27.02.2020 - 17:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Mobilität der Zukunft in Amberg: Von Smart-City bis Carsharing

Natürlich war auch die Vision vom unterirdischen Amberger Bahnhof ein Thema. Bei der Podiumsdiskussion der AZ und der Wirtschaftsjunioren mit den OB-Kandidaten ging es auch um die Mobilität. Dazu gehört aber nicht nur die Bahn.

Radler und Autos, gleichberechtigt nebeneinander auf dem Altstadt-Ring: Momentan geht das nur bei den Radler-Demos „Critical Mass“ (Archivbild). Die gerechte Aufteilung des vorhandenen, begrenzten Platzes unter allen Verkehrsteilnehmern war ein Thema bei der Podiumsdiskussion von AZ und Wirtschaftsjunioren mit den Amberger OB-Kandidaten.
von Heike Unger Kontakt Profil

Darauf, dass es bei der Mobilität der Zukunft um ein Miteinander aller Verkehrsteilnehmer geht, konnten sich die vier Politiker auf dem Podium im Ringtheater einigen. Im Detail gab es aber durchaus unterschiedliche Schwerpunkte.

Die Podiumsdiskussion der Amberger OB-Kandidaten

Amberg

Oberbürgermeister Michael Cerny etwa will das in der Klimaschutz-Debatte oft geschmähte Auto nicht aus dem Stadtbild verbannen: "Wir brauchen Mobilität."

Natürlich könne man in der Stadt viele Strecken auch mit dem Rad zurücklegen. Aber: "Wir sind in einer Kernstadt mit einer Region außen rum, von der wir hoffen, dass sie zu uns in die Stadt reinkommt." Dabei müsse man zugeben, dass "im ländlichen Raum individuelle Mobilität heute nach wie vor das Auto" sei. Angesichts des zunehmenden Verkehrs "müssen wir uns was überlegen". Das gehe "in erster Linie in Richtung ÖPNV". Ein Ziel sei die Smart-City, also ein möglichst effizienter Verkehr, der per App den besten Weg eröffnet: Wer beispielsweise im Wirtshaus sitze und nach Hause wolle, könne ein Taxi rufen - oder über die App sehen, dass in einer halben Stunde auch ein Bus fahre. "Dann würde ich in einer halben Stunde fahren und noch ein Bier trinken."

Nachholbedarf beim Rad

SPD-Kandidatin Birgit Fruth ist es bei all dem "ganz wichtig", Fußgänger, Rad und Autofahrer nicht gegeneinander auszuspielen. "Jeder hat da sein Recht. Und für alle müssen wir wirklich Lösungen finden." Sofort anpacken, weil "wir da einen Riesennachholbedarf haben", müsse man aber bei den Radlern. "Da hätten wir eigentlich schon viel weiter sein können", kritisierte sie. Natürlich müsse auch der ÖPNV ausgebaut werden. "Der muss attraktiv gemacht werden, vielleicht auch mit kleineren Bussen." Damit verwies Fruth auf die SPD-Idee des Elektrobusses durch die Altstadt, "den jetzt übrigens auch die CSU-Senioren gut finden: Super, dass die da mit uns an einem Strang ziehen." Klar müsse aber auch sein, "dass wir den ÖPNV nicht in jede Ecke hinbringen". In der Fläche könne man "den Individualverkehr nicht ad acta" legen.

Info:

Zitate

„Wir haben keinen Park- and Ride-Parkplatz. Und das für ein Oberzentrum.“

Birgit Fruth zu einem der Amberger Bahn-Probleme

„Das klassische Beispiel ist mein Mann: Der ist Pendler nach Regensburg, der würde auch mal mit dem Zug fahren. Bloß da hat er schon das Problem, wenn er von Krumbach in die Stadt reinfährt, wo stellt er das Auto hin? Der erste Citybus in der Früh in Krumbach fährt um 9.30 Uhr. Da muss er schon lang im Büro sein.“

Birgit Fruth

„Ganz ehrlich: Ich bin Radfahrer. Und vielleicht vergessen alle, wenn das Auto Schritttempo fahren muss, dann muss ich das als Radfahrer auch tun. Und ich hab’ ehrlich gesagt überhaupt keine Lust, durch die ganze Altstadt im Schritttempo zu fahren.“

Der Radfahrer Michael Cerny hält nichts von einer verkehrsberuhigten Altstadt

„Wir müssen den vorhandenen Verkehrsraum gerecht aufteilen (...). Was natürlich vielleicht auch bedeutet, dass die Autofahrer ein bissl raus müssen aus der Komfortzone.“

Hans-Jürgen Bumes

„Wenn man sich mal überlegt, dass ein Verkehrsminister Scheuer (...) die Bahn plötzlich toll findet! Das ist ein Wahnsinn. Das ist ein Paradigmenwechsel. Der setzt sich in die Bundespressekonferenz und sagt plötzlich: 80 Milliarden investieren wir jetzt – und da kommen wir ins Spiel –, dass die Infrastruktur der Bahn ausgebaut wird.“

Franz Badura sieht Chancen für seine Vision der durchgehenden Bahn-Unterführung.

„In Amberg haben wir eben manchmal dieses Stückwerk, da hört der Radweg auf der einen Seite auf, dann geht er auf der anderen weiter. Oder er endet im Nirvana.“

Hans-Jürgen Bumes

„Die Unterführungen kommen aus einer Zeit, in der man mit Pferdekutschen unterwegs war.“

Franz Badura

365-Euro-Ticket für alle

ÖDP-Kandidat Franz Badura betonte mit Blick auf das beschlossene 365-Euro-Ticket für den ÖPNV: "Das wird uns Geld kosten, aber wenn wir den ÖPNV stärken wollen, dann müssen wir dafür Geld in die Hand nehmen." Und zwar nicht nur für die Jugend, "sondern für alle. Einzelfahrten sind zu teuer und deshalb ist das nicht attraktiv."

Das 365-Euro-Ticket in Amberg

Amberg

Badura sprach auch seine Idee einer kompletten Bahn-Untertunnelung Ambergs an. Grünen-Kandidat Hans-Jürgen Bumes pochte darauf, am Pflegerkreuz die Situation für Radler zu verbessern. "Da haben wir noch gar nix geregelt", sondern "wieder nur für Autos geplant".

Die Idee vom Bahntunnel für Amberg

Amberg
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Im Blickpunkt

Zur Mobilität der Zukunft merkte OB Michael Cerny an: „Alle Fachleute sagen: An erster Stelle den ÖPNV stärken. Der erreicht auch das Umland, der fährt auch im Winter und der fährt auch, wenn’s regnet.“ Durch besseren ÖPNV könne man die meisten Menschen dazu bewegen, „dauerhaft umsteigen“. Deswegen müsse die „Zielrichtung Nummer eins“ auch lauten: ÖPNV stärken. Zielrichtung Nummer zwei sei das Fahrrad. „80 bis 90 Prozent aller neu verkauften Fahrräder sind E-Bikes“, verwies Cerny auf einen Trend. Mit den E-Antrieben könnten Radler heute „ganz andere Strecken“ meistern, sagte Cerny. „Ich hab’ selbst ein Pendler-Rad. Da kannst du eine Strecke von acht Kilometern problemlos auch bei normalem Wetter fahren. Ich fahre 90 Prozent mit dem Fahrrad, und das funktioniert prima.“ Wenn man die Menschen dazu bringe, mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zu fahren, „dann kriegen wir vielleicht eine Reduktion im Straßenverkehr und dann kriegen wir auch dieses Miteinander hin“.

Moderator Andreas Ascherl brachte das Carsharing ins Spiel. Einige Hände von Nutzern, die im Saal hochgingen, zeigten: Das ist ein Thema in Amberg. OB Cerny gab zu, dass ihn das überrascht hat. Aufgrund der großen Resonanz sei aber klar, "dass wir das Angebot ausweiten".

E-Car-Sharing in Amberg

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Hintergrund

Hans-Jürgen Bumes (Grüne) machte den Schwenk vom Verkehr zum Klimaschutz. Angesichts der Zunahme des Verkehrs um 18 Prozent in den vergangenen zehn Jahren meinte er: „Mit 18 Prozent mehr CO2-Ausstoß werden wir unsere Einsparziele mit Sicherheit nicht erreichen.“ Moderator Andreas Ascherl verwies auf den Klimaschutzbericht – „der sagt, dass die ganzen CO2-Einsparungen durch den Verkehr wieder ausgeglichen worden sind, also dass eigentlich nix eingespart wurde in der Stadt Amberg“. OB Michael Cerny sagte, hier gehe es um Hochrechnungen, die auf den Zulassungszahlen basieren. „Das heißt, wir werden in dieser Statistik CO2-mäßig nur weniger haben, wenn die Leute ihre Autos abmelden.“

Birgit Fruth merkte an, dass Mobilität auch ein Thema für "die große Politik" sei, denn es funktioniere nur mit der Bahn - und mit den entsprechenden Netzen.

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