03.01.2020 - 15:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Die "Konsorten" von der IG Menschengerechten Stadt haben noch viel vor

Als "Hüttner und Konsorten" hat der damalige CSU-Kreisvorsitzende Stefan Ott 2017 die IG Menschengerechte Stadt bezeichnet. Das ärgert Achim Hüttner. Quasi als Antwort präsentiert der Vorsitzende eine nahezu makellose "Erfolgsbilanz".

Die Phantasie beflügeln und uns ins Staunen versetzen, das will die IG Menschengerechte Stadt nach Aussage ihrer beiden Vorsitzenden Achim Hüttner (links) und Hans Märten (rechts). Der Erfolg der Gruppierung spricht bisher für diese These.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

An sich könnten sie zufrieden sein und sich bequem zurücklehnen, sagen die beiden Vorsitzenden der IG Menschengerechte Stadt, Achim Hüttner und Hans Märten, im Gespräch mit der Amberger Zeitung. Fast alles, was die IG sich vorgenommen habe, sei erreicht worden, nur noch der "Monster-Bau" auf dem Spitalgelände - also das Projekt der Firma Ten Brinke dort - sei noch offen. "Aber wenn die IG nicht gewesen wäre, wer weiß, was heute wäre", sagt Hans Märten. "Wir haben die Stadt vor einigem Blödsinn bewahrt."

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Erfolgsgeschichte Nummer eins: die Schiffgasse. "Wir haben gegen den anfänglichen Widerstand der Stadtratsmehrheit eine Verkehrsberuhigung erreicht", geht Achim Hüttner ein paar Jahre zurück. "Das war damals ja tot da hinten", gibt Hans Märten den Vorwurf zurück, welcher der IG lange gemacht wurde: Nämlich, dass das Aussperren der Autos entlang der Vils zu einem Tiefschlaf der Schiffgasse geführt habe. "Dort sind immer sehr viele Fußgänger und Radfahrer unterwegs", fasst Achim Hüttner die Beobachtungen aus dem Vilskiosk zusammen, den die IG eine Zeitlang im alten Stadtarchiv betrieben hat.

Jetzt folge der konsequente zweite Schritt. Im ehemaligen Archiv siedle sich nun eine professionelle Gastronomie an. Hoffentlich mit Außenbestuhlung an einem der sonnigsten Plätze in der Altstadt und eventuell einem Ponton im Fluss. Und gegenüber, auf der anderen Vilsseite, entstehe in der alten Tanzschule ebenfalls etwas Neues in Sachen Gastronomie. "Die sollen doch ein paar bunte Kähne in den Fluss hängen und eventuell vermieten", macht Achim Hüttner einen weiteren Vorschlag zur Belebung der Schiffgasse.

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Erfolgsgeschichte Nummer zwei: Das ehemalige Kaufhaus Storg und Forum, die Neue Münze in der Bahnhofstraße. "Auch hier hatten wir die Mehrheit des Stadtrats gegen uns", erinnert sich Achim Hüttner. Ziel der IG Menschengerechte Stadt war es, den Teilabriss des alten Storg samt einiger Fassaden zu verhindern. "Nicht denkmalgeschützt, mangelnde Deckenhöhen und nicht mehr vorhandene Statikberechnungen machen eine Entkernung und Sanierung unmöglich" seien die Argumente gewesen. "Jetzt ist ein Investor aufgetreten, der all das widerlegt und eine Variante verwirklicht, wie wir sie monatelang an Infoständen angeregt haben."

Zu viele ungelöste Probleme

Nein, Triumph empfinde er keinen, sagt Hans Märten im Angesicht der bald beginnenden Sanierung des alten Storg, der bald Drei Höfe heißen und ein Hotel sowie kleinteiligen Handel und Gastronomie beherbergen soll. Er sei nicht der Typ dazu, zu viele ungelöste Probleme in der Altstadt und darüber hinaus seien noch anzupacken. "Hier geht es ja nur um Auto, Auto, Auto, Parken, Parken, Parken", sagt Märten und freut sich darüber, dass Ministerpräsident Markus Söder - immerhin ein CSU-Mann - die Kommunen aufgefordert habe, die Städte künftig grüner und weniger autogerecht zu planen.

Drei Höfe als großer Erfolg

Für ihn auch eine Aufforderung, den "Monster-Bau" auf dem Spitalgelände, wie er ihn nennt, sein zu lassen. Ja, ein Park wäre hier ideal, bekennt er sich zum vollständigen Verzicht auf eine Bebauung. Künftige Generationen würden es den heutigen Stadtplanern wahrscheinlich danken, wenn sie einen schattigen Park inmitten einer immer heißer werdenden Stadt finden könnten, so sagt er. Und wenn eine Bebauung dort, so ergänzt Achim Hüttner, dann nur eine kleinteilige, keine monströse. "Die von uns angestrebte Normenkontrollklage gegen den geplanten Monster-Bau läuft noch."

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Damit kommt er auch gleich zur Erfolgsgeschichte Nummer drei für die IG: Der angekündigte Verzicht auf eine Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße. Ein bisschen Glück habe man da schon gehabt, das gibt Achim Hüttner zu. Die Tatsache, dass die Bauart bei der Neugestaltung der Drei Höfe deren Tiefgarage über die Obere Nabburger Straße erschließe, sei ein Punkt. Das geologische Gutachten, das eine zweigeschossige Tiefgarage auf dem Spitalgelände unmöglich mache, ein anderer.

Rund 160 Mitglieder

Rund 160 Mitglieder hat die IG Menschengerechte Stadt inzwischen. Abheben wollen die Vorsitzenden deswegen aber nicht. Es sei noch viel zu tun. "Wir haben den ökologischen Städtebau als Ziel", gibt Hans Märten als künftige Richtung vor. Und irgendwann, so ergänzt Achim Hüttner, sei vielleicht so viel erreicht, dass man die IG Menschengerechte Stadt nicht mehr benötige. Hintergrund

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Info:

Wertvoller Platz wird für Autos vergeudet

„Es gibt so viel wertvollen Platz in der Altstadt, der für Autos vergeudet wird“, sagt Hans Märten. Der zweite Vorsitzende der IG Menschengerechten Stadt wohnt selbst an einem solchen Ort – am Paradeplatz, der mit seinen kleinen Akazien-Bäumen zu den schönsten überhaupt in Amberg gehört. Theoretisch zumindest. Denn Märten ärgert sich, dass er praktisch immer zugeparkt ist. Dabei wäre es gerade hier so einfach, sagt Achim Hüttner der Vorsitzende. Die Tiefgarage am Pfalzgrafenring sei noch nicht einmal 100 Meter entfernt und die meiste Zeit stehe sie halb leer. Mit einem entsprechenden Angebot an die Anwohner könne man zumindest die dazu bringen, ihre Autos dort abzustellen und nicht auf dem Platz.

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