05.11.2021 - 12:53 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Fotografin Nina Schütz erkundet verlassene Orte in der Oberpfalz

"Lost Places" gibt es in der Oberpfalz einige. Die Geschichten dieser verlassenen Orte dokumentiert Fotografin Nina Schütz aus Amberg mit ihrer Kamera. Ein Besuch in einem alten Schloss im Landkreis Amberg-Sulzbach.

Nina Schütz, Fotografin Amberg, echt.Oberpfalz
von Caroline Keller Kontakt Profil

Das Gebäude ist alt und verlassen. Es herrscht absolute Stille. In jeder Ecke hängen Spinnenweben, auf dem Boden liegt der Staub zentimeterdick. Von den Wänden ist teilweise der Putz abgebröckelt. Beim genauen Hinsehen sieht man, mit wie vielen Schichten Tapete die ehemaligen Bewohner im Verlauf der Zeit die Wandbemalung überklebt haben. Nina Schütz geht in die Hocke, hebt ihre Kamera vor ihr Gesicht und drückt auf den Auslöser. Die 27-jährige Ambergerin fotografiert verlassene Orte, sogenannte "Lost Places". Das Gebäude ist ein Schloss, das 1575 im Landkreis Amberg-Sulzbach erbaut wurde. In der Vergangenheit hat es Probleme mit Einbrüchen und Vandalismus gegeben, weshalb wir den genauen Ort des Schlosses nicht nennen.

Schütz fotografiert seit sie 14 Jahre alt ist. "Ich habe tatsächlich damit angefangen, die Natur und Blümchen zu fotografieren", erzählt sie und muss lachen. Ihr Freund hat sie dann zu einem verlassenen Ort, einer alten Teppichfabrik, mitgenommen. Von da an war ihre Leidenschaft zu diesen Orten geweckt. Mittlerweile hat die Fotografin schon viele dieser Orte besucht. Ihr persönliches Highlight ist Tschernobyl, wo sie vor einigen Jahren war. "Aber auch die Oberpfalz hat viele kleine Orte", erzählt die 27-Jährige.

Mit verschiedenen Objektiven

Die verlassenen Orte findet sie meistens durch alte Zeitungsartikel. "Ich habe aber auch viel Kontakt zu Heimatpflegern, die mich dann auf die Orte ansprechen", erzählt die Ambergerin während sie mit ihrer Kamera durch das verlassene Schloss geht. Dabei schaut sie sich aufmerksam um. Nichts entgeht ihr. Ihre Besuche an den Orten dauern oft den ganzen Tag: "Ich habe so fünf, sechs verschiedene Objektive. Mit jedem gehe ich mindestens einmal rum." Sie konzentriert sich entweder auf die Weite oder auf Details, wie beispielsweise Spinnennetze. "Mit jedem Objektiv entdecke ich etwas Neues. Es ist nie gleich."

Während Schütz durch die Räume des Schlosses streift, geht sie langsam, nimmt sich Zeit den Raum auf sich wirken zu lassen und schießt Fotos. Das letzte Mal besuchte sie das Schloss im Frühjahr. "Ich mag es, die Orte nach einer gewissen Zeit nochmal zu besuchen. Einfach um zu sehen, wie sie sich verändert haben", erzählt sie. Meistens seien dann ein paar Besucher da gewesen, die manchmal leider Dinge zerstören oder umstellen. "Dann kommt noch der normale Verfall dazu. Das ist schon spannend zu sehen", sagt die Fotografin und ein Lächeln macht sich auf ihrem Gesicht breit.

Gestalt huscht vorbei

Mit einer Taschenlampe leuchtet sie in den dunklen Dachboden des dreistöckigen Schlosses. Im Staub liegen leere Flaschen, die Fensterscheiben sind zerbrochen, und an einer Wand lehnen Teile einer alten Theaterkulisse. Die Szene könnte in einem Gruselfilm statt finden. Wirklich gegruselt hat sich die 27-Jährige einmal in einem alten Kloster in Tschechien: "Wir sind einen langen Gang entlang gegangen, als plötzlich eine schwarze Gestalt weiter vorne vorbei gehuscht ist." Was sie zu dem Zeitpunkt nicht wusste: in dem verlassenen Kloster lebten Obdachlose. "Es hat sich dann schnell aufgeklärt, wer der Mann war. Wir haben uns noch mit ihm unterhalten. Er war auch echt nett", erzählt sie und muss schmunzeln.

Wer einen "Lost Place" legal besuchen möchte, muss ein paar Dinge beachten. Nina erklärt, dass es wichtig ist, sich von dem Eigentümer des Ortes eine Genehmigung einzuholen: "Damit es erlaubt ist. Da es fremdes Eigentum ist, sollte man im besten Fall auch nichts kaputt machen oder mitnehmen." Vor allem muss man immer auf seine Sicherheit achten. "Es sind ja doch baufällige Häuser, da kann dann doch ganz schnell was passieren", sagt die Ambergerin. Sie selbst habe sich zum Glück noch nie in Gefahr gebracht: "Wenn man sieht, dass es wo schon bröckelt, dann geht man einfach nicht weiter."

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Hintergrund:

Die Stadt Amberg

  • Amberg wurde 1034 als „Ammenberg“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt und bedeutet "Berg/Burg des Ammo"
  • 42.052 Einwohner (Stand 31. Dezember 2020)
  • Amberg ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Oberpfalz in Ostbayern und zählt zur Metropolregion Nürnberg
echt.Oberpfalz:

Serie: Besondere Menschen und Orte in der Region

Was macht die Oberpfalz so einzigartig? Dieser Frage gehen die Volontäre von Oberpfalz-Medien auf den Grund. Anlässlich des diesjährigen Dreifach-Jubiläums im Medienhaus wollen sie die Vielfalt der Region würdigen. Sie suchen für die Serie "echt. Oberpfalz" nach besonderen Menschen, kreativen Köpfen, bunten Hunden, außergewöhnlichen Vereinen oder verrückten Traditionen, die unsere Heimat so einzigartig machen. Die Volontäre fahren einmal quer durch die Oberpfalz und machen Halt an berühmten und auch vielleicht nicht so berühmten Orten. Den Auftakt macht die Biodiversitätsgemeinde Tännesberg. Und es sollen noch viele weitere Städte und Gemeinden folgen. Bei Ihnen gibt es auch etwas Besonderes und Einzigartiges in Ihrem Heimatort? Dann schreiben Sie uns an jubi[at]oberpfalzmedien[dot]de. Vielleicht schauen unsere Volontäre auch in Ihrer Heimat vorbei.

"Mit jedem Objektiv entdecke ich etwas Neues. Es ist nie gleich."

Nina Schütz, Fotografin

Nina Schütz, Fotografin

 

 

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