25.04.2020 - 23:42 Uhr
AmbergOberpfalz

Grünen-Kreisvorsitzender Karl-Heinz Herbst zur Bilanz der Kommunalwahl in Amberg-Sulzbach

Der Grünen-Kreisvorsitzende Karl-Heinz Herbst ist seit Jahrzehnten in der Kommunalpolitik engagiert, war auch schon selbst Landratskandidat. Und noch eine weitere Gemeinsamkeit mit Peter Eckert, der heuer antrat, verrät er im AZ-Interview.

Karl-Heinz Herbst ist seit 2013 Sprecher der Amberg-Sulzbacher Grünen.
von Markus Müller Kontakt Profil

Die langjährige Erfahrung hilft Herbst natürlich auch, den Höhenflug den seine Partei zuletzt erfuhr, richtig einzuordnen, und zu erkennen, dass hier im lokalen Bereich noch viel Luft nach oben ist.

ONETZ: Herr Herbst, haben Sie das Ergebnis der Kommunalwahl schon in den dafür zuständigen Gremien analysiert?

Karl-Heinz Herbst: Selbstverständlich haben wir die Ergebnisse, nachdem die Auszählungen abgeschlossen waren, innerhalb einer aktiven Whatsapp-Gruppe besprochen und diskutiert. Zum Glück hatten wir diese Gruppe bereits in der heißen Phase des Wahlkampfs im Januar angelegt, so dass nach der Wahl wirklich jedes Gruppenmitglied seine Meinung dazu äußern konnte.

ONETZ: Sind Sie auch schon persönlich zusammengekommen?

Karl-Heinz Herbst: Persönlich getroffen habe ich seit dem 15. März außer unserer Sulzbach-Rosenberger Stadtratsfraktion und unserem Landratskandidaten Peter Eckert, der ja auch mein Arbeitskollege ist, leider niemanden. Ursprünglich hatte ich für die zweite Woche nach der Wahl eine Kreisversammlung vorgesehen, aber diese Planung musste ich aus bekannten Gründen verschieben bis vielleicht in den Juni hinein.

Zum Ergebnis der Kreistagswahl in Amberg-Sulzbach

Amberg

ONETZ: Wie lautet denn Ihre Bilanz der Kreistagswahl?

Karl-Heinz Herbst: Grundsätzlich bin ich hoch erfreut über das Abschneiden unserer Partei bei der Kreistagswahl, von vier auf sechs Sitze bedeutet eine Steigerung von 50 Prozent. Gleichzeitig glaube ich aber, dass hier noch Luft nach oben ist, wenn wir die weißen – oder von mir aus auch schwarzen – Flecken im Landkreis noch begrünen könnten. In den Kommunen, in denen wir angetreten sind, konnten wir unsere Sitze stabilisieren. In Sulzbach-Rosenberg konnten wir, trotz der Verkleinerung des Stadtrates von 30 auf 24 Sitze unsere drei Mandate verteidigen, und das bei acht angetretenen Mitbewerberlisten. Besonders freut es mich, dass es die erst vor einem halben Jahr neu gegründete Ortsgruppe Hirschau geschafft hat, erstmals mit Christian Feja ein Stadtratsmandat zu erobern.
Einziger Wermutstropfen ist das Abschneiden unseres Landratskandidaten Peter Eckert, den hätte ich ganz gerne ein paar Prozentpunkte mehr gegönnt. Wir wussten natürlich, dass mit dem beliebten amtierenden Landrat Richard Reisinger ein ganz anderes Kaliber herausgefordert werden muss. Für unser Demokratieverständnis ist es aber dennoch selbstverständlich, einen Gegenkandidaten anzubieten. Dafür möchte ich Peter Eckert für seine Bereitschaft zu kandidieren auch nochmal ausdrücklich danken. Einziger Trost: Auch die anderen Gegenkandidaten sind fast alle im einstelligen Bereich steckengeblieben.

ONETZ: Lässt sich aus dem Ergebnis bereits etwas über die Zusammenarbeit im künftigen Kreistag ableiten?

Karl-Heinz Herbst: Was die politische Gremienarbeit im Kreistag betrifft, möchte ich dazu noch keine konkreten Aussagen machen, da hier der Abstimmungsprozess innerhalb der Fraktion sowie fraktionsübergreifend noch nicht abgeschlossen ist. Vorweg möchte ich aber betonen, dass wir uns einer sachbezogenen Zusammenarbeit keinesfalls verschließen werden. Anträge, die unsere Zustimmung finden, werden wir auch unterstützen, wenn sie von anderen Fraktionen kommen.

Zur Zusammensetzung des Amberg-Sulzbacher Kreistags

Amberg

ONETZ: Wie müssen Sie als Partei auf das Ergebnis der Kommunalwahl reagieren?

Karl-Heinz Herbst: Wir sehen uns weiterhin mit den von uns besetzten Themen bestätigt. Auch wenn die Klimadiskussion derzeit wegen der Coronakrise in den Hintergrund getreten ist, lässt sich sagen, dass wir bei den Schwerpunkten Klima, erneuerbare Energien, Flächenverbrauch und ÖPNV auf die richtigen Themen gesetzt haben. Diese Themen wollen wir auch weiterhin in den Kreistag einbringen.

ONETZ: Was müssten Sie leisten, um auch auf kommunaler Ebene an dem Grünen-Höhenflug in der "großen Politik" teilhaben zu können?

Karl-Heinz Herbst: Hier muss man neidlos anerkennen, dass der grüne Höhenflug in erster Linie vorrangig großstädtisch geprägt ist. In den ländlichen Gegenden ist diese Politik einer grünen Umwelt wesentlich schwerer vermittelbar, da wir bei uns größtenteils immer noch eine schöne intakte Natur- und Erholungslandschaft haben. Allerdings beginnt auch bei uns langsam ein Umdenken. Denken wir nur an das Artensterben.
Ein anderer Punkt ist die Professionalität unserer Partei, die uns durch die vermehrten Parteieintritte herausfordert. Selbst wenn wir bei Wahlkämpfen von unserem Landes- und Bundesverband sowie unseren Abgeordneten unterstützt werden, sind wir dennoch hier im Landkreis und in der Stadt Amberg immer noch alle ehrenamtlich unterwegs. Das wird oft für einige von uns zu einem personellen Spagat zwischen Familie, Beruf und Partei.

ONETZ: Denken Sie, dass die gegenwärtige Coronakrise langfristige Auswirkungen auf die Art und Weise haben wird, wie man in Zukunft Kommunalpolitik betreibt?

Karl-Heinz Herbst: Diese Krise wird zweifellos ihre Spuren hinterlassen. Zwei positive Aspekte möchte ich hier voranstellen. Unsere kommunalpolitische Welt wird zunehmend digitalisiert werden, eine persönliche Präsenz ist absehbar nicht immer erforderlich.
Andererseits hoffe ich, dass Berufsgruppen, die keine Möglichkeiten haben, vom Homeoffice aus zu arbeiten, wie beispielsweise Pflegekräfte, Verkäufer, Lkw-Fahrer, wieder besser wertgeschätzt werden und sich das auch in monetärer Form auswirkt. Und hoffentlich bleibt die Erkenntnis, dass wir das Geld, das wir für unsere Krankenhäuser und unser Gesundheitssystem ausgegeben haben und in Zukunft noch ausgeben werden, nicht zweimal umdrehen dürfen. Das ist bestens investiertes Geld für unsere ganze Gesellschaft. Das hat uns diese Krise mit Sicherheit gelehrt.

Gewinner und Verlierer bei der Kreistagswahl

Amberg

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