12.10.2021 - 16:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Der digitale Schub an den Schulen soll auch nach Corona weitergehen

Corona ist für die Schulen nicht nur große Katastrophe – im Bereich der Digitalisierung könnte sich die Pandemie sogar als Segen erweisen. Der technische Sprung war gewaltig, die Frage ist, was bleibt in Sulzbach-Rosenberg und Amberg.

Digitale Hilfsmittel waren schon vor Corona im Unterricht im Einsatz. Doch die Pandemie hat sich als regelrechter Beschleuniger der digitalen Entwicklung an den Schulen erwiesen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Es ist Freitag, der 13. März 2020, als in ganz Deutschland die Schulen schließen. Corona ist nun kein Virus mehr, das im fernen Osten die Menschen bedroht, Corona ist ab sofort auch bei uns ganz real. Und die Schüler und ihre Eltern lernen ein neues Wort: Home-Schooling. Weil Präsenzunterricht nicht mehr möglich ist, sollen die Mädchen und Buben in den nächsten Wochen und Monaten digital unterrichtet werden. Doch sehr schnell stellt sich heraus, dass viele Schulen gerade einmal der digitalen Steinzeit entwachsen sind. Es fehlt an allem: An Geräten, an einer geeigneten und stabilen Software und meistens auch am Know-How.

Heute, rund eineinhalb Jahre später, freuen sich die Schüler darüber, dass sie im Präsenzunterricht keine Masken mehr aufsetzen müssen, dass sie endlich kein Home-Schooling mehr haben und mit richtigen Lehrern und Mitschülern zu tun haben. Doch in der Zeit dazwischen ist eine technische Revolution über das bayerische Schulwesen hinweg gefegt. Kommunikationsprogramme wie Teams gehören inzwischen zum Schulalltag, Arbeitsblätter müssen nicht mehr umständlich kopiert werden, sondern finden sich selbstverständlich in den digitalen Arbeitsmappen und die Schüler kommunizieren auch in ihrer Freizeit über die schulischen Kanäle.

Rückschritt wäre fatal

„Es wäre fatal, wenn wir jetzt die Instrumente nicht mehr nutzen würden, die wir inzwischen haben“, sagt Peter Danninger, der Rektor der Krötensee-Mittelschule. Seine Schule setzt von daher voll auf die Digitalisierung. Und zwar nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Kommunikation mit den Eltern. „Zuletzt haben wir das wieder beim Online-Elternabend genutzt.“ Die Eltern der Krötensee-Schüler hätten erkannt, dass sie heute deutlich einfacher und schneller mit den Lehrern in der Schule kommunizieren können, als vor Corona. „Sie melden sich immer noch fleißig beim Eltern-Info-Portal an“, hat Danninger festgestellt. Was es doch deutlich erleichtere, die inzwischen zahlreichen Elternbriefe schnell und gezielt an die Frau oder den Mann zu bringen.

Vorteile bringt seiner Aussage nach auch der elektronische Stundenplan – so wissen Schüler und Eltern schon rechtzeitig Bescheid, wenn mal eine Stunde ausfallen muss. Die Schüler der Krötensee-Schule haben als digitales Werkzeug die Padlet-Plattform zur Verfügung. Hier finden sie ihre Wochenpläne, ihre Arbeitsblätter und auch die Hausaufgaben. Außerdem sei die Plattform ideal, um Stoff zu üben, Lernvideos zu verschicken und gezielt mit den Schülern zu kommunizieren. Dass das nicht ohne Probleme und Vorbehalte umgesetzt werden konnte, das gibt Peter Danninger gerne zu. „Jeder Mensch macht doch nur etwas, wenn es ihm auch Erleichterung bietet.“

Doch inzwischen ist Digitalisierung an der Krötensee-Mittelschule schon fast Alltag. Die Lehrer haben alle ihr Dienstgerät, das sie sich nach ihren Bedürfnissen ausgesucht haben. Und auch die Schüler nutzen ihre digitalen Möglichkeiten nach Kräften. „Die Stadt Sulzbach-Rosenberg lässt sich das schließlich auch einiges kosten“, sagt Peter Danninger

Beschleuniger der Digitalisierung

"Corona war ein extremer Beschleuniger der Digitalisierung", sagt Georg Meyer, der Direktor des musischen Max-Reger-Gymnasiums. "Manche Kollegen haben sich da aber auch richtig reingebissen", schildert er die Anstrengung an seiner Schule. Die am Anfang der Pandemie nicht unbedingt zu den digitalen Vorreitern gehört hat. Doch nach dem Stolperstart mit dem heillos überforderten Programm Mebis fand sich in Teams von Microsoft eine Plattform, die sehr zuverlässig und stabil lief und bis heute auch läuft. Plötzlich war Home-Schooling via Computer kein Problem mehr – sofern auch die Schüler daheim über die notwendigen Endgeräte verfügt haben.

Doch was bleibt von der Digitalisierung im Schul-Alltag? Die Dr.-Johanna-Decker-Schulen zum Beispiel, Gymnasium und Realschule, schalten kranke Schülerinnen auf Wunsch nach wie vor live über eine Kamera am Lehrerrechner zum Unterricht zu. Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen dann zwar keine Namen gesagt werden, doch die Schülerinnen, die wegen der Corona-Vorgaben oft schon mit einem Schnupfen daheim bleiben müssen, sind dankbar, dass sie keinen Stoff versäumen. Arbeitsblätter und sonstige Materialien werden über den Teams-Zugang geschickt, die jeweiligen Hausaufgaben können die Schülerinnen via Schulmanager abrufen. "Wir besitzen auch 50 Geräte, die wir an die Schülerinnen verleihen können", beugt Schulleiter Hans Kistler dem Vorwurf vor, nur vermögende Kinder würden einen eigenen Rechner besitzen.

W-Lan macht noch nicht mit

Ganz so weit ist man anderswo noch nicht – oder will es auch nicht sein. So fehlt beispielsweise im Max-Reger-Gymnasium in manchen Klassenzimmern immer noch eine W-Lan-Anbindung. Die zu schaffen würde laut Georg Meyer tausende von Euro kosten. Daher beschränkt man sich hier darauf, Arbeitsblätter in Teams zu stellen oder mal ein Tafelbild zu fotografieren. "Ganz so einfach soll man es ihnen ja auch nicht machen", nennt Christian Weiß-Mayer, der Direktor des Erasmus-Gymnasiums einen pädagogischen Grund, warum es seine Schule mit dem digitalen Service nicht übertreiben will. Denn vor allem bei jungen Männern in der Pubertät sei es pädagogisch sehr wichtig, dass sie beispielsweise ihre Hausaufgaben schriftlich machen. "Wir machen es da so, wie es uns das Kultusministerium vorschlägt." Trotzdem werden natürlich auch hier Arbeitsblätter auf Teams geladen.

Digitalisierung wird an der staatlichen Schönwerth-Realschule ganz groß geschrieben. "Wir haben schon vor Corona Teams genutzt, wir waren Teams-Schule", verrät stellvertretender Schulleiter Andreas Rupprecht. Entsprechend nahtlos lief der Übergang in den Lockdown. "Vorsichtshalber haben wir alle Passwörter zurück gesetzt, dann konnten wir los legen." Klar, dass auch nach der Ära des Home-Schoolings das Microsoft-Programm als durchgängiges Unterrichtsmittel eingesetzt wird. Dort, wo es sinnvoll ist. Das betont Andreas Rupprecht. Denn tatsächlich seien die sogenannten Handfähigkeiten – wie das Schreiben – für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig. "Wir haben da eine ganz gesunde Mischung", so Rupprecht. Nur wo es sinnvoll sei, würden digitale Hilfsmittel eingesetzt. Und überhaupt sei der Präsenzunterricht sowieso durch nichts zu ersetzen.

Konsequent auf dem digitalen Weg

Auch wenn die Schüler derzeit wieder im Präsenzunterricht sind, die Walter-Höllerer-Realschule in Sulzbach-Rosenberg will den digitalen Weg konsequent weitergehen. „Bei uns wird das Office-365-Paket jetzt ebenfalls flächendeckend eingeführt“, schildert Rektor Martin Zimmermann die Situation an seiner Schule. Während in der Nachbarstadt Amberg die Schulen bereits mit dem Microsoft-Programm arbeiten, steht man an der Sulzbach-Rosenberger Realschule in dieser Hinsicht noch ziemlich am Anfang. Doch die Zukunft heißt Digitalisierung, ein Zurück zur Vor-Coronazeit soll es nicht geben.

„Wir bringen da jetzt ein bisschen Struktur rein“, sagt Martin Zimmermann. Die Schüler bekommen demnächst alle eine eigene Schul-Email-Adresse, die Lehrer werden mit Endgeräten ausgestattet, nachdem sie während des Lockdowns ihre eigenen Computer benutzt haben, um einigermaßen einen Unterricht aufrecht erhalten zu können. Parallel dazu läuft an der Walter Höllerer der Umbau des schulinternen Netzwerkes, damit die Lehrer von jedem Klassenzimmer aus digital unterrichten können. „Trotzdem: Nichts geht über Präsenzunterricht“, sagt Martin Zimmermann und findet sich im Einklang mit allen anderen Schulleitern.

Arbeitstag zieht sich in die Länge

Und wie schaut es mit dem Datenschutz aus? Abgesehen davon, dass die Server für Teams inzwischen auch in Deutschland stehen und somit den deutschen Gesetzen unterstehen, interessieren die Microsoft-Leute diese Daten ohnehin nicht. Denn nach der Schule, wenn fast alle Schulkinder ihre Handys anmachen oder am Computer spielen, bekommen sie in dieser Hinsicht viel interessantere Ware frei Haus geliefert. Das weiß auch Alexander Kramer von der Luitpold-Mittelschule, der den Datenschutz trotzdem sehr ernst nimmt. "Bei uns wird Teams ganz gezielt eingesetzt", erzählt er aus der Praxis. Entweder im Unterricht oder auch als Lernplattform für daheim. "Wir nutzen da die Aufgaben-Tools von Teams." Vorteil: Auch schwächere Schüler oder Kranke können auf sie zugeschnittene Übungen machen. Der Nachteil: Der Arbeitstag für die Lehrer, die das Ergebnis oft noch in der Nacht korrigieren müssen, zieht sich der Arbeitstag.

In einem sind sich aber alle – nicht repräsentativ – befragten Direktoren und Lehrer einig: Corona war ein regelrechter Booster für den digitalen Fortschritt an den deutschen Schulen. Was vor zwei Jahren beinahe undenkbar schien, die schnelle und direkte Kommunikation mit den Schülern daheim, ist heute kein Problem mehr. Trotzdem sind sich alle Befragten darin einig, dass bei aller Digitalisierung der Präsenzunterricht vor Ort immer noch die beste Art und Weise ist, jungen Menschen Wissen zu vermitteln.

So war das mit dem Homeschooling

Amberg
Die Kommunikationsplattform MS Teams von Microsoft hat sich auch an den Schulen in unserer Region als die beste Alternative bewährt. Sie ist ein Zeichen für die rapide fortschreitende Digitalisierung.
Kommentar:

Die digitale Revolution hat auch ihre Grenzen

Jeder, der selbst Kinder im schulpflichtigen Alter daheim hat, kennt das: Kaum hat die Tochter oder der Sohn mit den Hausaufgaben angefangen, geht es im klasseninternen Whatsapp-Kanal rund. Was haben wir in Mathe auf? Hat irgendwer das Arbeitsblatt in Bio? Könnt Ihr mir bitte die Seite aus dem Mathebuch schicken, ich habe es in der Schule vergessen? Hier zeigt sich sehr schnell, dass der digitale Schub, den Corona an den Schulen ausgelöst hat, durchaus ein großer Segen sein kann. Wenn Unterrichtsmaterialien auch digital abrufbar sind, wenn es möglich ist, den Computer auch in die Hausaufgaben zu integrieren, dann ist das sehr gut.

Doch die digitale Revolution hat auch ihre Grenzen. Denn der Computer soll nicht die Faulheit von Schülern unterstützen, Präsenzunterricht und das Schreiben mit der Hand sind unschätzbare analoge Elemente der Schule. Es kommt eben auf die richtige Mischung an.

Andreas Ascherl

"Corona war ein extremer Beschleuniger der Digitalisierung."

Georg Meyer, Direktor des Max-Reger-Gymnasiums

Georg Meyer, Direktor des Max-Reger-Gymnasiums

„Es wäre fatal, wenn wir jetzt die Instrumente nicht mehr nutzen würden, die wir inzwischen haben.“

Peter Danninger, Rektor der Krötensee-Mittelschule

Peter Danninger, Rektor der Krötensee-Mittelschule

 

 

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