05.04.2021 - 14:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Neuer Leiter des Stadtarchivs Amberg sieht Digitalisierung als Schwerpunkt

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Als der künftige Chef kam, war der alte noch im Amt: Klingt nach Konflikt-Potenzial, war aber tatsächlich der perfekte Übergang, sagt Dr. Andreas Erb. Er hat am 1. April offiziell die Leitung des Stadtarchivs Amberg übernommen.

Dr. Andreas Erb ist seit 1. April der neue Leiter des Stadtarchivs Amberg.
von Heike Unger Kontakt Profil

Dr. Andreas Erb war schon einen Monat vor seinem offiziellen Amtsantritt im Stadtarchiv und hat sich vom scheidenden Leiter Dr. Johannes Laschinger einweisen lassen. „Das ist eigentlich genau so, wie’s sein sollte“, bilanziert Erb diese Übergangszeit. Schließlich gehe es „nicht nur um Akten“, sondern um Einschätzungen, Einordnung: Da sei es hilfreich, wenn man den langjährigen Vorgänger noch zu manchem befragen kann.

Stadtarchivar Johannes Laschinger geht in den Ruhestand

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Dass da jemand mit viel Herzblut am Werk war, ist Erb gleich aufgefallen. „Ich habe das Engagement Dr. Laschingers für das Archiv sehr geschätzt.“ Erb kennt es auch anders. „Als ich in Dessau angefangen hab’, war mein Vorgänger schon weg.“ Dort, in Sachsen-Anhalt, war Erb vor seinem Wechsel nach Amberg tätig. 2008 hatte er die Leitung der Dessauer Abteilung des Landeshauptarchivs übernommen. Dass er der dortigen Zeitung zu seinem Abschied sagte, er habe noch einen Koffer in Dessau, ist kein Hintertürchen. Sondern spielt auf etwas an, das dem Rheinpfälzer in seinem Berufsleben öfter begegnet ist: Spannende Querverbindungen zwischen verschiedenen Wirkungsstätten, die die Geschichte Bayerns, der Pfalz oder auch Sachsen-Anhalts geknüpft hat. Erb nennt als Beispiel Christian I. von Anhalt als „Gestalt, die anhaltische und Oberpfälzer Geschichte“ geprägt habe und für Erb reizvolle Anknüpfungspunkte zwischen seiner alten und seiner neuen Wirkungsstätte bietet.

Amberg war dem gebürtigen Bad Dürkheimer schon ein Begriff. Er war schon einige Male hier, unter anderem zur Landesausstellung 2003. Deshalb wusste Erb, dass Amberg „eine total schöne Stadt“ ist. Die Archivleiter-Stelle hat ihn gereizt, weil ihn die pfalzbayerische Geschichte besonders interessiert. Besonders spannend werde es, wenn sich wie in Amberg die Geschichte von Stadt und Land verbinde.

Leitungs-Wechsel im Stadtarchiv Amberg

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Erb ist schon vor einigen Wochen hergezogen, er wohnt jetzt im Amberger Ei. Und genießt es, „dass hier alles fußläufig zu erreichen ist. Allein der Weg zur Arbeit ist ein Genuss – die Sichtachsen, die sich dabei präsentieren“. Der Wechsel vom großen Landeshauptarchiv an ein kleines Stadtarchiv hat für ihn einen besonderen Reiz. „Im Staatsarchiv sind Sie ein Rädchen im Getriebe“, in einem Stadtarchiv gebe es mehr eigene Gestaltungsmöglichkeiten. Und dann kann Amberg noch mit einem besonderen Pfund wuchern: „Es gibt nicht so viele Städte, die so eine vollständige Überlieferung haben.“ Umso größer war der Schock, als Erb, damals noch in Dessau, vom Wasserschaden im Stadtarchiv Mitte Februar erfuhr. „Das klang natürlich nach dem Schlimmsten, was passieren kann“, erinnert er sich. Umso erleichterter ist er, dass zumindest nichts unwiederbringlich verloren sei. „Man wird warten müssen, wie groß der Schaden ist“, sagt er mit dem Hinweis, dass die Archivalien, die besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, immer noch beim Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig sind. Erb ist aber „vorsichtig optimistisch, dass wir mit einem sehr blauen Auge davon gekommen sind“.

Stadtarchiv Amberg nach Leitungsschaden unter Wasser

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Die Digitalisierung sieht Erb als einen Schwerpunkt seiner neuen Aufgabe. Das Archiv habe diesen Weg schon eingeschlagen, Erb will das nun forcieren. Ziel sei es, dass die Bestände des Stadtarchivs künftig „auch digital recherchierbar sind“. Das sei eine Herausforderung – und „nichts, was man erreicht, wenn man eine Akte auf einen Scanner legt“. Einen weiteren Schwerpunkt für sich setzt er dabei, „an der Landesgeschichte mitzuwirken“, speziell aus der Zeit des 18. Jahrhunderts, der sich auch seine Habilitationsschrift widmete, „gäbe es in Amberg noch das eine oder andere zu erforschen“. Die Zukunft hat der Archivar aber auch im Blick: Amberg werde 2034 schließlich 1000 Jahre alt. „Da ist für mich auch ein Ziel, die Stadt von historischer Seite auf einem guten Stand zu präsentieren.“

Eine Verbindung in den Osten Deutschlands bleibt für Erb bestehen: Seine Freundin arbeitet in Dresden, tut dies allerdings auch viel von zu Hause aus. "Fotografieren und Reisen" nennt "der Neue" im Stadtarchiv als seine private Leidenschaften. Für Ersteres bietet seine neue Wahl-Heimtstadt sicher viele Motive, mit Letzterem wird er sich wohl noch ein wenig gedulden müssen: Corona ist natürlich auch in diesem Gespräch ein Thema. Auch, weil durch die Pandemie "vieles merklich gebremst ist", wie Erb bei seinen Streifzügen durch Amberg aufgefallen ist. Auch wenn das öffentliche Leben momentan durch den Lockdown gebremst wird, ist Erb "optimistisch, dass es, wenn es wieder losgeht, richtig schön wird". Seinen Wechsel nach Amberg beurteilt er jetzt schon "für mich als richtige Entscheidung. Jetzt müssen die Amberger entscheiden, ob sie auch für sie richtig war".

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