Update 24.05.2018 - 18:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Höhenflug mit Bauchlandung

Damals kaum 30 Jahre alt, betreibt der Jungunternehmer zwei gastronomische Betriebe. Ein Durchstarter quasi, der Verantwortung übernimmt und mit größeren Geldsummen umgeht. Dann folgt eine Bauchlandung. Nun soll er 62 500 Euro zurückzahlen.

Symbolbild
von Autor HOUProfil

Die ganze Sache ist nun fünf Jahre her. Der heute 35-Jährige hatte im Landkreis und in der Stadt Amberg zwei Lokale. Im Zusammenhang mit abgeschlossenen Bierlieferungsverträgen gab ihm dann eine in Franken anässige Brauerei ein Darlehen über 65 000 Euro. Nur 2500 Euro davon sahen die Gerstensaft-Produzenten bisher davon wieder.

Irgendwann lief ein Betrugsverfahren gegen den heute in Berlin lebenden Mann. Vor der Amtsrichterin Julia Taubmann berichtete er gut eineinhalb Stunden lang, wie er seine Verbindlichkeiten meist in gutem Einklang mit Geschäftspartnern geregelt habe und auf stete Ehrlichkeit bedacht gewesen sei. Allerdings klang auch an, dass der Jungunternehmer schon 2014 in die Insolvenz rutschte.

Die Vorsitzende hörte sich alle Ausführungen geduldig an und hakte nach: "Was ist mit den 65 000 Euro Darlehen gemacht worden?" Diese Frage blieb irgendwie im Raum stehen. Nicht lange danach geriet die Richterin zu der Auffassung: "Sie haben damit andere finanzielle Verpflichtungen ausgeglichen." Das aber mochte der Ex-Gastronom so nicht bestätigen. Doch es verstärkte sich der Eindruck: Dem Jungunternehmer war damals einiges aus dem Ruder gelaufen.

In einem vor dem Prozess erwirkten Strafbefehl hatte die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe von neun Monaten durchgesetzt. Dagegen stemmte sich der 35-Jährige nun per Einspruch und argumentierte, er sei momentan dabei, erneut zu geschäftlichen Unternehmungen anzusetzen. Mit einem solchen Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis, so befürchtete er, bleibe es ihm wohl verwehrt beispielsweise nach China oder in die Vereinigten Staaten einzureisen. "Dann kann ich wieder bei Null anfangen." Das beeindruckte die Richterin wenig. Um eine Haftstrafe komme er wohl nicht herum, machte sie dem Mann deutlich. Gleichzeitig aber wurde ihm signalisiert, dass ein Geständnis die Lage verbessern können. Nach drei Gesprächen mit seinem Anwalt räumte der 35-Jährige den zur Debatte stehenden Darlehensbetrug ein. Danach bekam er sechs Monate zur Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Monate gefordert.

Im Vorfeld des Strafprozesses war bereits eine zivilrechtliche Auseinandersetzung zwischen der geschädigten Brauerei und dem 35-Jährigen gelaufen. Sie endete damit, dass der Schuldner zusagte, den offen stehenden Betrag von 62 500 Euro ratenweise zu begleichen. Dass er dies auch sorgfältig tut, schrieb Richterin Taubmann als Auflage in ihr Urteil.

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