29.12.2020 - 11:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Wie aus dem Kaufhaus Storg/Forum in Amberg die Drei Höfe werden

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Es hat vielleicht das Gerüst gebraucht, bis auch der letzte Skeptiker akzeptiert, dass die Bauarbeiten am ehemaligen Kaufhaus Storg/Forum begonnen haben. Tatsächlich sollen die Drei Höfe, wie sie künftig heißen, schon Ende 2022 fertig sein.

Das gewaltige Gerüst, das an der Bahnhofstraße errichtet worden ist, dient tatsächlich dazu, die denkmalgeschützte Fassade der Drei Höfe vor dem Einsturz zu bewahren.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Es ist dieser Lärm, diese einzigartige Geruchsmischung aus Staub und Zement, in der sich Bauleute so richtig wohl zu fühlen scheinen. Unbeeindruckt vom infernalischen Krach, den zwei Arbeiter beim Entfernen der Boden-Kacheln im ehemaligen Storg-Restaurant produzieren, schildert Thomas Helm, einer der drei Geschäftsführer und Architekt der Bauart, wie aus einem ehemaligen Kaufhaus ein Hotel mit 90 Betten, kleinen Geschäften, Gastronomie und Sky-Bar auf dem Dach werden kann.

Mehr zum Umbau in den Drei Höfen

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"Hier, an dieser Stelle werden tatsächlich Hotelzimmer entstehen", skizziert Thomas Helm die Pläne für das ehemalige Restaurant, in dem er einst als junger FOS-Schüler aus Hirschau selbst manchmal saß. Das Storg-Restaurant war über Jahrzehnte vor allem für zahlreiche Menschen aus dem Landkreis beliebter Treff- und Aufenthaltsort, um von hier aus gemeinsam Bummeln zu gehen oder auf den nächsten Bus zu warten.

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Während Thomas Helm geduldig alle Fragen zum Projekt Drei Höfe beantwortet, sind die beiden Bauleiter Vanessa Knoth und Bastian Wittl ständig am Telefonieren oder in Gesprächen mit Arbeitern. Die Drei Höfe haben einen straffen Zeitplan, der soll möglichst eingehalten werden. Da dürfen auch die kleinen und größeren Überraschungen nicht gewaltig aufhalten, die hinter alten Wandverkleidungen oder unter Bodenfliesen lauern. "Ich habe schon viel gesehen in fast 40 Jahren auf dem Bau, aber so etwas noch nicht", kommentiert einer der Bauleute den Zustand des ehemaligen Storg-Baus.

Wenn es etwas Neues aus den Drei Höfen zu berichten gibt, dann sind natürlich auch die Kollegen vom lokalen Fernsehen zur Stelle. Architekt Thomas Helm, einer der drei Bauart-Geschäftsführer, gibt natürlich gerne Auskunft.

Umbau während des Betriebs

Denn tatsächlich wurde in den Jahrzehnten der Kaufhausnutzung immer wieder umgebaut und -gestaltet. Meist bei laufendem Betrieb. Was wohl zu einer gewissen Flickschusterei geführt hat, einem kunterbunten Mix an Materialien und Stilen. Aufhalten kann das die Bauart-Leute nicht, sie fressen sich förmlich durch den riesigen Gebäudekomplex, in dem ab dem frühen 18. Jahrhundert die Amberger Münzstätte untergebracht war. Gefolgt von der bayerischen Gewehrmanufaktur. Zum Kaufhaus firmierte die Neue Münze wohl erst 1931 mit dem "Erwege" um. Das nach seiner Zwangs-Arisierung in den 30er Jahren zum Storg wurde, groß umgestaltet und neu eröffnet 1953 - und später immer wieder.

Mehr zu den Drei Höfen

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Doch Thomas Helm wäre kein Architekt, würde er nicht auch gelungene Beispiele für das Umbauen im 20. Jahrhundert entdecken. So findet der modernistische Anbau zum Münzgäßchen in seiner Bauhaus-Variation mit den holzgerahmten Fenstern durchaus seine Bewunderung. "Wir werden den auch so erhalten", verspricht Helm. "Das Gebäude befindet sich ja auch im Ensembleschutz."

Während er das sagt, karren im Hintergrund Arbeiter Unmengen von Bauschutt zu einem der Fenster und werfen die Brocken nach unten in den Container. Der Rückbau läuft auch Hochtouren. Erst muss ausgeräumt sein, damit wieder aufgebaut werden kann. "Das ist für uns wichtig, damit wir hier das Hotel einbauen können", sagt Helm.

So sollen die Drei Höfe einmal aussehen

Auch das große Gerüst, das an der Fassade zur Bahnhofstraße aufgebaut wurde, dient letztendlich dem Zweck, dem Gebäudekomplex seine neue Funktion zu ermöglichen. Um aus einem Haus mit einem bestehenden Innenhof die Drei Höfe zu machen, müssen teilweise Betondecken herausgeschnitten werden. Das Gerüst soll - quasi als stabiles Gegengewicht - tatsächlich verhindern, dass dabei die denkmalgeschützte Fassade umfällt. Apropos Denkmalschutz: Die Bauart hat es sich in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege zum Ziel gemacht, die noch vorhandene historische Substanz des ehemaligen Storg zu erhalten. Abgebrochen wird nur, was keinerlei historischen Wert besitzt.

Blick in das ehemalige Chefbüro, von dem aus der legendäre Heiner Storg seine Kaufhäuser und über lange Zeit hinweg auch die Amberger CSU-Fraktion regiert hat. Die hier irgendwann eingebaute Täfelung wurde inzwischen entfernt, dahinter sind historische Bögen und Steine aus der Erbauungszeit der Neuen Münze aufgetaucht. "Hier werden künftig einige Gewerbeeinheiten entstehen", versucht sich Architekt Thomas Helm im verschachtelten Gewirr der Stockwerke zu orientieren.

Der Blick über die Stadt Amberg

Dann ist da noch die Sky- oder Roof-Top-Bar, die ganz oben entstehen wird. Der vorsichtige Blick über die Amberger Dachlandschaften ist schon jetzt phantastisch. Die eigentliche Bar wird noch ein Stockwerk höher liegen, wohin jetzt nur eine gefährlich aussehende Feuertreppe hinaufführt. Aber was ist mit Corona? Mit den inzwischen fast schon wieder vertrauten Hygiene- und Gesundheitskonzepten? Abgesehen davon, dass die Pandemie ja irgendwann einmal vorbei sein wird, könnte sich die Tatsache, dass die Bauart jetzt die Gastronomie in den Drei Höfen aufbaut, sogar einmal entsprechend auszahlen. "Wir können die Lokale schon nach den neuesten Erkenntnissen ausstatten", sagt Thomas Helm.

Auch wenn es dauert, bis der alte Storg bis auf sein bauliches Grundgerüst zurückgebildet sein wird, auch wenn sich die Corona-Pandemie natürlich störend auf die Arbeiten auswirkt - Architekt Thomas Helm verbreitet nicht den Eindruck, er könnte nicht Ende 2022 gemeinsam mit seinen Mit-Geschäftsführern Kostja Künzel und Wolfram Buegger die Drei Höfe eröffnen. Dann aber hoffentlich wieder ohne Maske und Distanz.

Bildergalerie zu den Drei Höfen

Das gewaltige Gerüst, das an der Bahnhofstraße errichtet worden ist, dient tatsächlich dazu, die denkmalgeschützte Fassade der Drei Höfe vor dem Einsturz zu bewahren.
Kommentar:

Ein einfaches und auch gutes Ende

Manchmal sind die schwierigsten Probleme mit ein bisschen guten Willen und einer ordentlichen Portion Durchhaltevermögen am Ende überraschend einfach zu lösen. Da hatte man sich fast 15 Jahre lang bemüht, für das zuletzt Forum genannte Kaufhaus Storg an der Bahnhofstraße eine sinnvolle Nutzung und damit eine Zukunft zu finden. Die Gier nach Geld, die Eitelkeiten so mancher Akteure und eine gewisse Fantasielosigkeit in den Planungen ließen schon ein schlimmes Ende für dieses stolze Denkmal erwarten. Bis die Bauart auf den Plan trat. Ein Unternehmen mit Amberger Wurzeln, das sich aus bescheidenen lokalen Anfängen zu einem Spezialisten auch für die schwierigen Fälle unter den Immobilien entwickelt hat. Und so wird in den kommenden zwei Jahren aus einem etwas abgeliebten ehemaligen Kaufhaus ein Hotel mit kleinen Läden und mit Gastronomie vom Keller bis zum Dach. Auch wenn man sich das in der Orgie aus Dreck, Staub und Lärm heute noch nicht vorstellen kann, Ende 2022 ist alles fertig. Dann werden sich die Amberger wundern, warum für diese geniale wie einfache Idee 15 Jahre ins Land ziehen mussten.

Andreas Ascherl

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