03.03.2019 - 15:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Verstorben vor dem Urteil

Am Mittwoch will das Landgericht ein Urteil sprechen. Doch Mike Fiedler bekommt das nicht mehr mit: Der 48-Jährige ist am Samstag an seinem schweren Krebsleiden verstorben. Er hatte einen Arzt wegen einer falschen Diagnose verklagt.

Mike und Tina Fiedler im Januar. Damals hat der Musiker – bekannt von der Band Striker – der Amberger Zeitung seine Leidensgeschichte erzählt.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Am Sonntag machte die traurige Nachricht die Runde: Mike Fiedler - vielen Ambergern als Musiker bekannt - hat den Kampf gegen den Rückenmark-Krebs verloren. Er sei friedlich zu Hause eingeschlafen, hieß es aus seinem engsten Umfeld. Der 48-Jährige und seine Angehörigen waren auf den Tod vorbereitet. Die Tumorbehandlung war zuvor bereits eingestellt worden, professionelle Sterbebegleiter betreuten ihn und seine Familie.

Ursache nicht gefunden

Die Öffentlichkeit hatte in den vergangenen Wochen großen Anteil an Mike Fiedlers Leiden genommen, nachdem er der Amberger Zeitung im Januar seine Geschichte erzählt hatte (www.onetz.de/2615273). Vor drei Wochen begann vor dem Landgericht Amberg der Prozess gegen den Arzt, der ihn vor vier Jahren wegen starker Schmerzen untersucht und die wahre Ursache nicht gefunden hatte (www.onetz.de/2633608).

Die Leidensgeschichte Mike Fiedlers

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Der Prozess vor dem Amberger Landgericht

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Hospizmobil im Einsatz

2015 hatte sich der selbstständige Messebauer wegen immer wiederkehrender Rückenschmerzen und Taubheitsgefühlen in den Beinen zu seinem Hausarzt begeben. Bereits 2012 war eine Kernspintomographie (MRT) des Rückens angefertigt worden - damals ohne auffälligen Befund. Drei Jahre später sollte die Überweisung zu einem Neurologen Klarheit über die Ursache der Schmerzen verschaffen. Die vor Gericht aussagenden Gutachter, ein Neurochirurg und ein Neurologe aus München, stellten rückblickend fest: Bereits auf den Bildern von 2012 sei der Tumor zu erkennen gewesen. Allerdings endete die Aufnahme genau an der Stelle, wo der untere Teil des Tumors begann. Fiedler forderte ein Schmerzensgeld im fünfstelligen Bereich.

Mitte Februar erfüllte das Bayerische Rote Kreuz dem todkranken Amberger noch einen sehnlichen Wunsch. Fiedler durfte mit dem Hospizmobil - einem speziell eingerichteten Krankenwagen - nach Berlin fahren. Seine neunjährige Tochter begleitete ihn dabei (www.onetz.de/2623563). Ihr hatte er vor einigen Jahren einen Ausflug in die Hauptstadt versprochen. Dieses Versprechen konnte der 48-Jährige noch erfüllen. Nicht erfüllt hat sich der Wunsch, das Urteil in seinem Prozess noch zu erleben. Vier Tage vor dem Termin am Landgericht ist Mike Fiedler gestorben. Trauerfeier und Beerdigung sollen am Montag, 11. März, stattfinden.

Mike Fiedlers letzter Wunsch

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Nach Mike Fiedlers Tod: Urteilsverkündung gegen Neurologen vertagt

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