Update 18.07.2019 - 09:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Tödlicher Jagdunfall Nittenau: "Jäger konnte die B 16 nicht sehen"

Im Fall des tödlichen Jagdunfalls bei Nittenau gibt es nur Verlierer: Die Familie des Getöteten und den Jäger mit seinen Angehörigen. Am zweiten Prozesstag sagen Polizisten über ihren Einsatz in Nittenau aus.

Der Angeklagte (Mitte) im Verhandlungssaal des Landgerichts Amberg.
von Autor HOUProfil

Das Rudel der Reporter ist fort. Es interessiert sie nicht, wie dieser Prozess vor dem Amberger Landgericht weitergeht. Nur die Momentaufnahme einer Sensation war wichtig. Zurück bleiben Juristen, die nun in mühsamer Kleinarbeit die Geschehnisse des 12. August 2018 aufarbeiten müssen. Mit einer schier endlos langen Liste an Zeugen.

Was passierte nach dem verhängnisvollen und bei einer Drückjagd abgegebenen Gewehrschuss, der einem Unbeteiligten das Leben kostete? Am zweiten Prozesstag schilderten Polizeibeamte ihren kurz nach 10 Uhr morgens beginnenden Einsatz in Nittenau. Auf dem Vorplatz des Gerätehauses der Feuerwehr Bergham stand ein Auto mit zerschossener Seitenscheibe. Neben der Beifahrertür lag ein lebloser Mann (47). Sein am Steuer sitzender Freund (63) hatte ihn herausgezogen, um Erste Hilfe zu leisten.

Der Bericht zum Prozessauftakt

Amberg

Rund 100 Waffen untersucht

"Wir wussten nicht, was da geschehen war", berichtete ein junger Streifenpolizist. Erst der Notarzt klärte auf: "Es könnte ein Schuss gewesen sein". Andere Unifomierte suchten unterdessen die Bundesstraße 16 nach Splittern ab. Dabei fielen ihnen rein zufällig Leute auf, die Warnwesten trugen. "Eine Drückjagd womöglich", vermuteten sie. Gleich in der Nähe fanden sie eine Jagdgesellschaft vor. Den Waidleuten wurde offenbart: "Es hat einen Toten gegeben". Die Polizei stellte alle Gewehre sicher. Aber sie tat noch mehr. Da einige der Jäger bereits heimgefahren waren, beschlagnahmte die Kripo den Inhalt ganzer Waffenschränke. Das Arsenal der später untersuchten Lang- und Kurzlaufwaffen beschrieb die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber mit "einer Vielzahl". Es sollen rund 100 Einzelstücke gewesen sein.

Der nun wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Jagdveranstalter hat zwischenzeitlich die persönlichen Konsequenzen gezogen. Er verzichtete auf die Verlängerung der heuer ausgelaufenen Lizenz und gab seine Waffen bei einem Chamer Fachhändler in Verwahrung. Sie sollen jetzt verkauft werden. Auch der Jagdpachtvertrag, lautend auf seinen Vater, ist gekündigt.

Immenser Polizeiaufwand

Zwei Stunden lang hörten die Richter am Mittwoch die Berichte von Beamten der Spurensicherung. Dabei wurde deutlich, welch immenser Aufwand an den einzelnen Orten des Geschehens betrieben wurde. Eine Arbeit, die wohl noch vor den Bemühungen bei Gewaltverbrechen lag.

Ein Satz, eher am Rande gesprochen, erschien wichtig. Mit Blick auf den Angeklagten sagte ein Fahnder: "Er konnte von seiner Jagdkanzel aus, die auf einem Anhänger stand, die Bundesstraße 16 nicht sehen." Obwohl das eine erhöhte Position gewesen sei. "Denn der Böschungsbewuchs war unglaublich ausgeprägt".

Das tödlich treffende Projektil aber stammte nach Lage der Dinge aus dem Gewehr des Beschuldigten. Es fand seinen unheilvollen Weg durch einen Schutzzaun. Aus dem Maisfeld fliehende Wildschweine hätten diese Sperre nicht nehmen und auf die Bundesstraße gelangen können. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

Ein 47-Jähriger aus Regensburg ist als Beifahrer in einem Auto plötzlich zusammengesackt und wenig später verstorben.

Nittenau

Das Projektil stammt aus einem Jagdgewehr.

Nittenau

Die Kriminalpolizei Amberg hat einen Tatverdächtigen ermittelt.

Nittenau

Anklage wegen "Fahrlässiger Tötung" erhoben.

Nittenau

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