26.08.2020 - 13:02 Uhr
AmbergOberpfalz

Trotz Vorwürfen: Maskenverstöße bei Gastropersonal nur "Einzelfälle"

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Die Corona-Infektionszahlen steigen auch in Amberg und dem Landkreis wieder an. Doch nicht alle wollen sich an die Maskenpflicht halten. Kunden eines Amberger Lokals beschweren sich über renitentes Personal ohne Maske. Stimmen die Vorwürfe?

Nicht alle Bedienungen in Amberg sollen sich laut mancher Beschwerden so vorbildlich an die Maskenpflicht halten wie dieser Kellner in Mainz. Die Amberger Behörden können systematische Verstöße aber nicht bestätigen.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Die zweite Welle scheint in Deutschland angekommen zu sein: Die Corona-Infektionszahlen steigen auch in der Stadt Amberg und dem Landkreis wieder. In dieser besorgniserregenden Situation lassen Nachrichten, manche Bedienungen in Amberger Lokalen würden es mit der Maskenpflicht nicht so ernst nehmen, aufhorchen.

Bei der Amberger Zeitung gingen mehrere Leserhinweise über ein Café und eine Eisdiele in Amberg ein. So berichten Greta und Helmut Meier aus Lintach, dass der Inhaber des Cafés im Außenbereich von Tisch zu Tisch gegangen sei und mit den Gästen geplaudert habe – ohne Maske. Auf diesen Verstoß in einer "angeregten Diskussion" hingewiesen, habe der Gastwirt unwirsch reagiert, auf einen angeblich negativen Corona-Test verwiesen und, nachdem er die Maske widerwillig aufgesetzt hat, dem Ehepaar Hausverbot erteilt.

Eine weitere Leserin berichtet von einem ähnlichen Fall in einer Eisdiele. Dort soll ein Ober die Maske nur über dem Mund getragen haben. Darauf angesprochen, zog der Mitarbeiter die Maske zwar auch über die Nase. Jedoch nur, um sie gleich am nächsten Tisch wieder nach unten zu ziehen.

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Amberg

Kunden als Denunzianten?

Handelt es sich bei diesen Vorwürfen um aufgebauschte Anschuldigungen, gar um Denunziantentum unzufriedener Kunden? Oder doch um systematische Verstöße sogenannter "Corona-Rebellen" zu Lasten der Gesundheit von Kunden und anderen Mitarbeitern?

Eine Nachfrage beim kommunalen Ordnungsamt ergab, dass es sich dabei offenbar nicht um ein gängiges Phänomen handelt. So informiert Ambergs Pressesprecher Thomas Graml, dass in den vergangenen vier Wochen in der Stadt circa 40 "infektionsschutzrechtliche Verstöße" geahndet wurden. Diese Zahl umfasst jedoch nicht nur Maskenverweigerer, sondern auch Verstöße gegen das Abstands- oder das Versammlungsverbot.

Hinweisen aus der Bevölkerung gehen wir mit Unterstützung der Polizei gezielt nach.

Christine Hollederer, Pressesprecherin des Landratsamtes

Die Zahl der allgemeinen Verstöße in Amberg seit Ausbruch der Pandemie beschreibt Graml mit "einem mittleren dreistelligen Wert". Auch diese Zahl bezieht sich auf die Gesamtheit aller Verstöße – und nicht allein auf Gastropersonal. "Reihenweise Verstöße von Bedienungen und Lokalinhabern sind uns nicht bekannt, es handelt sich hierbei um Einzelfälle."

5000 Euro Strafe für Gastronomen

Diese jedoch gibt es, bestätigt Graml. So habe das Ordnungsamt bislang Strafen nach dem bayerischen Corona-Bußgeldkatalog zwischen 75 Euro und 5000 Euro verhängt. Verstöße von Gästen und Personal werden unterschiedlich geahndet, erklärt der Pressesprecher: "Wenn ein Gast ordnungswidrig oder fahrlässig handelt – zum Beispiel durch einen absichtlichen oder versehentlichen Maskenverstoß – dann beträgt die Strafe 150 Euro."

Handelt hingegen eine Bedienung gesetzeswidrig, dann wird der Betreiber als Vorgesetzter belangt und die Strafe beträgt 5000 Euro. Diesen Fall habe es in Amberg schon gegeben. Beim Ahnden der Verstöße teilen sich Ordnungsamt und Polizei die Arbeit, sagt Graml. "Das Ordnungsamt kontrolliert nicht selbst, das macht nur die Polizei. Allerdings reicht die Polizei die Anzeigen an das Ordnungsamt weiter, dort wird dann das Bußgeldverfahren eingeleitet."

Zum Auftrag einer jeden Polizeistreife wie hier am Amberger Marktplatz gehört es, auch die Einhaltung der Corona-Regeln zu überwachen. Dies gilt sowohl für gewöhnliche Passanten als auch für Gastropersonal.

Auch die Polizei kann Vorwürfe regelmäßiger Masken-Verstöße bei Amberger Gastronomen nicht bestätigen – im Gegenteil. Laut Erstem Polizeihauptkommissar Hans-Peter Klinger sei dies der örtlichen Inspektion zwar schon vereinzelt gemeldet worden, aber: "Wir hatten mehrere anonyme Hinweise und sind jedem nachgegangen. Es hat sich aber in keinem Fall bestätigt."

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Dennoch seien die Ordnungshüter immer wachsam: "Es gehört zum Regelauftrag einer Streife, auch die Corona-Regeln zu kontrollieren. Die Leute reagieren aber fast immer verständnisvoll", sagt der Leiter der Abteilung Einsatz. Gelegentlich sei auch ein Unterstützungszug der Bereitschaftspolizei im Einsatz, um gezielt die Corona-Vorgaben zu kontrollieren. Auch bei diesen Kontrollen ergab sich laut Klinger ein vorbildliches Verhalten der meisten Amberger: "Die Akzeptanz für die Maßnahmen ist grundsätzlich hoch und die Leute halten sich auch daran."

Keine Beschwerden im Landkreis

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Landkreis. "Beschwerden über die Nichteinhaltung der Maskenpflicht der Inhaber von Gastronomiebetrieben im Landkreis Amberg-Sulzbach sind uns aktuell nicht bekannt", sagt Christine Hollederer. Die Pressesprecherin des Landratsamts erklärt jedoch, dass die Behörde "Hinweisen aus der Bevölkerung mit Hilfe der Polizei gezielt" nachgeht. Bei Verstößen würden Bußgeldverfahren eingeleitet.

Mit Stand 24. August hat das Landratsamt laut Hollederer 59 Verstöße gegen die Corona-Vorgaben im Kreis geahndet - Fälle von Maskenverweigerung in Gastrobetrieben seien nicht darunter.

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