11.01.2021 - 16:04 Uhr
AmbergOberpfalz

Distanzunterricht: Nur leichtes Ruckeln zum Schulbeginn

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Montag, 8 Uhr. In ganz Bayern fahren die Rechner hoch, für Millionen von Schülern beginnt der Distanzunterricht. Doch der von vielen erwartete "Ruckel-Start" fällt weitgehend aus. Fast alles läuft reibungslos.

Ab sofort und ein bisschen überraschend gibt es seit Montag wieder Distanzunterricht für die bayerischen Schulkinder. Doch der gemeinsame digitale Schulstart funktionierte erstaunlich reibungslos.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Der erste Schreck am vergangenen Mittwoch war groß gewesen. Anstelle des von vielen erwarteten wöchentlichen Wechselunterrichts sollten alle Schüler nach den Weihnachtsferien auf Distanz unterrichtet werden. Einige Schulleiter wie Günter Jehl von den Dr.-Johanna-Decker-Schulen hatten es schon kommen sehen und ihre Schülerinnen an den letzten drei Unterrichtstagen vor den Ferien rein virtuell nach Stundenplan schulen lassen, um auf so einen Extremfall vorbereitet zu sein.

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Entsprechend störungsfrei lief es am Montag dann auch an den Decker-Schulen (Gymnasium und Realschule). "Wir haben bisher keine Schauermeldungen bekommen", sagte Günter Jehl. Einzig der Schulmanager Online, der eine Zeitlang als Alternative zu Teams von Microsoft als Kommunikationssoftware im Gespräch gewesen war, sei "in die Knie gegangen." Teams hingegen lief an allen Schulen rund, wie auch Matthias Schall, der Direktor der Amberger Realschule bestätigte.

"Wir haben keine Probleme, wir setzen voll auf Teams", sagte Schall auf Nachfrage. Wie an den meisten Schulen in Stadt und Landkreis klappte auch hier der digitale Unterricht nach Stundenplan nahezu perfekt - sei es über Live-Konferenzen oder mit Hilfe gezielter Arbeitsaufträge. "Das hängt von Fach zu Fach und von Jahrgang zu Jahrgang ab", so Schall. Ganz frisch im Kommunikationskanal des Softwareriesen Microsoft ist dagegen das Sulzbach-Rosenberger Herzog-Christian-August-Gymnasium. Schulleiter Dieter Meyer konnte trotzdem eine sehr positive erste Bilanz ziehen. "Ich habe noch nichts Negatives gehört, auch wenn es am Ende schnell gehen musste."

Im Gegensatz zu den Amberger Gymnasien setzte das HCA nämlich sehr spät auf das Teams-Pferd. "Wir hatten es bisher aus Datenschutz-Gründen gemieden", sagt Dieter Meyer dazu. Doch letztendlich blieb auch dem Sulzbach-Rosenberger Gymnasium keine Alternative, seit Montag läuft hier das Microsoft-Programm. Noch in den Ferien hätten sich die Lehrer gegenseitig in der Anwendung geschult, seit Mittwoch seien nun schon die Schüler mit im Boot. "Trotzdem müssen wir natürlich allem Zeit geben", drückt Meyer auf die Euphorie-Bremse.

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Während an den Gymnasien und Realschulen alles relativ glatt verlaufen ist, verzeichnet die Amberg-Sulzbacher Schulamtsdirektorin Beatrix Hilburger für ihren Zuständigkeitsbereich, die Grund- und Mittelschulen, ein leichtes Start-Ruckeln. Auch hier hätten die Lehrkräfte aber auf die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown, auf erweiterte technische Möglichkeiten zurückgreifen können.

"Im Präsenzunterricht von September bis Dezember 2020 wurden die digitalen Medien verstärkt eingesetzt, sinnvolle Programme aufgezeigt und mit diesen gearbeitet, um möglichst gut für Phasen des Wechselunterrichts bzw. Distanzunterrichts vorbereitet zu sein", schildert Hilburger das weitere Vorgehen den Sommer über. Trotzdem funktionierten hier nicht alle Systeme am Anfang störungsfrei.

Kommentar:

Präsenzunterricht bleibt trotzdem unübertroffen

Dieser digitale Schulstart nach den Ferien war gar nicht einmal so schlecht. Aber Bayerns Schüler und Lehrer haben inzwischen schon eine gewisse Routine, was den Distanzunterricht angeht. Dazu kommt die technische Perfektion, mit der das Microsoft-Produkt Teams läuft – inklusive aller datenschutzrechtlicher Bedenken. Die digitalen Rädchen greifen jetzt sehr gut ineinander, wo noch im Frühjahr – vor allem bei vielen Lehrern – Vorbehalte und Misstrauen geherrscht haben. Selbst Schulen, die sich im März und April noch sehr schwer taten mit dieser Form des Unterrichts, wenden die neuen Techniken jetzt anstandslos an. Graduelle Unterschiede in der Anwendung wird es immer geben, doch die rote Linie ist inzwischen erkennbar. Bayerns Schulen werden digital. Ersetzen kann das den guten alten Präsenzunterricht aber nicht. Der ist und bleibt unübertroffen wertvoll.

Andreas Ascherl

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