18.03.2021 - 17:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Hotel-Neubau in der Amberger Altstadt: Baubeginn für das Bootshaus

Die Gedanken waren schon beim Bier, das man hier einmal trinken wird. Noch ohne Bier, dafür aber mit FFP2-Maske und inmitten dicker Schneeflocken wurde am Donnerstag in Amberg der Baubeginn des Hotels Bootshaus markiert.

von Heike Unger Kontakt Profil

Statt des symbolischen ersten Spatenstichs, der sonst zu Beginn einer besonderen Baumaßnahme üblich ist, gab es am Donnerstag im kleinen Hof des künftigen Stadthotels "Bootshaus" an der Vils einen Hammerschlag. Oder besser gesagt mehrere: Mit den Bauherrn, Klaus Herdegen und Tochter Eva Bogner, gaben Architekt Georg Zunner, Oberbürgermeister Michael Cerny und Baureferent Markus Kühne mit Hammerschlägen an der Fassade den Startschuss für dieses besondere Projekt im Herzen der Amberger Altstadt.Gut, dass dieser Teil nicht unter Denkmalschutz steht: Während lustige Wortspiele rund ums Bier die Runde machten, hämmerte Baureferent Kühne so begeistert, dass er einen tiefen „Bierokratenkratzer“ in der Wand hinterließ.

Aus vier Altstadt-Häusern wird in Amberg das Hotel Bootshaus an der Vils

Amberg

Vier alte Einzelhäuser werden hier zu einem Hotel mit Café verbunden, sollen dabei aber ihre Individualität behalten. Dazu kommen Herausforderungen wie Denkmalschutz und die Lage direkt am Fluss: Das wird kein einfaches Vorhaben. Das ist der Bauherren-Familie wohl bewusst. Sie hat deshalb schon "jahrelang geplant", wie Klaus Herdegen berichtet: Vier Jahre seien allein vom Erwerb der Gebäude bis zum jetzt vorliegenden Konzept vergangen. Und die Umsetzung wird auch ihre Zeit brauchen. "Es ist extrem kompliziert, an dieser Stelle zu bauen", sagt Herdegen. Das beginnt damit, dass die Baustelle zwischen Fluss und schmalen Altstadt-Gassen für schweres Gerät nicht leicht erreichbar ist. Deshalb wird im kleinen Hof, der die Gebäude verbindet, eine Groß-Kranalage installiert, um das über die Schiffgasse angelieferte Material über die Vils auf die Baustelle zu hieven.

Bohrpfähle und Bodenarchäologie

Die Lage am Wasser ist in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung, wie Herdegen erklärt. So müssen viele elf Meter lange Mikrobohrpfähle in den Boden getrieben werden, um das Ufer zu befestigen und die Häuser zu unterfangen. Ähnlich wie beim benachbarten Martinsturm hat hier der Zahn der Zeit an den Pfählen genagt, die die Bauten tragen, und für eine leichte Neigung Richtung Vils gesorgt. Nicht nur diese Sicherung ist nötig, bevor es richtig losgehen kann – es müssen auch bodenarchäologische Untersuchungen erfolgen: Genau in diesem Bereich wird Ambergs alter Hafen vermutet.

Unzählige Ansprechpartner, von Denkmalschutz über Brandschutz bis Wasserwirtschaftsamt, müssen einbezogen und entsprechend viele Genehmigungen eingeholt werden. Klaus Herdegen deutet an, dass „die Genehmigungsphasestellenweise schon holprig" gewesen sei: "Aber ich will nicht schimpfen – es sind halt schwierige Genehmigungsverfahren." Die sind jetzt zumindest so weit, dass es losgehen kann: "Wir wollen in den Gebäuden nächste Woche mit dem Rückbau anfangen." Herdegen freut sich, dass er dafür erfahrene Handwerker aus der Region gewinnen konnte.

Schon die erste Überraschung

Dabei werden dann beispielsweise auch die Putze untersucht. Gut möglich, dass dabei und auch im weiteren Verlauf noch manche Überraschung zutage tritt. Die "wunderschöne Balkenbohlendecke im ersten Stock" war schon ein solcher Fund, sie stammt von 1488. Das älteste der vier Gebäude datiert gar auf 1250. "Das ist im Kern das alte Schloss", erklärt Herdegen, damals noch in einem Komplex mit dem Klösterl, in dem heute das Luftmuseum logiert.

"Extrem schwierig" werde sicher die Sanierung der Ufermauer, meint Herdegen. Doch auch das schreckt ihn nicht. Im Gegenteil. Er berichtet, dass, allen Herausforderungen zum Trotz, "uns diese Stelle jeden Tag besser gefällt". Über Kosten will der Bauherr lieber nicht reden. "Viel" sagt er nur, wenn man ihn danach fragt. "Dafür wird's hinterher umso schöner." Genau das kann sich OB Michael Cerny jetzt schon gut vorstellen. Beim "ersten Hammerschlag" ließ er die Gedanken schon in die Zukunft schweifen, wenn hier die Gäste des Bootshauses verweilen können.

Vilspegel trifft Pilspegel

Mit Blick auf weitere laufende Projekte wie "Das Notstain" schräg gegenüber und die ebenfalls nicht weit entfernten Drei Höfe sagte Cerny, "hier entstehen so schöne Plätze – da muss man sich überlegen, wo man sich hinsetzt", um beispielweise ein Bier zu trinken. Dieses Getränk bekam beim Termin am Donnerstag gleich seine eigene Markerung auf der kleinen Steinplatte, die über dem Grundstein im Eingangsbereich des Bootshauses eingemauert werden soll: Darauf wird nicht nur der Vilspegel merkiert, sondern auch der Pilspegel.

Die Platte bedeckt einen Metalltresor, in den als "Grundstein" am Donnerstag allerlei für die Nachwelt gepackt wurde: Derzeit gültige Münzen, eine aktuelle Ausgabe der Amberger Zeitung, kunstvoll gefaltete Baupläne, ein handschriftlicher Brief des Bauherrn, ein Amberg-Buch, ein Familien-Foto, eine Firmenchronik (Herdegen ist Lüdecke-Geschäftsführer, weshalb auch eine Edelstahlkupplung aus dem Firmen-Sortiment in den Grundstein wanderte) und eine FFP2-Maske – die an die besonderen Umstände erinnert, in der dieses Projekt angepackt wird.

Das Projekt Drei Höfe in Amberg

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An der Vils entsteht das Lokal "Das Notstain"

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Hosen, Tauben, Micky Mäuse

Auf speziellen Postkarten, die eigens zum Baubeginn mit skurillen Fotos von Funden auf der Baustelle ("Hosen-Tauben-Micky Mäuse") gefertigt wurden, verewigte sich dann jeder aus der Runde mit ein paar Gedanken zum Bootshaus. Augenzwinkernd wurde Baureferent Kühne per Postkarte zum "Bierokraten" und OB Cerny wünschte dem künftigen Bootshaus per Postkarte mit "Biergermeister"-Motiv, "dass viele Amberger und Besucher hier Freude finden und die Bauherren immer mit großer Freude ihre Gäste begrüßen können". Den "Schlüssel zum Glück", den die Bauherrn beim Ausräumen der alten Häuser gefunden haben, behielten sie vorsichtshalber aber lieber bei sich.

Bis hier die ersten Gäste kommen können, wird sicher noch einige Zeit verstreichen. Klaus Herdegen rechnet mit einer Bauzeit von "mindestens zwei Jahren". Er hofft, "dass bis dahin alles wieder einigermaßen normal ist". Der Bau falle schließlich gerade in eine schwierige Zeit, "wo die Hotellerie und Gastronomie extrem leiden": Umso mehr wünsche er sich und seinen Gastro-Kollegen, dass es bald wieder aufwärts geht "und wir alle miteinander die Stadt voranbringen".

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