13.05.2021 - 16:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Corona-Stimmung in Amberg: Angst und Wut, Geduld und Glücksgefühl

Die Fitness-Studios in Amberg wollten öffnen. Aber sie dürfen nicht. Das Kino dagegen dürfte aufmachen, kann das aber nicht. In Tagen der Lockdown-Öffnungen stellt sich zudem die Frage, wie es mit anderen Branchen und den Bädern weitergeht.

Das Wort Lockdown, das er am 2. November 2020 in seinen Kalender eingetragen hat, kann Michael Lehmeier (links) jetzt durchstreichen. Das Tattoo-Studio von Swen Dugajczyk (rechts) darf wieder Kundentermine wahrnehmen.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Fitnessstudios: Öffnen oder schließen?

Die Meldung erreichte die Redaktion am Mittwoch um 15 Uhr per E-Mail aus dem Landratsamt, Raphael Fuchs wusste es schon zwei Stunden früher: Fitness-Studios sind im Sinne der aktuell geltenden Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung als Freizeiteinrichtungen einzustufen und nicht als Sportstätten zu betrachten. Das heißt: Der Betrieb ist in Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 unterschritten wird, "nur unter freiem Himmel (...), für den Wettkampf und den Trainingsbetrieb der Berufssportler und der Leistungssportler der Bundes- und Landeskader gestattet".

„Da bereitest du dich vor und freust dich darauf, dass du wieder aufmachen darfst. Und dann das.“

Raphael Fuchs, Inhaber von Fuchs-Fitness

Raphael Fuchs, Inhaber von Fuchs-Fitness

Nur 24 Stunden zuvor hatte sich Fuchs noch darauf gefreut, sein seit November geschlossenes Studio in der Pfistermeisterstraße wieder öffnen zu dürfen. Grund war folgende Passage in einer Verlautbarung der Stadt: Sport sei ab Samstag, 15. Mai, erlaubt, "wobei im Innenbereich nur ohne Kontakt trainiert werden darf". Für Fuchs war klar: "Wir sperren spätestens am Montag auf." Das Gesundheitsministerium teilte aber mit: "Fitness-Studios werden tendenziell von vielen Personen gleichzeitig besucht, die Aufenthaltszeiten sind nicht begrenzt, regelhaft wird eher intensive körperliche Aktivität ausgeübt und es besteht eine stärkere Fluktuation der Personen im Raum." Daher sei von einem höheren Infektionsrisiko auszugehen.

Fuchs versteht die Welt nicht mehr: "Da bereitest du dich vor und freust dich darauf, dass du wieder aufmachen darfst. Und dann das." Es sei Wut, was in ihm aufsteigt: "Das Maß ist längst überschritten." Beiträge der Kunden ziehe er schon lange nicht mehr ein, 15 Prozent der Mitglieder zeigten sich solidarisch und zahlten weiter. Aber: "Wenn wir nicht öffnen, sagen die auch irgendwann, dass es ihnen reicht."

Cineplex: Kino ohne Filme

Genau gegensätzlich stellt sich die Situation für das Cineplex an der Regensburger Straße dar. Das Kino dürfte am Samstag wieder Besucher empfangen, bleibt aber geschlossen. Die Betreiber geben mehrere Gründe an: "Uns stehen derzeit keine Filme zur Verfügung, die wir zeigen können. Solange nicht alle Kinos deutschlandweit öffnen dürfen, werden wir von den Filmverleihern auch keine neuen, größeren Produktionen erhalten." Abgesehen davon seien die Lieferanten so kurzfristig nicht in der Lage, für genug Popcorn-Mais und Cola zu sorgen. Die Betreiber bitten um Verständnis: "Wir haben leider keinen großen Schalter im Büro, den wir einfach umlegen können, um alles wieder hochzufahren." Folglich könne kein Termin genannt werden, zu dem der Neustart möglich ist.

Tätowierer: "Ein Desaster"

Den ersten Lockdown hat Swen Dugajczyk in seinem Tattoo-Studio an der Lederergasse relativ gut überstanden. Dann kam der 2. November und mit ihm die nächste Schließung: "Ein Desaster. Ein Fiasko." Die Überbrückungshilfen seien zwar geflossen, von Kunden habe er aber sechseinhalb Monate lang keinen Cent gesehen. Im Gegensatz zu Friseur-Salons und Nagel-Studios, die früher öffnen durften. Dugajczyk: "Es geht bei allen um die Eitelkeiten der Menschen. Man sollte da keine Unterschiede machen." Die gab es aber. Geschäftspartner Michael Lehmeier sagt, dass Kunden teilweise in andere Bundesländer fuhren, weil die Körperkunst dort erlaubt war. Laut Dugajczyk fehlen bisher 70 Prozent der Einnahmen: "Da hat man schon Existenzängste." Am Freitag, 14. Mai, dürfen die Kunden wieder kommen. Aber nur mit Termin. Lehmeier: "Wir arbeiten jetzt die Aufträge von November, Dezember und Januar ab." Neukunden kommen auf eine Warteliste.

Einzelhandel: Glückliche Leute

"Die Leute gehen glücklich in die Läden, weil sie das nun wieder dürfen, und die Einzelhändler sind froh, dass sie ihren Beruf wieder ausüben dürfen.“

Jörg Kunert, Vorsitzender des Amberger Einzelhandelsverbandes

Jörg Kunert, Vorsitzender des Amberger Einzelhandelsverbandes

Jörg Kunert, seit April Vorsitzender des Amberger Einzelhandelsverbandes, atmet spürbar auf: "Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir hoffen jetzt alle, dass es schnellstmöglich weitere Lockerungen gibt." Die Gefahr, Kunden könnten wegen der sich ändernden Regeln den Überblick verlieren, sieht er nicht: "Das funktioniert ganz gut. Die Leute gehen glücklich in die Läden, weil sie das nun wieder dürfen, und die Einzelhändler sind froh, dass sie ihren Beruf wieder ausüben dürfen." Das sei nicht nur sein persönlicher Eindruck. Das habe er auch von vielen seiner Kollegen gehört.

Bäder: Öffnung nicht in Sicht

In der noch bis 2. Juni geltenden Infektionsschutzverordnung steht, dass der Betrieb von Badeanstalten, Thermen, Wellnesszentren, Saunen und Solarien untersagt ist. Das gilt laut Stadtwerke-Sprecherin Karoline Gajeck-Scheck auch für das Kurfürsten- und das Hockermühlbad. Dagegen dürfen Bäder im Tourismusbereich wieder öffnen: "Für uns ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar", zumal sich das Amberger Corona-Konzept für beide Bäder im Vorjahr "sehr bewährt" habe. Mögliche Öffnungstermine kann Gajeck-Scheuck noch nicht nennen.

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