg

Amberg

16. Februar 2021: Stadtarchiv Amberg unter Wasser

Amberg

Nach Wasserschaden in Amberger Stadtarchiv: So werden die Archivalien gerettet

Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.