20.09.2021 - 15:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Leopoldkaserne vor attraktiver Entwicklung

Die Stadt Amberg würde die seit Jahren leer stehende Leopoldkaserne gerne kaufen. Doch so einfach geht das anscheinend nicht. Denn ohne Vorplanung ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) nicht bereit, einen Kaufpreis zu nennen.

Bild: Wolfgang Steinbacher Über die Leopoldkaserne wächst langsam Gras.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Die eine, die Stadt Amberg, würde nach dem Ende der Träume, hier eine Ausbildungsstelle für den Zoll zu schaffen, gerne das Areal am Bergsteig mit der leer stehenden Leopoldkaserne darauf kaufen. Die andere, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), ist bereit, das rund 10,7 Hektar große Gelände abzugeben. Um aber einen konkreten Kaufpreis nennen zu können, fordert die Bima jetzt von der Stadt ein Konzept, wie die Nachfolgenutzung der Leopoldkaserne aussehen könnte. Dieses hat Baureferent Markus Kühne jetzt dem Bauausschuss vorgelegt. Und dafür sehr viel Anerkennung geerntet.

Es ist tatsächlich nur ein erster Entwurf, wie Markus Kühne betonte – doch schon der kam bei den Stadträten sehr gut an. "Die Bima will ein feineres Konzept haben, bevor sie uns das Gelände verkauft", erläuterte Kühne die Hintergründe. Herausgekommen sei eine Mischung aus Dienstleistung und Wohnen, wie der Baureferent sagte. "Ich wollte Wohnen und Arbeiten auf diese Weise zusammenführen."

Denkmalgeschützte Bauten

Eine Herausforderung war es, die zum großen Teil denkmalgeschützten Bauten der Kaserne möglichst substanzschonend in ihre neue Nutzung umzuwidmen. "Außerdem gibt es hier große Flächen, die heute versiegelt sind." Probleme machten Markus Kühne unter anderem die einst als Pferdeställe und später als Fahrzeuggaragen genutzten Schlepphallen. "Die Frage war, wie man hier eine wertige Nutzung herbeiführen kann." Alle diese Aufgabenstellungen hat Kühne nach Auffassung des Bauausschusses mit Bravour gelöst. Mit zusätzlich rund 60 Sozialwohnungen auf dem Gelände konnte Kühne zudem eine alte Forderung der SPD-Fraktion aufgreifen.

Nach den Vorstellungen von Kühne könnte in den Bereichen direkt an der Leopoldstraße eine Mischung aus Dienstleistung (zur Straße hin) und Wohnen (zum grünen Innenhof) Einzug halten. Das ehemalige Unteroffiziersheim würde sich hervorragend für weitere Dienstleistungsbetriebe eignen, das innen wunderschöne Offiziersheim an der ehemaligen Wache hingegen als Gastronomiebetrieb. Hier wäre auch der Bereich für einen Kindergarten. Aber auch die Jugend ist im Konzept von Markus Kühne mit eigenen Räumen vertreten, ebenso die Kreativwirtschaft, Kunst und Kultur.

Auch 60 Sozialwohnungen

Wo der denkmalgeschützte Turm der Kaserne steht, platziert der Baureferent rund 60 soziale Wohneinheiten, der Bereich könnte bei Bedarf um 30 weitere Wohnungen erweitert werden. In die heute ungenutzten Schlepphallen will Kühne Einfamilienhäuser hinein bauen, samt Carport, kleinem Garten und Anbau, um so eine Art privaten Innenhof zu schaffen. Ähnlich funktioniert das bei den 32 kleinen L-Häusern im hinteren Bereich, die es auch "normalen" Menschen möglich machen sollen, ihr Eigenheim zu bauen. "Denn wir sind inzwischen bei 750.000 Euro Baukosten für ein Haus angekommen", sagte Oberbürgermeister Michael Cerny. "Das kann sich doch ein Normalverdiener gar nicht mehr leisten."

Verkehr soll draußen bleiben

Wichtig war es Markus Kühne, möglichst wenig Fahrverkehr auf das Gelände zu lassen. Pro Wohneinheit gibt es nur einen Stellplatz, die restlichen Autos müssen in einem Parkhaus an der Leopoldstraße bei der Wache abgestellt werden. "Wir wollten möglichst wenig Erschließung und möglichst viel Entsiegelung", so Kühne. Noch ist das eine rein fiktive Planung, wie Oberbürgermeister Michael Cerny im Anschluss sagte. Einfach, um der Bima die geforderten Unterlagen nachweisen zu können. Doch verkauft der Bund das Gelände an die Stadt, könnte aus den Skizzen Kühnes sehr schnell Realität werden.

Aber wie schaut es denn grundsätzlich mal aus mit den Hinterlassenschaften aus der knapp 100-jährigen Nutzung als Kaserne? Das wollte Veronika Niklaus (FW) wissen. Das Gelände werde natürlich auf Altlasten hin untersucht, sagte OB Michael Cerny. Zur Sicherheit werde man auch noch eigne Untersuchungen anstellen. Doch grundsätzlich gelte: "Der Verkäufer haftet bis in Höhe des Verkaufspreises für Altlasten."

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Freilich, noch ist es ein erster Entwurf für die künftige Nutzung der Leopoldkaserne, um die Bima auf Spur zu bringen, wohin die Reise gehen könnte. Denn der derzeitige Eigentümer der Kaserne, der Bund, will ein Konzept sehen, bevor er einen Kaufpreis für das Areal nennt. Doch schon im Grundgerüst, das der Baureferent jetzt vorgelegt hat, ist zu erkennen, dass hier Leben und Arbeiten wieder näher zusammenrücken sollen. Corona hat uns allen gezeigt, dass das Home-Office durchaus ein Teil unseres Erwerbslebens abdecken kann. Von daher liegt es nah, die beiden Elemente zu verzahnen. Gut ist es auch, dass es kein Wohngebiet nur für wohlhabende Menschen werden soll. Der soziale Wohnungsbau findet hier ebenso Berücksichtigung, wie es Platz gibt für kleine Häuser zu erschwinglichen Preisen. Aber auch betuchtere Leute können sich einkaufen. Eine gesunde Mischung also aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Dafür gab es zu Recht ein dickes Kompliment vom Bauausschuss für den Referenten. Sollte die Bima der Stadt den Zuschlag geben, ist aber noch viel zu tun und zu planen. Wie sieht es beispielsweise mit einer attraktiven Fahrradanbindung aus? Besteht gar die Möglichkeit, einen zusätzlichen Bahnhalt hier einzurichten, um eine Art S-Bahn zur Innenstadt zu bekommen? Der Phantasie sind wieder einmal keine Grenzen gesetzt, man muss sie nur einsetzen.

Andreas Ascherl

"Wir wollten möglichst wenig Erschließung und möglichst viel Entsiegelung."

Baureferent Markus Kühne

 

 

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