18.02.2021 - 16:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Wasserschaden im Stadtarchiv Amberg: Bücher werden gefriergetrocknet

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Die vom Wasser beschädigten Bücher aus dem Stadtarchiv Amberg wurden am Donnerstag von einer Leipziger Spezialfirma abgeholt. Darunter sind wertvolle Amtsbücher, die Einblick in das Leben und Arbeiten der Stadtväter geben.

Bücher, die bei einem Wasserrohrbruch im Stadtarchiv Amberg durchweicht wurden, sollen von einer Leipziger Spezialfirma restauriert werden.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Der blaue Laster aus Leipzig kam um halb Elf Uhr morgens. Darin saß Florian Matthes, Kurierfahrer vom Leipziger Zentrum für Bucherhaltung. Ein Hoffnungsträger für Amberg. Nach einem Wasserschaden am Dienstag im Stadtarchiv schienen viele Archivalien zerstört. Die nass gewordenen Exponate wurden am Donnerstag einzeln mit Spezialfolie verpackt, in Kisten verstaut und per Kurier nach Leipzig gebracht. Die Zeit spielte dabei eine große Rolle, denn je früher die Bücher gefriergetrocknet und weiterverarbeitet werden können, desto besser.

Rund 40 Amtsbücher wurden nach Leipzig gebracht. Darunter teilweise mehrere Zentimeter dicke, in Leder gebundenen Exponate. Hinzu kamen aber auch kleinere Bücher aus der historischen Bibliothek, "die auch stark beschädigt sind", sagte stellvertretender Archivleiter Jörg Fischer. "Es sind erschreckend viele, die massiv beschädigt sind." Doch er vertraue auf die Kollegen in Leipzig. "Ich denke, dass da schon wieder was verwendbar zurückkommt."

"Wir hatten nie einen Brand, wurden nicht ausgebombt, in keinem Krieg, der die Stadt betroffen hat, gab es im Archiv Kriegsschäden.Wir haben eine lückenlose Dokumentation von allem. Das ist jetzt der erste massive Schaden, der entstanden ist."

Diplom-Archivar (FH) Jörg Fischer

Diplom-Archivar (FH) Jörg Fischer

Der Bestand der Amtsbücher umfasst alles, was mit der Tätigkeit des Rates der Stadt Amberg zu tun hat. Etliche dieser Protokollbücher wurden nach Leipzig geschafft. Inhaltlich gehe es darin um die Geschäftsbeziehungen der Stadt. Diese wurden über Jahrhunderte dokumentiert. "Wir hatten nie einen Brand, wurden nicht ausgebombt, in keinem Krieg, der die Stadt betroffen hat, gab es im Archiv Kriegsschäden.Wir haben eine lückenlose Dokumentation von allem. Das ist jetzt der erste massive Schaden, der entstanden ist", sagte Fischer.

Bisher "bedarfsorientiert" digitalisiert

Das Stadtarchiv Amberg selbst ist über 600 Jahre alt. Der Rat habe schon im Mittelalter umfangreiche Arbeit geleistet, so der Archivar. Diese Dokumentationen seien die Identität von Amberg. Zwar wurden schon Archivmaterialien digitalisiert, aber noch nicht alle. Ob darunter Teile der beschädigten Bücher sind, konnte Fischer nicht beantworten. Insgesamt wurde bislang nicht "großflächig", sondern "bedarfsorientiert" digitalisiert. Es gebe noch keine festgeschriebene Strategie dazu. "Wir haben jetzt passenderweise Ende letzten Jahres ein neues Datenbanksystem eingeführt, das letzten Endes die Grundlage dafür ist, mit Inhalten zu arbeiten und diese im Internet verfügbar zu machen.

Jedes Buch wird in Folie verpackt.

OB Cerny bedankt sich für Unterstützung

Die Nachricht von den Folgen des geplatzten Zuleitungsrohrs an der Lüftungsanlage hat weite Kreise gezogen. Laut einer Pressemitteilung der Stadt Amberg war die Information bis nach Périgueux vorgedrungen. Der Wasserschaden habe nicht nur das historische Gebäudeteil, sondern auch den modernen Kubus empfindlich getroffen. Hinzu kommen die Schäden an einem Teil der wertvollen Archivalien. „Auch aus unserer Nachbarstadt Weiden haben sich Oberbürgermeister Jens Meyer und die Stadtarchivarin Petra Vorsatz gemeldet, genauso wie Archivare aus Donauwörth, aus Bochum und aus Wedel in Schleswig-Holstein“, berichtete Oberbürgermeister Michael Cerny. Dem Dank schloss sich auch Jörg Fischer an. „Gleich zu Anfang hat sich auch unser Amberger Staatsarchiv gemeldet und uns ein umfassendes Hilfsangebot gemacht. So bekommen wir von dort eine Stellfläche mit Regalen von 200 laufenden Metern zur Verfügung gestellt, wenn das notwendig werden sollte“, zeigte er sich begeistert von dieser großen Hilfsbereitschaft und dem Entgegenkommen, das dem Stadtarchiv aus vielen Richtungen entgegenschlägt.

Beeindruckt war Fischer auch von dem Angebot der Universitätsbibliothek Regensburg, die Bereitschaft signalisiert hat, über das Notfallprogramm für Bibliotheken Unterstützung zu gewähren. Außerdem hätten sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, beispielsweise aus dem Kulturreferat und der Gewerbebau, sowie die Generaldirektion der Staatlichen Archive und der Verband deutscher Archivare gemeldet und Bereitschaft signalisiert, zu helfen. „Hinzu kommt, dass uns mehrere Konservierungsfirmen kontaktiert und das Angebot gemacht haben, uns schnell und unbürokratisch zur Seite zu stehen“, so der Archivar. Ein großes Dankeschön richteten sie per Pressemitteilung auch an die Freiwillige Feuerwehr Amberg: „Ihrem umsichtigen Einsatz ist es zu verdanken, dass rund 700 Jahre altes Archivgut gerettet werden konnte, indem sofort mit der Sicherstellung dieser Archivalien begonnen wurde“, betonte Cerny.

Unglück in der Nacht zum Dienstag im Stadtarchiv

Amberg

Sichtung der Schäden am Tag danach

Amberg
Hintergrund:

Wasserschaden im Stadtarchiv Amberg

  • Rund 20 aktive Feuerwehrleute waren im Einsatz, nachdem die automatische Brandmeldeanlage des Gebäudes am Dienstag, 16. Februar, um 5 Uhr 30 Alarm ausgelöst hatte.
  • Sofort nach der Ankunft wurden die gefährdeten oder bereits durchnässten Archivalien in Sicherheit gebracht und das Wasser abgepumpt.
  • Nahezu drei Stunden dauerten die Arbeiten, in deren Rahmen auch der Bretterboden im Dachboden zu öffnen war und Teile des Gebäudes vom Strom genommen werden mussten.

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