18.09.2020 - 14:48 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg: Neue Gastro-Freiheit am liebsten als Dauerlösung

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Die Corona-Pandemie hat auch die Gastronomie voll erwischt. Die Stadt gibt den Wirten die Chance, ihre Freiflächen zu erweitern. Geht es nach dem Willen der CSU-Fraktion, soll das auch in Zukunft so bleiben. Doch das ist noch nicht alles.

Am auffälligsten ist die Gastro-Freiheit am Marktplatz. Die rechten Tischreihen wären vor Corona verboten worden.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die Gastronomie kämpft vielerorts nach dem Lockdown ums Überleben. Auch in Amberg. Biergärten, Wirtshäuser, Gaststätten und Restaurants durften erst nach rund zwei Monaten wieder öffnen. Zunächst ab 18. Mai nur im Außenbereich, kurz vor Pfingsten auch innen. Die Stadt Amberg entwickelte für diesen Neustart ein Konzept und erlaubte es den Wirten, ihre Außenflächen zu vergrößern. Diese Regelung gilt bis 30. November. Die CSU-Stadtratsfraktion und ihr Vorsitzender Matthias Schöberl machen sich nun Gedanken über die Zeit danach: "Die CSU will alle Möglichkeiten und Spielräume nutzen, die Stadtrat und Verwaltung zur Verfügung stehen, um die sozialen und wirtschaftlichen Belastungen (...) zu begrenzen." Daraus resultiert ein Antrag, in dem die Partei unter anderem fordert, die großzügigen Bestuhlung beizubehalten. Schöberl: "Auch sollten wir Regelungen für den Winter finden."

Gastro-Branche: Regelung gilt bis 30. November

Amberg

Das Baureferat soll die aktuell bis 30. November geltenden Regeln für eine weitergehende Ausnutzung der vorhandenen Freiflächen "verstetigen und in eine dauerhafte Regelung überführen". Mit anderen Worten: Die großzügigere Bestuhlung auf größeren Flächen soll beibehalten werden. Das übliche Ende der Freiluftsaison soll zudem bei einer geeigneten Wetterlage hinausgeschoben werden. Oder im Umkehrschluss: Die Freiluftsaison soll früher als gewohnt starten. Für die Wintersaison stellt sich die CSU vor, eine reduzierte Außengastronomie zu ermöglichen. Doch damit noch nicht genug: Alle Plätze sollen für kleinere kulturelle Veranstaltungsformate geöffnet werden dürfen.

Mit ihrem Antrag rennt die CSU bei Thomas Hoppe offene Türen ein. Der Inhaber des Café Baroco am Viehmarkt sagt deutlich: "Ich bin dafür. Ich gehe davon aus, dass jeder Gastronom in Amberg dafür sein wird." Die Chance, bereits bestehende Flächen zu erweitern, hat Hoppe nicht direkt genutzt. Aber: Durch die Corona-Vorgaben hat er die Tische mit größerem Abstand aufgestellt und um den Schweinchenbrunnen herum platziert: "Ich finde, es schaut jetzt besser aus als vorher." Der Brunnen komme so zu mehr Geltung und werde dadurch aufgewertet. Hoppe hat auch eine klare Meinung, wenn es um die Bestuhlung in der kalten Jahreszeit geht. "Da habe ich die Stadt bisher noch nie verstanden." Sie sollte keine Vorgaben mehr machen, wie lange draußen bewirtet werden darf, denn: "Das ist das Risiko des Wirtes." Gleiches gelte für außerplanmäßige Veranstaltungen: "Das wäre natürlich auch schön." Grundsätzlich sagt der Amberger: "Corona hat gezeigt, was alles machbar ist. Und wie gut das der Altstadt tut."

Zwei Tische mehr als vorher

Von der Regelung, die vorhandenen Flächen bis auf den letzten Zentimeter nutzen zu dürfen, profitiert auch Mandy Meißner Jensen. Auch wenn es auf den ersten Blick kaum auffallen mag. Die Inhaberin des Autentico am Roßmarkt durfte sich um zwei Tische im Außenbereich vergrößern. Aus sechs Exemplaren wurden acht: "Das macht sich für mich schon bezahlt. Damit bin ich sehr zufrieden." Und: "Es wäre klasse, wenn ich diesen Platz dauerhaft hätte." Hinter der Idee der CSU, auf den Straßen und Plätzen kleinere Kulturveranstaltungen zu ermöglichen, steht Meißner Jensen voll und ganz: "Das wäre super, wenn das von Haus aus erlaubt wäre. Ich müsste nicht jedes mal extra einen Antrag stellen." Zudem würde das auch für die Behörden weniger Aufwand bedeuten: "Einmal einen Antrag stellen und gut ist's. Das wäre für alle eine tolle Sache."

Mandy Meißner Jensen sitzt an einem von zwei Extra-Tischen, die es vor der Corona-Regelung nicht gab.

"Mehr aber nicht"

Herbert Hottner, dem das Café Zentral am Marktplatz gehört, finden den CSU-Antrag "super". Vor allem die Kombination mit kleineren Kulturveranstaltungen hat es im angetan. "Dass man nur noch informiert, wenn man was macht, und nicht jedes mal eine Genehmigung braucht." Bisher laufe alle reibungslos, auch die Abstimmung mit dem Wochen- und Bauernmarkt. Gern dürfe das so bleiben. Michael Lier, der Geschäftsführer des Café Zentral, räumt an dieser Stelle mit der öffentlichen Meinung auf, das Lokal habe nun mehr Tische im Freien als vor der Krise: "Das schaut nur so aus, weil wir die Abstände einhalten." Genau genommen fehlten sogar zehn Tische im Vergleich zur Zeit vor Corona. Mehr Plätze im Freien sollen es aber nicht werden, falls der CSU-Antrag Erfolg hat: "Dann wird der Weg für unser Personal zu weit. Das wäre zu viel und auch nicht zu schaffen."

Einen Unterstützer finden die Christsozialen auch in Norbert Stöckl (Café Kult), den Kreis-Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes: "Wir stehen voll und ganz dahinter. Aus unserer Sicht spricht nichts dagegen." Im Gegenteil.: "Ich bin sogar eher verwundert, warum das nicht schon immer so ist." Er finde es schade, "dass man Corona braucht, um mal neu zu denken". So, wie sich die CSU die Zukunft der Branche vorstellt, so sollte es sein, denn: "Nur so geht's vorwärts."

Vor Corona unvorstellbar: In der Viehmarktgasse hat die Stadt zwei Parkplätze geopfert, um einem Speiselokal zusätzliche Außenflächen zu ermöglichen. Dabei handelt es sich um eine Vorgehensweise, die die CSU beibehalten möchte.
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