14.07.2021 - 17:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Kindertheater in Amberg: "Das war cool"

Gesang, Musik, Malen, Schatten- und Schauspiel: Das Kindertheater im Fraunhofer zieht beim Kindertheaterfestival in Amberg alle Register. Und packt den Kindern am Ende sogar noch das gerade erlebte Theaterstück zum Mitnehmen ein.

Bei Renate Groß (links) und Zuzana Erby vom Kindertheater im Fraunhofer kommt "Das Krokodil aus dem Koffer". Letzterer ist hier das gerade weit geöffnete Maul des kleinen Krokodils, dem am Mittwoch beim Kindertheaterfestival die Bühne im Stadttheater Amberg gehörte.
von Heike Unger Kontakt Profil

Bunt wird es am dritten Tag des Kindertheaterfestivals im Stadttheater Amberg. Renate Groß und Zuzana Erby vom Kindertheater im Fraunhofer München bringen nicht nur mit ihren Outfits Farbe auf die Bühne, sondern das Gelb, Rot, Blau und Grün auch mit dem Pinsel aufs aufgespannte Papier. Sie erzählen die Geschichte "Das Krokodil aus dem Koffer" aber nicht nur in gemalten Bildern, sondern nutzen verschiedene Formen der Theaterkunst: Gesang, Musik, Schau- und Schattenspiel. Schräge Töne gibt es auch. Und natürlich Koffer.

Eine echte Lieblingsgeschichte hat Renate Groß da entdeckt: Aus der Wegwerfkiste eines Mütter-Ladens hat sie einst das Janosch-Bilderbuch "Komm nach Iglau Krokodil" gerettet – "eine Originalausgabe von 1971", erzählt sie nach ihrem Auftritt in Amberg. "Das Buch war dann immer dabei", wenn die Theatermacherin mit ihren Kindern unterwegs war. Die Kinder sind inzwischen groß, die Geschichte begleitet ihre Mutter aber immer noch: Sie gehört zum Repertoire des Kindertheaters im Fraunhofer, in dem Renate Groß eines von vier Gründungsmitgliedern ist. Die Schauspiel-Truppe wollte die Krokodil-Geschichte unbedingt auf die Bühne bringen – allerdings nicht mit den Janosch-Bildern, sondern mit ihren eigenen. Der Kinderbuch-Autor war einverstanden, seither geht "Das Krokodil aus dem Koffer" mit der Fraunhofer-Truppe auf Tournee.

Theater zum Mitnehmen

In Amberg begeistert das kleine Krokodil in der zweiten von drei Vorstellungen am Mittwoch im Stadttheater drei Kindergarten-Gruppen. Eine von ihnen, diesmal aus dem Kindergarten St. Nikolaus Theuern, darf nach der Aufführung noch mit den Akteuren sprechen: Sie ist eine von acht Jury-Gruppen, die die Vormittags-Vorstellungen bewerten, um am Ende der Woche den Sieger des Kindertheaterfestivals zu küren. Die Jury fragt eigentlich immer viel. Heute nicht. Stattdessen marschiert der kleine Marcel nach vorn zur Bühne, um sein Lob direkt bei Renate Groß und Zuzana Erby abzuliefern: "Das war cool", sagt er zu den beiden Frauen, die sich über dieses Urteil riesig freuen. Besonders gut gefiel den Kindern das Iglau-Lied. Ein echter Ohrwurm, den sie mit nach Hause nehmen. Genauso wie die gerade auf der Bühne miterlebte Geschichte: Groß und Erby schenken den begeisterten Kindern das große Bild, das in der Vorstellung entstanden ist.

Das Kindertheater im Fraunhofer bringt nicht nur Malfarben, sondern auch als Team eine bunte Mischung auf die Bühne – aus seinen Heimatländern oder durch Auslandsaufenthalte fließen unter anderem die slowakische Puppenspielkunst oder die italienische Commedia dell’arte ein. "Wir sind alle auf verschiedenen Gleisen unterwegs", so fasst es Groß zusammen. Das gilt auch für das Geschehen auf der Bühne, wo die Theatermacher stets verschiedene Formen mischen – so gesellt sich beispielsweise beim "Krokodil" zum Schauspiel auch Malerei, Gesang, Schattenspiel und das Spiel mit Objekten wie den Koffern. Die Theatermacher entwickeln für ihre Inszenierungen "eine eigene Sprache in Poetik und Ausdruck", wie Groß sagt.

Corona-Lücken kreativ genutzt

Dass sie bislang vor allem für Drei- bis Achtjährige gespielt haben, hänge vermutlich "auch mit unseren eigenen Kindern zusammen", meint Groß. Nicht nur die sind aber inzwischen älter geworden: Das Fraunhofer hatte am Montag gerade Premiere mit seinem ganz neuen Stück "Kubik" für Heranwachsende ab zwölf Jahren. Entstanden ist es in den zurückliegenden Lockdown-Monaten, in denen die Truppe sich von Corona nicht ausbremsen ließ: "Wir haben gestreamt", erzählt Renate Groß und gerät dabei fast ein wenig ins Schwärmen: Gute Kontakte brachten sie mit optimalen Spielstätten und perfekter Technik zusammen, durch die sie trotz aller Beschränkungen weiterarbeiten und inspirierende neue Wege einschlagen konnten.

"Nach dem ersten Schock waren wir sehr produktiv", bilanziert Groß. "Wir haben einfach versucht, in jede Lücke zu gehen", die Corona der Kultur gelassen habe. Für die Fraunhofer-Truppe bot dies sogar neue Chancen. Etwa, weil viele Häusern, in denen sie sonst vielleicht nie aufgetreten wären, ihnen, weil sie nicht öffnen durften, gerne die Möglichkeit gaben, ihre Stücke dort zu entwickeln und ins Internet zu streamen. Die Schauspieler haben die Corona-Zeit auch genutzt, um dazuzulernen und neue Technik in ihre Produktionen einzubauen. "Es gibt jetzt sogar Zoom in unserem neuen Stück", berichtet Renate Groß und staunt immer noch ein bisschen über sich und ihre Kollegen: "Man traut sich plötzlich mehr." Ein Ergebnis ist "eine intermediale Performance für Heranwachsende", das neue Stück "Kubik". Die große Herausforderung sei nun, die Technik so zurückzubauen, dass das Kindertheater damit jetzt, wo es die Pandemie wieder zulässt, wieder auf Tournee gehen kann. Die riesige LED-Wand, die sie beim Streaming-Auftritt im Literaturhaus München nutzen konnten, kann da nämlich nicht dabei sein.

Das Amberger Kindertheaterfestival zieht ins Stadttheater

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Das grüne Holzgestell ist eigentlich auch ein Koffer. Oder das Haus des Zoodirektors. Oder das Zuhause des kleinen Krokodils.
Renate Groß (links) und Zuzana Ebry vom Kindertheater im Fraunhofer München.

 

 

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