31.05.2021 - 17:40 Uhr
AmbergOberpfalz

Cineplex Amberg öffnet voraussichtlich am 1. Juli

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Satte sieben Monate ohne Kino - für Cineasten eine Symphonie des Grauens. Doch nun gibt es Hoffnung: Das Cineplex strebt an, am 1. Juli wieder zu öffnen. Nach der lange Pause starten nun sogar etliche vielversprechende Filme.

„Zurück für die Zukunft“,– der abgeänderte Titel ist eigentlich als wortspielerische Aufforderung gedacht, die 3D-Brillen nach einer Kinovorstellung wieder abzugeben. Doch der Slogan passt gerade perfekt. Denn im Juli öffnet das Cineplex in Amberg voraussichtlich wieder. Leiter Stephan Götz hatte das Kino am 2. November 2020 wegen Corona schließen müssen.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Stellen Sie sich vor: Ein dunkler Saal, eine riesige Leinwand, auf dem Schoß eine große Portion Popcorn, im Getränkehalter der Armlehne eine Cola. Der Vorhang geht auf, Werbung, Trailer - und dann wird endlich das Intro zum neuen James-Bond-Film gespielt. Cineastische Magie, die die Menschen in den Bann zieht.

Wer jetzt Lust auf Kino hat, muss sich aber noch gedulden. So wie nunmehr seit sieben Monaten. Letzter Spieltag im Cineplex Amberg war am 1. November. Zwar halten gerade wieder viele "normale" Dinge aus der Vor-Corona-Zeit Einzug in unser Leben - ob nun offene Biergärten oder Einkaufen ohne Tests. Der Kinobesuch ist in Amberg aber noch nicht dabei.

"Kaiserschmarrndrama" startet

Stephan Götz, der Leiter des Cineplex, sagt: "Von einem auf den anderen Tag aufmachen, das geht nicht. Wir müssen Ware herbringen, Personal akquirieren - verständlicherweise haben uns seit November einige verlassen. Dafür brauchen wir einen Vorlauf von vier bis sechs Wochen." Das Cineplex strebt den Donnerstag, 1. Juli, als Termin für die Wiedereröffnung an. Dieses Datum forcieren alle fünf Kino- und Verleiherverbände. Das hat mehrere Gründe.

Zum einen geht es natürlich darum, was überhaupt gezeigt wird. Da sich Starts immer wieder verschoben haben, gibt es einen Filmstau. Etliche vielversprechende und publikumswirksame Streifen sind in der Pipeline: der Action-Kracher "Fast & Furious 9", "Catweazle" mit Ulknudel Otto, "Black Widow" aus dem Marvel-Universum, der Thriller "A Quiet Place 2" (Einspielergebnis in den USA: 48 Millionen Dollar an einem Wochenende) oder Oscar-Gewinner "Der Rausch". Aber vor allem "Kaiserschmarrndrama" könnte in Amberg knallen. Ein Film, der in den hiesigen Breitengraden gut ankommt. Immerhin ist "Leberkäsjunkie", ebenfalls eine Rita-Falk-Verfilmung, der erfolgreichste Streifen, der bisher im Cineplex Amberg gelaufen ist (zu den Top-Filmen zählen außerdem "Fack ju Göhte 2", "Willkommen bei den Hartmanns" und "Star Wars: Das Erwachen der Macht"). Allerdings hofft Götz, dass die Filmstarts geschickt verteilt werden. Denn nach dem Filmstau könnte sich Corona bemerkbar machen, weil dann die Produktionen fehlen.

Ein weiterer Aspekt, warum sich der Kinostart verzögert: "Wir dürfen für Getestete, Genesene und Geimpfte aufmachen - die genaue Vorgehensweise fehlt aber noch. Da müssen wir mit den Behörden zusammenarbeiten." Das erklärt Götz und führt außerdem aus, dass aktuell noch eine Maskenpflicht für Kinobesucher gilt. Auch, wenn diese im Sessel Platz genommen haben - was zwischen den Lockdowns im Frühjahr und Herbst 2020 noch anders geregelt war. Ein Umstand, der es für die meisten Lichtspielhäuser schwer macht, wieder zu öffnen. "Die wirtschaftliche Grundlage muss schon da sein. An der Kinokarte ist nicht mehr viel verdient." Das Cineplex lebt eher von den Popcorn- und Getränke-Verkäufen. Dürfen die Zuschauer vor der Leinwand nichts verzehren, weil die Maske ja aufbleiben muss, fallen diese wichtigen Einnahmen weg. Beim Theaterleiter sorgt das für Unverständnis: "Ich verstehe grundsätzlich, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen. Es kann aber nicht sein, dass alles so eine sterile Veranstaltung wird. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Kinobesuche (ohne die derzeit strenge Maskenpflicht; Anm. d. Re.d) mit Vorsichtsmaßnahmen möglich sind." Zum Glück fließt seit einigen Monaten das Geld. "Man muss schon fairerweise sagen, dass die Ausgleichszahlungen, die seit Februar gekommen sind, großzügig waren", erklärt Götz. Ohne diese Hilfe würde es das Cineplex aber "so nicht mehr geben", macht der Theaterleiter klar. Und eine wirtschaftliche Delle bleibt trotz allem.

"Ein bisschen Alltagsflucht"

Auf die Wiedereröffnung freut sich Götz aber in jedem Fall enorm: "Jetzt ist alles verlassen, der Kinogeruch fehlt, die Geräuschkulisse, die Leute, wie sie sich verhalten." Eine Atmosphäre, die er auch als Grund sieht, wieso das Kino nicht totzukriegen ist. "Wir können schon die breite Schulter haben, um zu sagen: Ins Kino zu gehen, ist noch einmal etwas anderes als Streamingdienste zu nutzen. Es ist ein bisschen eine Alltagsflucht." Die Filmtheater haben schon viele revolutionäre Neuheiten überlebt: das Fernsehen, die VHS-Kasette, die DVDs und Blurays - und jetzt eben die Streamingdienste. Stephan Götz erzählt eine Anekdote dazu: "Die Chefin der alten Amberger Kinos (Ringtheater und Parkkino), Frau Wörz, hat mir erzählt: Als damals die Fernseher aufgekommen sind in ganz Deutschland, hieß es - das Kino braucht keiner mehr." Bekanntlich ist es anders gekommen.

Selbst Konzernriese Amazon traut sich nicht, den Cineasten ihr Erlebnis zu rauben. Vor kurzem schluckte das Unternehmen die altehrwürdige Filmproduktions- und Filmverleihgesellschaft MGM (Metro-Goldwyn-Mayer) für schlappe 8,5 Milliarden Euro und darf nun das James-Bond-Universum sein Eigen nennen. Doch statt den neuesten Agententhriller "Keine Zeit zu sterben" auf Amazon-Prime zu hieven, soll er auf der großen Leinwand anlaufen. Theaterleiter Stephan Götz freut sich, dass die Normalität nun nach und nach zurückkehrt. Und dazu gehört eben auch James Bond - in einem dunklen Saal, auf einer riesigen Leinwand, mit Popcorn auf dem Schoß und einer Cola im Getränkehalter.

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Kommentar:

Kunstform Kino nicht totzukriegen

Ziemlich miese Vorzeichen: Streamingdienste wie Amazon Prime, Netflix und Disney+ haben sich längst etabliert und bringen von Arthaus bis Mega-Blockbuster alle Arten von Filmen ins heimische Wohnzimmer. Währenddessen sind die Kinobetreiber seit mittlerweile sieben Monaten gezwungen, ihre Eingangstüren zu schließen. Doch das Kino ist eine Kunstform, die auch das überleben wird.

Vielmehr zeigt die Coronakrise auf, dass das Kino mehr ist, als das reine Konsumieren eines Filmes. Ginge es darum, wären die rund acht Euro im Monat für einen der drei großen Streaming-Plattformen die wirtschaftlichste Herangehensweise. Was bedeutet aber Kino? Es heißt, sich mit Freunden verabreden. Popcornduft, der Kindheitserinnerungen aufkeimen lässt. Und magische Filmmomente, die mit vielen anderen Menschen in einem Raum eine ganz andere emotionale Wucht entwickeln als zu Hause auf der Couch.

Alles Gründe, weshalb es weder Fernsehen, noch DVD und Streamingdienste schafften oder schaffen, das Kino zu verdrängen.

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