22.06.2020 - 10:53 Uhr
AmbergOberpfalz

Gute Noten für Fahrer und Fahrzeuge im Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach

Zeugnisvergabe für die Busse und die Fahrer im Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach: Freundlichkeit und Kompetenz der Fahrer sowie die Sauberkeit der Fahrzeuge erhielten jetzt Bestnoten - nur bei den Durchsagen gab es Abstriche.

Herz des Zweckverbands Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS) ist der Zentrale Omnibusbahnhof in Amberg. Hier laufen alle Linien zusammen, hier steigen die meisten Fahrgäste in die Busse ein.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Wenn Hans-Jürgen Haas, der Geschäftsleiter des Zweckverbands Nahverkehr Amberg-Sulzbach, von "seinem" Zweckverband spricht, dann zitiert er gerne den "großen" Nürnberger VGN, der den Amberger-Sulzbachern bescheinigt hat, von allen Öffentlichen Nahverkehren in Städten vergleichbarer Größe im VGN-Gebiet der beste zu sein. Jetzt hat es Haas auch schriftlich, dass der Busverkehr im Amberg-Sulzbacher Land nahezu tadellos ist.

Mehr aus der Sitzung des Zweckverbands

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Basis dieser Aussage ist eine Untersuchung der Firma PB Consult, Nürnberg, die in einem wettbewerblichen Verfahren vom ZNAS mit einer Qualitätsstudie beauftragt wurde. Hintergrund ist der Wunsch der Aufgabenträger, in diesem Fall der Landkreis Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg, zu überprüfen, ob die von ihnen bei privaten Unternehmern bestellten und mit Steuergeldern bezahlten Leistungen auch tatsächlich wunschgemäß erbracht werden. "Damit soll den Unternehmen der Reiz genommen werden, durch Nichtbeachtung von bestellten Leistungen Kosten zu sparen und damit zusätzlich Einnahmen zu erhalten", heißt es dazu in den Unterlagen des Zweckverbands.

Abzüge für Durchsagen

Tatsächlich ist es im Bereich des ZNAS aber so, dass Fahrer und zum größten Teil auch Fahrzeuge im bayernweiten Ranking ganz vorne liegen. Abzüge gibt es nur bei der Ansage der Haltestellen, die vielfach gar nicht oder unverständlich gemacht werden. Werden diese Mängel auch noch beseitigt, so sagte es Oliver Petzoldt von PB Consult, dann steigen die Wertungen für den ZNAS in die Nähe der 100-Prozent-Marke.

Durchgehend gute Noten

Getestet wurden laut Petzoldt Linien im Amberger und Sulzbach-Rosenberger Stadtverkehr sowie einige Überlandlinien. Neben den üblichen Kriterien wie Sauberkeit, Pünktlichkeit, Freundlichkeit und Kompetenz der Fahrer, gute deutsche Sprachkenntnisse oder Servicebereitschaft gab es auch drei - natürlich verdeckte - Extra-Tests: Kauf einer Fahrkarte mit einem 20-Euro-Schein, Kauf einer Fahrkarte beim Fahrer nach Nürnberg und Suche nach einem verlorenen Gegenstand.

Der Zweckverband zum Thema Bahnstrom

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Das Ergebnis der allgemeinen Tests: Die Busse sind größtenteils pünktlich, sie sind sauber, die Fahrer sind freundlich und sehr kompetent. Auch die Haltestellen, viele von ihnen inzwischen mit modernen Anzeigen ausgestattet, entsprechen - mit Abstrichen bei der allgemeinen Sauberkeit - den Erwartungen. Nur bei den Ansagen der Haltestellen im Bus erreichen die ZNAS-Fahrer einen Wert zwischen 70 und 76 Prozent, während sie sonst immer über 90 Prozent liegen. "Das ist wirklich manchmal suboptimal", kommentierte Oliver Petzoldt vergessene oder unverständlich hingenuschelte Ansagen.

"Da kann man schon stolz darauf sein, dass das Fuhrpersonal so viel Service-Gedanken besitzt", lobte Petzoldt hingegen die menschlichen Qualitäten der Fahrer. Die tatsächlich auch die Sonderaufgaben meist mit Bravour gemeistert haben. Abstriche gab es beim Fahrkartenverkauf nach Nürnberg nur teilweise, weil nicht gleich gefragt wurde, ob man eine Rückfahrkarte benötige. Beim verlorenen Gegenstand verwiesen die Fahrer zwar freundlich an die zuständigen Stellen, "vergaßen" aber, den Kunden eine Visitenkarte mit den entsprechenden Kontaktdaten in die Hand zu drücken.

Diese Mängel sollen jetzt geschult werden, bauliche Lässlichkeiten wie in einem Fall der fehlende Rollstuhlstellplatz in einem Bus, werden umgehend behoben.

Aus dem Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach:

Haushalt zum Zweiten

An sich war der Haushalt des Zweckverbands Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS) bereits beraten und beschlossen. Wäre da nicht Corona gewesen. Wegen der Pandemie war die ZNAS-Sitzung im März unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten worden – wegen möglicher Infektionsgefahr. Das, so gab ZNAS Geschäftsleiter Hans-Jürgen Haas in der jetzigen Sitzung bekannt, entspreche aber nicht den gesetzlichen Vorgaben, wonach eine Haushaltsberatung unbedingt öffentlich sein muss. So musste der Punkt erneut auf die Tagesordnung genommen werden. Ohne erneute Beratung nickten die Verbandsräte das Zahlenwerk ab.

Fast fünf Millionen Euro umfasst danach der Haushalt des ZNAS für das Jahr 2020. Wobei dieser auf den Annahmen basiert, die vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie gegolten haben. Interessant ist die Höhe der Verbandsumlage, also die Summe, die jeder der beiden Verbandsmitglieder, die Stadt Amberg und der Landkreis Amberg-Sulzbach, einzahlen müssen. „Dank“ der anstehenden Anzahl erheblicher Aufgaben, so heißt es im Haushaltsentwurf, wie EU-Richtlinie saubere Fahrzeuge, die Diskussion über sinkende Fahrpreise, die Kosten für das 365-Euro-Ticket und vieles mehr liegt die zu zahlende Einlage pro Mitglied bei 2,025 Millionen Euro.

Für den 1. Januar 2021 strebt der Zweckverband Nahverkehr (ZNAS) – voraussichtlich – die Vollintegration in das Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) an. Nichtsdestotrotz besteht seit vielen Jahren die Mitgliedschaft im VGN, die mit einer Vertretung in der VGN-Verbandsversammlung verbunden ist. Der ZNAS hatte nun die noch offenen Personalien dazu zu entscheiden. Naturgemäß hält der jeweilige Verbandsvorsitzende, derzeit ist das Oberbürgermeister Michael Cerny (Vertreter: Daniel Müller), einen Sitz im Rat, ebenso verhält es sich mit seinem Stellvertreter, Landrat Richard Reisinger (Vertreter Günther Cermak). Dritter Vertreter des ZNAS im VGN ist nun der ehemalige Schnaittenbacher Bürgermeister Josef Reindl. Er wechselt turnusgemäß nach drei Jahren seinen Platz mit seinem jetzigen Stellvertreter, dem Amberger Stadtrat Martin Frey.

Sowohl der Nürnberger VGN als auch der Regensburger RVV, mit dem der ZNAS ebenfalls verbunden ist, führen noch heuer das 365-Euro-Ticket für Schüler und Azubis ein. Die Verluste durch die damit verbundenen Mindereinnahmen schätzt allein der VGN auf rund 43,3 Millionen Euro pro Jahr. Zwar hat sich der Freistaat Bayern bereit erklärt, zwei Drittel dieser Summe zu übernehmen, doch wird sich der Rest negativ in den Haushalten der einzelnen Verbandsmitglieder niederschlagen. Zusätzlich rechnet der VGN mit einer jährlichen Steigerung von rund 1,5 Millionen Euro durch die regelmäßigen Tariffortschreibungen. Der Freistaat Bayern lehne es aus Marketinggründen ab, diese Fortschreibungen auf das 365-Euro-Ticket anzuwenden, außerdem gilt die Kostenübernahme nur für den laufenden Haushalt des Freistaats.

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