22.07.2020 - 14:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Antifränkische Töne in Sachen Kulturhauptstadt 2025

Im Kulturausschuss herrscht noch die große Einmütigkeit, die Bewerbung von Nürnberg als europäische Kulturhauptstadt 2025 weiter zu unterstützen. Doch im anschließenden Stadtrat mischen sich Misstöne in diese Harmonie.

Auch damit könnte man als Teil der Kulturhauptstadt Metropolregion Nürnberg 2025 punkten: Die Glaskathedrale am Bergsteig ist das letzte Werk des Bauhaus-Architekten Walter Gropius.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Deutschland und Slowenien werden im Jahr 2025 die beiden europäischen Kulturhauptstädte stellen. Auf deutscher Ebene haben es fünf Bewerber in die Endrunde geschafft: Chemnitz, Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg. Wobei Nürnberg gezielt auf das Alleinstellungsmerkmal abzielt, nicht als Kommune sondern als Metropolregion den Hut in den Ring zu werfen. Zu dieser Metropolregion gehört unter anderem die Stadt Amberg, die bereits im Mai 2019 ihre Unterstützung und Teilnahme in einem sogenannten Letter of Intent kund getan hat.

Im Kulturausschuss herrschte noch Harmonie

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Ein Euro pro Jahr

Nachdem Nürnberg die zweite Bewerberrunde erreicht hat, sollte dieser Letter of Intent, diese Absichtserklärung, im Stadtrat erneuert und verstärkt werden. Gleichzeitig sollten auch die insgesamt 210 000 Euro fest im Haushalt verankert werden, die nach dem Schlüssel "ein Euro pro Jahr und Einwohner bis 2025" als so eine Art Teilnahmegebühr von Amberg aufzubringen sind. Wobei Kulturreferent Fabian Kern sowohl im Kulturausschuss als auch am Montag im Stadtrat ausdrücklich betonte, dass dieses Geld dann in Form von Zuschüssen für die konkreten Amberger Projekte zur Kulturhauptstadt 2025 in die Stadt zurückfließen wird. Darüber hinaus könnten angesichts der veränderten Bedingungen durch die Corona-Pandemie Aktionen angemeldet werden, die man ohnehin geplant hat.

Fabian Kern denkt da an den 100. Geburtstag des Amberg und Nürnberg verbindenden Malers und Grafikers Michael Mathias Prechtl. Oder an Aktion rund um die Glaskathedrale, das letzte Gebäude von Walter Gropius, einer der Väter des Bauhaus-Stils. Auch die Förderung der Amberger Kreativ-Wirtschaft über die europäische Förderprogramm Stimul-Art sei hier von großem Interesse. "Wir vergeben uns also nichts, das Geld kommt wieder zurück", sagte Kern. Zumal die Summe von insgesamt 210 000 Euro für fünf Jahre eher im überschaubaren Rahmen bleibe.

Gegen das Projekt

Das alles sagte Fabian Kern in wohlgesetzten Worten, zumindest bei einem der Stadträte trafen diese aber den falschen Nerv. Mit Vehemenz sprach sich nämlich Helmut Wilhelm (Grüne) gegen die weitere Unterstützung der Bewerbung aus. Abgesehen davon, dass er persönlich angesichts der Konkurrenz ja nicht an einen Erfolg für Nürnberg in der Endausscheidung Ende des Jahres glaube, votiere er trotzdem gegen das Projekt. "Profitieren wird am Ende davon nämlich nur die Stadt Nürnberg und nicht die weitere Umgebung", klopfte Wilhelm dicke Pflöcke ein. Das Geld, das Amberg dafür ausgeben müsse, könne man direkt für kulturelle Projekte vor Ort wirkungsvoller ausgeben. "Das Ganze dient nur der höheren Ehre der Stadt Nürnberg und sonst gar nichts", giftete Wilhelm in Richtung der fränkischen Metropole. Und lieferte auch gleich noch ein Argument für seine Einschätzung nach.

Als es nämlich vor Jahren um die Frage einer Metropolenbahn von Nürnberg nach Prag gegangen sei, habe sich Nürnberg vehement gegen die Linienführung über Amberg und Schwandorf ausgesprochen, sagte Wilhelm. Was der Oberbürgermeister so nicht stehen lassen wollte. Es seien vielmehr die Städte im Norden wie Bayreuth und Bamberg gewesen, die in Sachen Metropolenbahn gegen Amberg gearbeitet hätten, sagte Michael Cerny. Seiner Ansicht nach werde die Stadt Amberg sehr wohl von einer Kulturhauptstadt Nürnberg profitieren. "Das sind Mittel, die am Ende eins zu eins bei uns wieder eingesetzt werden. Wir haben die Chance, hier zu gewinnen."

"Nicht der böse Feind"

Die Stadt Nürnberg sei nicht der böse Feind, der Amberg auffresse, konterte Cerny seinerseits die leicht antifränkisch gewürzten Ausführungen von Wilhelm. "Kleinstädterei bringt uns hier nicht weiter."

Am Ende stand Helmut Wilhelm ziemlich allein da mit seiner Meinung, mit drei Gegenstimmen aus den Reihen der Grünen verabschiedete der Stadtrat den Letter of Intent.

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