26.02.2021 - 17:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Inzidenz über 100: Die Auswirkungen in Amberg und dem Landkreis

Verwirrung am Freitagmorgen: Das RKI zeigt für Amberg-Sulzbach eine Inzidenz von 326 an. Eine Meldepanne, wie bald bestätigt wird. Die Werte liegen in Amberg und dem Landkreis dennoch über 100. Mit Folgen – nicht nur für Schulen und Kitas.

Sie tritt wieder in Kraft: die Ausgangssperre. Außerdem gilt in der Amberger Innenstadt, zum Beispiel am Marktplatz, teilweise eine Maskenpflicht sowie ein Alkoholkonsumverbot. Auch Schulen und Kitas müssen wieder schließen. Denn Amberg und der Landkreis Amberg-Sulzbach haben bei der Sieben-Tages-Inzidenz den Schwellenwert von 100 überschritten.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Von Miriam Wittich und Andrea Mußemann

Die Sieben-Tages-Inzidenzwerte sind am Freitag zwar nicht so hoch, wie vom Robert-Koch-Institut (RKI) am Morgen aufgrund einer Datenpanne fälschlicherweise gemeldet, liegen in der Stadt Amberg und dem Landkreis aber trotzdem über der kritischen Schwelle von 100. In Amberg-Sulzbach ist der Wert im Vergleich zum Vortag (132,99) deutlich gestiegen und liegt laut RKI aktuell bei 163 (Stand: Freitag, 10 Uhr), in Amberg kletterte er von 101,9 auf 104,2. Auch wenn das in der Stadt nur eine minimale Überschreitung ist, müssen die Bürger nach den Vorgaben der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung mit deutlichen Einschränkungen rechnen, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus.

Mehr zur Meldepanne des Robert-Koch-Instituts

Deutschland und die Welt

Erneut Ausgangssperre

Ab Samstag, 0 Uhr, tritt die Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr wieder in Kraft – in der Stadt und im Landkreis. Zudem gelten in Amberg ganztägig ein Alkoholkonsumverbot sowie eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone und auf weiteren Plätzen, die in einer Grafik rot markiert wurden.

In den rot markierten Bereichen gilt ab Samstag in Amberg ein Alkoholkonsumverbot sowie eine Maskenpflicht.

Folgen haben die hohen Werte auch für den Betrieb von Schulen und Kindertageseinrichtungen. So gibt die Stadt Amberg am Freitag bekannt, dass in den Schulen mit Ausnahme der Abitur- und Abschlussklassen der beruflichen Schulen erneut nur noch Distanzunterricht stattfinden darf. Auch Angebote für die Tagesbetreuung von Kindern, Jugendlichen und Volljährigen sowie für die berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung in Präsenzform sind damit verboten. Gleiches gilt im Landkreis: „Ab Montag ist an den Grund- und Förderschulen sowie für die Abschlussklassen der Real- und Mittelschulen nur noch Distanzunterricht gestattet, in den Kindertageseinrichtungen ist nur eine Notbetreuung möglich“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Für die Abiturienten des HCA-Gymnasiums in Sulzbach-Rosenberg ändere sich vorerst nichts. Sie haben auch weiterhin Präsenz- beziehungsweise Wechselunterricht. Ähnliches gilt für Berufsschüler der Staatlichen Berufsschule in Sulzbach-Rosenberg, die zeitnah Prüfungen absolvieren müssen.

Eine Kindernotbetreuung sei dann möglich, wenn Eltern die Betreuung nicht gewährleisten können, vor allem, wenn sie selbst arbeiten müssen, wenn das Jugendamt eine Betreuung angeordnet hat, um das Kindeswohl sicherzustellen oder wenn Eltern einen Anspruch auf Hilfen zur Erziehung haben. Auch Kinder mit Behinderung haben einen Anspruch auf Notbetreuung.

Respekt für die Kinder

Amberg

Für Grundschulkinder sind die erneuten Schulschließungen bitter. Manche hatten aufgrund des Wechselunterrichts das Klassenzimmer nur zwei Tage von innen gesehen. Silke Kick, Schulleiterin der Max-Josef-Grundschule in Amberg, erlebte diese Woche hoch motivierte Kinder, die voller Freude waren, dass sie wieder in die Schule durften „Umso größer ist der Rückschlag, nun wieder zu Hause lernen zu müssen – für alle Beteiligten unserer Schulfamilie.“

Lage wird jeden Tag neu bewertet

Während das Verbot von Alkoholkonsum sowie die Maskenpflicht vorerst auf die Zeit bis 7. März befristet ist und die Ausgangssperre erst dann wieder aufgehoben wird, wenn die Sieben-Tages-Inzidenz an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unter 100 liegt, gilt dieser Wechsel für die Schulen und Tageseinrichtungen tagesaktuell. Das bedeutet, dass, sobald die Inzidenz den Wert von 100 wieder unterschreitet, eine Bekanntgabe in einem Sonderamtsblatt erfolgt.

Bei Oberbürgermeister Michael Cerny ist diese Handhabung, die für die Kommunen verpflichtend ist und keinen Spielraum zulässt, alles andere als bürgerfreundlich und in der Praxis für alle Beteiligten mit großem Aufwand verbunden. „Es kann nicht sein, dass der Ablauf in den Einrichtungen jeden Tag neu organisiert werden muss und die Eltern kaum noch auf dem Laufenden sind, ob die Schule oder die Kita am nächsten Tag geschlossen ist oder geöffnet werden kann“, zeigt er sich unzufrieden mit der Situation. Deshalb stehe er bereits in Kontakt mit der Regierung der Oberpfalz und habe auch darum gebeten, seine Kritik nach München weiterzuleiten. Die Bürger bittet Cerny um Verständnis für diese Maßnahme und hofft, dass schon bald praktikablere Lösungen gefunden werden.

„Es ist eine sehr bittere Entscheidung, die uns alles andere als leicht gefallen ist. Immerhin waren Schüler, Eltern, Lehrer und Erzieher zu Wochenbeginn fast schon euphorisch wegen der Rückkehr in die Schulen und Kindertageseinrichtungen“, sagt auch Landrat Richard Reisinger. „Aber die aktuellen Zahlen erlauben uns keine andere Entscheidung. Es geht um die Gesundheit und die hat zum Schutz aller Vorfahrt“, erklärt er die Entscheidung, die in Abstimmung mit der Führungsgruppe Katastrophenschutz getroffen wurde. „Wir werden die Situation jeden Tag neu bewerten.“

Ausbreitung der Virus-Mutationen

Unterdessen geht am Klinikum St. Marien die Reihentestung aller Mitarbeiter weiter. Dort gab es diese Woche eine Ansteckung innerhalb einer Station, die mitunter eine Rolle spielte beim rasanten Anstieg der Infektionen in der Region. Über die Hälfte des Klinikumspersonals ist mittlerweile getestet worden, um bestehende Erkrankungen zu erkennen und so eine mögliche Ausbreitung zu verhindern. Das Ergebnis ist schon mal gut: Am Freitag lagen diesbezüglich keine neuen Infektionen vor, erklärte Pressesprecherin Sandra Dietl auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

Mehrere Ansteckungen im Klinikum St. Marien

Amberg

Zurückzuführen seien die aktuell gestiegenen Coronazahlen laut Reisinger auch auf die Ausbreitung der deutlich ansteckenderen Virus-Mutationen. Er appelliert an die Bevölkerung, sich an die Regeln zu halten und Kontakte auf das absolut nötige Minimum zu reduzieren.

Wann die Schulen und Kindertagesstätten wieder zu Präsenzangeboten zurückkehren können, ist laut Landrat derzeit ungewiss. „Da lässt sich keine zuverlässige Prognose aufstellen.“

Zur besseren Orientierung wurde auf der Internetseite des Landkreises unter www.kreis-as.de eine Ampel installiert. Steht diese auf Grün, können Präsenz-/Wechselunterricht stattfinden und ist eine Kinderbetreuung in den Kindertagesstätten möglich. Rot bedeutet dagegen Distanzunterricht, nur Notbetreuung in den Kindertagesstätten sowie eine Ausgangssperre.

Lieferung von 2500 Impfdosen

Nächste Woche kommt eine neue Lieferung Impfstoff. „Wir erwarten rund 2500 Impfdosen, davon 1650 für Erstimpfungen“, berichten Reisinger und Cerny. Dabei handelt es sich laut BRK-Kreisgeschäftsführer Sebastian Schaller um 1500 Impfdosen von Biontech/Pfizer, weitere 100 Dosen von Moderna und weitere 880 Impfdosen von Astrazeneca.

„Es ist erfreulich, dass die Impfungen weiter voranschreiten können, und auch die Bereitschaft der Bevölkerung vorhanden ist“, kommentieren Landrat und Oberbürgermeister die Lage. So steigt die Zahl der Corona-Schutzimpfungen in der Region stetig an. Bis Wochenmitte haben 7919 Menschen ihre Erstimpfung erhalten, 4250 wurden bereits ein zweites Mal geimpft, heißt es in der Mitteilung des Landratsamtes.

Die Impfungen wurden in den Krankenhäusern in der Region, aber auch durch mobile Impfteams und in den Impfzentren Amberg und Sulzbach-Rosenberg vorgenommen. Wer sich impfen lassen möchte, kann sich online unter www.impfzentren.bayern oder telefonisch unter 09621/16229-7100 registrieren.

Nichts dran an den Gerüchten über eine Impftote in Amberg

Amberg
Hintergrund:

Die Folgen auf einen Blick

  • In Stadt und Landkreis gilt ab Samstag, 0 Uhr, Ausgangssperre zwischen 22 Uhr und 5 Uhr
  • Schulen und Kitas schließen ab Montag
  • In Amberg gilt ganztägiges Alkoholkonsumverbot sowie eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone und auf weiteren Plätzen (siehe Grafik)
Schock am frühen Freitagmorgen: Laut Angaben des RKI-Dashboards sollen die Corona-Zahlen massiv in die Höhe geschossen sein. Der Landkreis Amberg-Sulzbach stünde bei einer Inzidenz von 326. Auch in anderen Städten und Landkreisen erschienen die 7-Tage-Inzidenzen kurzzeitig doppelt so hoch. Das RKI bestätigte eine Datenpanne, ab 10 Uhr wurden die Zahlen wieder korrekt dargestellt.

https://www.kreis-as.de/Verwaltung-Politik/Aktuelles/Gesetze-Kreisamtsblatt/

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