19.09.2021 - 14:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Johannes Foitzik will für die SPD in den Bundestag

Johannes Foitzik will für die SPD als Direktkandidat in den Bundestag einziehen. Wer ist der Neumarkter, der in Amberg durch den Spruch "Politik mit Charakter" auf dem Wahlplakat auffällt? Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erklärt er es.

Johannes Foitzik (SPD) beim Redaktionsgespräch. Für den Wahlkreis Amberg-Sulzbach-Neumarkt will der Neumarkter, der aus dem Ruhrgebiet stammt, in den Bundestag einziehen.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

"Politik mit Charakter" steht auf dem Wahlplakat der SPD von Johannes Foitzik. Es ist kein Spruch, der zufällig gewählt ist. Für den Neumarkter ist das ein Lebensmotto. "Ich weiß, dass es provoziert. Fakt ist, dass wir immer mehr sehen, dass Politiker und Wähler voneinander abkoppeln. Das, was ich als charakterlos empfinde ist, dass man sich auf seine eigene Meinung versteift und behauptet, man wüsste das Richtige. Wo ist die Solidarität geblieben? Ich bin in einer Kumpel-Gesellschaft aufgewachsen. Wenn man einen gebraucht hat, rief man den Arbeitskollegen und der half. Das ging komplett verloren. Diesen Charakter möchte ich wieder sehen und bilden."

Wegen der CSU

Johannes Foitzik wuchs im Ruhrgebiet auf, lernte Schlosser und arbeitete im Schichtbetrieb. "Da war es selbstverständlich, auch gewerkschaftlich organisiert zu sein. Mein Umfeld war stark SPD-geprägt." Er machte den Techniker und wechselte die Firma. 1990 bekam er das Angebot, in die Oberpfalz zu gehen. "Ich habe das wahrgenommen und irgendwann festgestellt, die Verhältnisse in Neumarkt sind andere. Die CSU hat dort einfach durchregiert. Und dann habe ich über den Tellerrand hinaus geschaut und festgestellt: Die CSU hat die absolute Mehrheit auch auf dem Land. Da dachte ich mir schließlich: Das kann nicht sein." Er trat in die SPD ein.

Amberg lernte er von politischer Seite kennen und interessierte sich daraufhin auch für die Historie der Stadt, die er bis zu den Wittelsbachern verfolgte. Da sein Herz für die Stahlindustrie schlägt, fühlt er sich der Gegend sehr verbunden. "Im letzten Wahlkampf durfte ich das Rohrwerk besichtigen." Da habe er Gänsehaut bekommen. Er verwendet das Wort "Putenpelle". Der Lärm, der Geruch, das Dunkle habe ihn stark an seine Heimat erinnert. "Auf der einen Seite ist es unglaublich vertraut, auf der anderen Seite weiß ich: Diese Arbeit ist hart und ich bin froh, dass ich sie nicht mehr machen muss." Er fühle sich "ganz nah dran" an und diese Momente würden ihn "emotional greifen". Für die Zukunft sieht er in Amberg als Industriestandort beste Voraussetzungen. Aktuell sei die Stadt - wirtschaftlich gesehen - "im Dornröschenschlaf". Denn vor allem die räumliche Nähe zu Tschechien sei eine "Riesenchance".

In seiner Freizeit bewegt sich Foitzik gern im Wasser. Als seine Kinder groß geworden sind, hätten sich seine Frau und er wieder neu als Paar finden müssen. Ein gemeinsames Hobby habe Oberwasser bekommen: das Tauchen. Foitzik ist in seinem Element. Er berichtet von Tauchgängen in dunkle Tiefen, von den beeindruckenden Wracks, von "beklemmenden, dunklen, riesigen Löchern". Aber genauso gern wie über das Tauchen, redet er über die Firma Aptiv, wo er Vorgesetzter eines "kleinen, sehr schlagkräftigen Teams" ist. Der Abteilungsleiter für Entwicklung von elektrische Bordnetzsystemen für Nutzfahrzeuge und Medizintechnik bildet derzeit schon seinen Nachfolger aus - auch wenn die Bundestagswahl noch ein bisschen zu früh kommt. Foitzik: "Das größte Lob, das ich von meinen Chefs bekommen habe: Ich hätte als Vorgesetzter eine zu soziale Einstellung."

Was ihm Freiheit bedeutet

Was für ihn Freiheit bedeutet, führt ihn zu einem Beispiel ins Ausland. "Die Freiheit die wir genießen und haben, erfahren wir erst, wenn wir in Länder kommen wo es sie nicht gibt. Ich habe Kollegen in Polen, wenn wir in der Kneipe sitzen und über die Regierung diskutieren, gucken sich die um. So etwas gibt es bei uns nicht. Daran sehe ich wieviel Freiheit wir eigentlich haben." Seine persönliche Freiheit sei ein Miteinander. "Das Geschrei von den Querdenkern, denen es um ihre persönliche Freiheit geht, und die nicht darauf achten, welche gesellschaftlichen Gruppen sie mit ihren Forderungen ausgrenzen, indem sie ihre Freiheit zulasten der anderen einfordern, das ist für mich sehr schwer nachzuvollziehen. Das ist nicht meine Welt."

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"Das Geschrei von den Querdenkern, denen es um ihre persönliche Freiheit geht, und die nicht darauf achten, welche gesellschaftlichen Gruppen sie mit ihren Forderungen ausgrenzen, indem sie ihre Freiheit zulasten der anderen einfordern, das ist für mich sehr schwer nachzuvollziehen."

Johannes Foitzik (SPD)

Johannes Foitzik (SPD)

Info:
  • Geboren 1960 in Mettingen (NRW), aufgewachsen in Bochum
  • Lebensmittelpunkt: Neumarkt in der Oberpfalz; verheiratet, zwei erwachsene Söhne.
  • SPD- Kreisvorsitzender LK Neumarkt
  • Nach Grund- und Hauptschule Berufsfachschule für Metallberufe, Abschluss mit Fachoberschulreife und
    Ausbildung zum Maschinenschlosser bei den Friedrich Krupp Hüttenwerken
  • Nach Grundwehrdienst berufsbegleitende Staatliche Technikerschule Bochum
  • seit 1990 tätig für den Automobilzulieferer Aptiv, mittlerweile Abteilungsleiter für Entwicklung von elektrische Bordnetzsystemen für Nutzfahrzeuge / Medizintechnik

 

 

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