16.02.2021 - 15:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Geplatzte Leitung setzt Stadtarchiv Amberg unter Wasser

Das Wort vom Super-GAU fiel mehrfach: Im Dachboden des Amberger Stadtarchivs ist in der Nacht zum Dienstag eine Wasserleitung geplatzt. Der Schaden ist enorm – auch, weil die Feuchtigkeit im Gebäude Gift für die wertvollen Archivalien ist.

Auf dem Dachboden des Amberger Stadtarchivs ist in der Nacht zum Dienstag eine Wasserleitung geplatzt. Der Schaden ist enorm.
von Heike Unger Kontakt Profil

In der Nacht zum Dienstag war auf dem Dachboden des Stadtrachivs Amberg eine Wasserleitung geborsten, das Wasser lief dann offenbar über mehrere Stunden in die darunterliegenden Archiv-Räume, bis die Brandmeldeanlage um 5.30 Uhr Alarm schlug. Ein Wasserschaden in einem historischen Gebäude mit einem wertvollen, einzigartigen Archivbestand, der zu großen Teilen aus Papier besteht: "Etwas Schlimmeres hätte uns nicht passieren können", sagte Archivar Jörg Fischer, während am Vormittag unzählige Helfer versuchten, Wasser und Feuchtigkeit aus dem Gebäude zu bringen.

Auch wenn es nicht gebrannt hat, hatte die Brandmeldeanlage am frühen Morgen registriert, dass etwas nicht in Ordnung war und Alarm ausgelöst. Zu diesem Zeitpunkt aber war schon sehr viel Wasser durch den Dachboden und an den Wänden heruntergelaufen. Verheerend für empfindliche, teils über 700 Jahre alte Archivalien ist dabei nicht nur direkter Kontakt mit Wasser, sondern auch die Tatsache, dass sich in Folge des Lecks Feuchtigkeit im ganzen Gebäude ausbreitet. Diese schnellstmöglich wieder aus dem Archiv zu bringen, ist nun vorrangige Aufgabe. Es gibt auch schon Kontakt zu Spezialisten in Leipzig, die die beschädigten Archivalien retten sollen. Das dortige Zentrum für Bucherhaltung ist unter anderem nach dem Brand in der berühmten Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek aktiv geworden und konnte Wertvolles retten.

Wasser im Stadtarchiv: Ambergs OB spricht von einer "Katastrophe"

Amberg

Eines der wertvollsten Archive in Bayern

Fassungslos war Oberbürgermeister Michael Cerny, er sprach von "einer Katastrophe für wertvolles Archivgut". Dabei gehe es schließlich nicht einfach um "alte Akten, sondern das sind wirklich Schätze, die unsere Stadt ausmachen". Zumal Amberg "wahrscheinlich eines der wertvollsten kommunalen Archive in ganz Bayern" habe. Beziffern lässt sich der Schaden in Amberg bislang noch nicht, er dürfte aber gewaltig sein: Nicht nur wertvolle und einzigartige historische Unterlagen, Dokumente und andere Archivalien sind betroffen, sondern auch ein bedeutendes historische Gebäude mitten in der Amberger Altstadt hat Schaden genommen.

Das Stadtarchiv Amberg zieht ins kurfürstliche Wagenhaus

Das ehemalige kurfürstliche Wagenhaus, in dem das Stadtarchiv erst 2018 eingezogen ist, war für 6,7 Millionen aufwendig saniert und umgebaut worden. Dabei wurde in den historischen, denkmalgeschützen Bau quasi ein Betonkubus hineingesetzt, der seither das Stadtarchiv beherbergt. Es logierte vorher direkt neben der Vils, war damit regelmäßig von Hochwassser bedroht und auch schon überflutet worden. Genau dies war ein Grund für den Umzug einige Hundert Meter weiter weg, in das ehemalige Wagenhaus. Dass ausgerechnet dort nun nicht die Vils, aber ein Rohrbruch das Archiv geflutet hat, nannten die Vertreter der Stadt am Dienstag eine Ironie der Geschichte.

Problem: Schimmel und Hausschwamm

Nun gilt es nach Auskunft der Experten, möglichst schnell die Archivalien zu sichern und die Feuchtigkeit aus dem Gebäude zu bringen: Die war am Montag auch noch deutlich spürbar, nachdem das Wasser weggesaugt und aufgewischt war. Mauerwerk und Isolation haben sich vollgesaugt – Gift für die kostbaren Unterlagen aus Ambergs Stadtgeschichte. Die Feuchtigkeit kann inaktiven Schimmel, der auf mehrere Hundert Jahre alten Dokumenten grundsätzlich zu finden ist, zum Leben erwecken und damit auch im Nachhinein noch weiteren Schaden anrichten. Ähnliches gilt fürs Gebäude: In dem wurde bei der Sanierung der echte Hausschwamm gefunden, der zwar "ruhiggestellt" wurde, durch das Wasser aber wieder aufgeweckt werden kann.

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