27.01.2021 - 15:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Neues Hotel für Amberger Altstadt: Im Bootshaus geht es jetzt richtig los

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Das vergangene Jahr war für Eva Bogner und Klaus Herdegen nicht nur wegen Corona ein sehr intensives. Gemeinsam haben Tochter und Vater aus einer Idee ein Projekt gemacht - ein neues Hotel samt Café in der Altstadt von Amberg.

Eva Bogner in den Räumen der ehemaligen Ballettschule Winter in der Schiffbrückgasse direkt an der Vils. Hier entsteht das Café und Hotel Bootshaus, das sie einmal leiten wird. Die 23-Jährige ist zu allen entschlossen und steckt voller kreativer Ideen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Die Rollen zwischen Vater Klaus Herdegen und Tochter Eva Bogner in Sachen Bootshaus sind klar verteilt. Er ist vor allem dafür zuständig, aus vier Einzelhäusern am Vilsufer mit der ehemaligen Ballettschule Winter als Mittelpunkt baulich das Bootshaus zu machen. Sie wird mit ihrem Team an jungen Leuten anschließend dafür sorgen, dass diese Mischung aus Hotel, Café und Event-Location zum Erfolg wird. Wer mit Eva Bogner und Klaus Herdegen redet, hat auch überhaupt keinen Zweifel daran, dass beides gut gelingen wird. "Aber es wird eine Mörderbaustelle", sagt Herdegen. "Ohne den Architekten Georg Zunner hätte ich das niemals gemacht."

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Traum-Häuschen ist Basis

Rückblick: Vor etwa 15 Jahren fing Klaus Herdegen, der in Ambergs Altstadt schon diverse alte Häuser saniert hat, an, einmal im Jahr die Eigentümerin des Hauses Schiffbrückgasse 11 anzurufen. Das seit Jahrzehnten leerstehende Häuschen an der Vils, in dem die benachbarte Ballettschule Winter ihren Fundus aufbewahrte, hatte es ihm angetan. Das wollte er sanieren und anschließend vermieten. Zehn Jahre versuchte er es vergeblich, dann gab die alte Dame nach und verkaufte. Doch dann passierte erst einmal gar nichts mehr, andere Projekte banden die Arbeitskraft des Lüdecke-Geschäftsführers.

Kleines Hotel mit 19 Zimmern

Irgendwann hätte er das Haus wohl tatsächlich angepackt, hätte Tochter Eva nicht inzwischen andere Pläne geschmiedet. Sie wollte nach ihrem Studium der Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaften in München unbedingt wieder heim nach Amberg kommen und hier etwas auf die Beine stellen. Vor zwei Jahren fing sie an, das Bootshaus zu planen. Eine Mischung aus einem Café, einem kleinen Hotel mit 19 Zimmern (17 Doppelzimmer, eine Suite und eine Ferienwohnung) und einem Treffpunkt, an dem sich Gäste und Amberger wohl fühlen können.

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Treffpunkt für die Menschen

"Mir ist gerade dieses Zusammenkommen wichtig", sagt Eva Bogner und sprudelt vor Ideen, was das Bootshaus einmal sein soll. Mit speziellen Plattformen über der Vils beispielsweise ein attraktiver Aufenthaltsort an einem der schönsten Plätze Ambergs. Direkt am Fluss, der über Jahrhunderte die Lebensader dieser Stadt gewesen ist. Wie wäre es mit einem Lauftreff, bei dem Einheimische die Gäste des Hauses einfach mitnehmen? Bootsfahrten auf der Vils werden ohnehin angeboten und die Gäste bekommen maßgeschneiderte Ausflugstipps für Amberg und Umgebung. Langfristig soll dann noch ein Inklusionskonzept dazu kommen - Zukunftsmusik im Moment.

"Aber das ist ohnehin eine Wette auf die Zukunft", sagt Klaus Herdegen, der in der Gegenwart für das Bauliche zuständig ist. Vier zum Teil uralte Häuser müssen im Innern zu einem verbunden werden. Draußen aber sollen sie alle ihre eigene Identität, ihr ganz individuelles Gesicht behalten. Herdegen kommt gar nicht richtig hinterher, wenn er aufzählen soll, welche Ämter und Behörden mit von der Partie sind, wie viele Genehmigungen und Gutachten einzuholen waren und sind. Vom Denkmalschutz über das Wasserwirtschaftsamt bis hin zur Stadt Amberg als Genehmigungsbehörde reicht die Palette. Nicht zu allen Zeiten lief dabei alles glatt. Jetzt, so kurz vor Baubeginn, sind alle Hindernisse beseitigt, der Blick geht auf die kommenden zwei Jahre, in denen hier so nach und nach das Bootshaus wachsen wird.

Das Gewerk ist ziemlich diffizil

"Wir müssen jetzt diese brachiale Baustelle bewältigen", zeigt Klaus Herdegen eisernen Optimismus. Die Amberger jedenfalls würden das Projekt, soweit es schon bekannt ist, sehr gut aufnehmen. "Wir hatten unheimlich viele Reaktionen und die waren alle sehr positiv", sagt Eva Bogner. Aber auch die Hausbank, ein nicht zu unterschätzender Faktor, habe das Vorhaben sehr gut unterstützt, ergänzt Klaus Herdegen. Der darüber hinaus ausdrücklich das Engagement des Baureferenten Markus Kühne lobt.

"Das letzte Jahr war mächtig", blickt Klaus Herdegen auf die Planungs- und Genehmigungsphase zurück. Doch ruhiger wird es erst einmal nicht. Denn das Gewerk ist diffizil, daran gibt es keinen Zweifel. Im Kern stammt die ehemalige Ballettschule Winter aus dem Jahr 1488, die anderen Gebäude sind deutlich jünger. Die Häuser stehen ohne richtiges Fundament im Dreck, die Ufermauer zur Vils hin muss dringend saniert werden, um ein Abrutschen der Gebäude zu verhindern. Als ob das nicht genug wäre, hat der Denkmalschutz zusätzlich seine durchaus berechtigten Wünsche und Anliegen.

Geheizt wird mit Fernwärme

So werden in einer ersten Phase nach einem ausgeklügelten Plan unzählige, elf Meter lang Mikrobohrpfähle in den Boden getrieben, um das Ufer zu befestigen und die Häuser zu unterfangen. Erst dann können die eigentlichen Umbau- und Sanierungsarbeiten beginnen. Dann kann aus vier ganz unterschiedlichen Häusern eine Einheit mit modernster Technik und Einrichtung gemacht werden. Für Eva Bogner und Klaus Herdegen selbstverständlich: Möglichst denkmalschonend und umweltfreundlich soll das alles passieren.

Geheizt wird später mal per Fernwärme aus dem gegenüberliegenden Kraftwerk unter dem Raseliushaus. Wer direkt an der Vils ein so großes Projekt hochzieht, muss für alles gewappnet sein. Was ist, wenn tatsächlich einmal wieder ein gewaltiges Hochwasser die Altstadt unter Wasser setzt? Dann wird das Bootshaus vorbereitet sein. Im Erdgeschoss dienen sogar Türen und Fenster als potenzielles Schott gegen die Fluten, die geplanten Plattformen über der Vils können innerhalb kürzester Zeit nach oben gezogen werden. "Es ist eine große Aufgabe - aber auch eine schöne", sagt Klaus Herdegen.

Eva Bogner hat viele Ideen

Tochter Eva lässt derweil keinen Zweifel daran, dass es das auch nach der Fertigstellung in zwei Jahren bleibt. Die dafür nötige Energie strahlt sie aus. "Ich weiß, dass ich das machen will", nimmt sie die Aufgabe an, die sie künftig wohl 365 Tage im Jahr beschäftigen wird. "Ich hab da schon so einige Ideen", ergänzt sie und genießt versonnen den Blick aus dem Fenster auf das Zeughaus und die Stadtbrille.

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In knapp zwei Jahren soll das Bootshaus fertig sein, Café, kleines Hotel und Treffpunkt für Amberger und ihre Gäste. Früher war hier die Ballettschule Winter.

 

 

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