18.06.2020 - 15:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Raser-Ranking: Amberg fast ganz oben

Amberg hat es in einem Ranking fast nach oben geschafft. Der Anlass ist nicht erfreulich: Der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit hat eine Liste der Top-5-Verstöße erstellt. Ein Amberger Raser wird mit 139 km/h in Zone 50 geblitzt.

Der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz (ZV KVS) hat in Amberg eine teilstationäre Blitzeranlage getestet. Künftig kann das Gerät namens "Beppi" eingesetzt werden.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Wer schnell unterwegs ist, übersieht gerne die Schilder mit Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ob mit Absicht oder aus Versehen der Druck auf das Gaspedal zu kräftig ausfällt, sicher ist: Manchmal werden die Verkehrssünder erwischt. In Amberg übernimmt diese Aufgabe der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz. Vor fünf Jahren gegründet, hat der Verband seitdem eine "start-up-ähnliche Entwicklung" durchlaufen, schwärmte Geschäftsführerin Sandra Schmidt bei der Vollversammlung im Amberger Kongresszentrum. Rund 80 Mitgliedsgemeinden sind mittlerweile dabei. Die Bürgermeister aus den Landkreisen Amberg-Sulzbach, Cham, Neumarkt i.d.Opf., Neustadt a.d. Waldnaab, Schwandorf, Tirschenreuth oder Regensburg wählten zudem am Donnerstag einen Verbandsvorsitzenden: Erneut wurde Ambergs OB Michael Cerny das Vertrauen ausgesprochen.

In der Emailfabrikstraße 13 in Amberg ist auch die Geschäftsstelle des Zweckverbands Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz zuhause. Von dort werden die rund 70 Mitarbeiter delegiert: 14 000 Stunden Überwachung des ruhenden und 10 480 Stunden Überwachung des fließenden Verkehrs gehörten beispielsweise 2019 zu ihren Aufgaben. 13 neue Städte und Gemeinden hatten sich im vergangenen Jahr angeschlossen. "In Zeiteinheiten ausgedrückt bedeutet das für uns einen Zuwachs um knapp 11 000 Überwachungsstunden im Vergleich zum Vorjahr", sagte Schmidt. Wo viel überwacht wird, kann man unter Umständen auch mehr Geschwindigkeitsverstöße ahnden. Insgesamt erfasste der Verband 188 729 Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr. Das ist eine Steigerung von 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aus den Verstößen wurde ein Ranking der Top 5 generiert. Amberg findet sich darin gleich zweimal. Angeführt wird die Liste von einem Autofahrer, der in Bruck 104 km/h zu schnell unterwegs war. Auf Platz zwei katapultierte sich ein Raser, der mit 139 km/h in der Sulzbacher Straße auf Höhe Luitpoldhütte in Amberg 89 km/h zu schnell war. Auf den fünften Platz kurvte ein Amberger auf der B85, Höhe Sechserstraße (112 km/h bei erlaubten 50 km/h). "Regelmäßige Tempokontrollen senken die Anzahl der Geschwindigkeitsverstöße deutlich und dauerhaft", sagte Schmidt. Zum Beispiel in der Raigeringer Straße: Hier wird seit 2015 regelmäßig überwacht. Hier lag die Verstoßquote zu Beginn bei 46 Prozent. Mittlerweile ist sie auf 5,39 Prozent gesunken. Insgesamt habe sich die Quote von 22,22 Prozent (2015) auf 12,65 (2019) in Amberg nach unten entwickelt.

Während den Ausgangsbeschränkungen hätten sich diese Quoten allerdings umgekehrt. "Die Straßen waren leer, die Leute sind schneller gefahren als sonst." Und obwohl von März bis Mai weniger kontrolliert worden ist, seien deutlich mehr Verstöße festgestellt worden.

Dürfen Mitarbeiter der Kommunalen Verkehrssicherheit Verkehrssünder aufhalten und ihre Personalien feststellen? Mit diesen Fragen wandten sich zwei Mitglieder an das Gremium. Sie vermuteten, dass diese Aufgaben der Polizei vorbehalten sind. "Ja, sie dürfen", hieß es vonseiten der Geschäftsführerin Sandra Schmidt. Sie verwies auf das Ordnungswidrigkeitengesetz. "Im fließenden Verkehr machen wir das nicht, weil es nicht praktikabel ist." Die Aufgabenerweiterung, die Verfolgung und Ahndung von Ordnungswidrigkeiten nach Paragraf 24 StVG zum Inhalt hatte und von den Mitgliedern einstimmig beschlossen wurde, beziehe sich auf den Bereich Fußgängerzone. "Bei Geschwindigkeiten von 10 km/h kann man die Verkehrsteilnehmer schon aufhalten. Da würden wir auch die Personalien feststellen und entsprechend ahnden." Vorsitzender Michael Cerny empfahl, dieses Thema noch einmal in der nächsten Versammlung näher zu beleuchten, um Zweifel auszuräumen.

Teilstationärer Blitzer im Test

Amberg
Info:

Aus dem Geschäftsbericht

Die teilstationäre Blitzer-Anlage namens Beppi hat im vergangenen Jahr erfolgreich eine Testphase durchlaufen. Der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz hat sich dazu entschlossen, eines dieser Geräte anzuschaffen. Ab nächster Woche ist Beppi im Einsatz. Bürgermeister, die für ihre Gemeinde Bedarf sehen, können sich die Station noch bis Ende des Jahres kostenlos, danach kostenpflichtig ausleihen. Darüber informierte Sandra Schmidt in der Verbandsversammlung. "Sie führt durch ihren mehrtägigen Einsatz dazu, Geschwindigkeitsverstöße zu senken und die Verkehrssicherheit nachhaltig zu erhöhen."

Der Zweckverband will sich nicht ausschließlich auf das Fehlverhalten im Straßenverkehr konzentrieren. Auch die Aktionen Elterntaxi oder Belohnungen für Richtigparker sollen die Straße von einer Gefahrenzone weg zu einer Gemeinschaft entwickeln. 2019 wurde das Projekt Elterntaxi entwickelt. Hier weisen Gemeinden Haltestellen in einer Entfernung von bis zu 250 Meter zur Schule aus. Dort können Kinder aus den Autos ein- oder aussteigen und haben trotzdem ein kurzes Stück Fußweg. "Auch daraus hat sich eine deutliche Verminderung des Verkehrs vor den Schulen und Kindergärten ergeben", sagte Sandra Schmidt.

Sieben E-Autos stehen im Verbandsgebiet zur Verfügung. Vier davon waren 2019 in Amberg im Einsatz. Von April bis Dezember legten diese Fahrzeuge insgesamt 81 956 Kilometer zurück. Weitere Standorte sind Nabburg, Wackersdorf und Neustadt a.d. Waldnaab.

Sandra Schmidt, Geschäftsführerin des Zweckverbands Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz.

Aktion des Zweckverbandes: Belohnung für Richtigparker

Hirschau

Die Verbandsversammlung von 2019

Amberg

Reaktion auf Schlitzohr-Kommentar

Amberg
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