09.09.2020 - 11:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Wildunfall: Sofort bei der Polizei melden

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Passiert derzeit öfter: ein Wildunfall. Und dann? "Sofort die Polizei anrufen", sagt Ambergs Polizei-Pressesprecher Achim Kuchenbecker. So bekommt der Autofahrer keinen Ärger - und der Jagdpächter kann sich um das verletzte Wild kümmern.

Hier hat das Reh noch eine Chance, über die Straße zu kommen. Aber was muss man tun, wenn es einen Wildunfall gegeben hat?
von Heike Unger Kontakt Profil

Beinahe täglich listet der Pressebericht der Amberger Polizei momentan Wildunfälle im Raum Amberg-Sulzbach auf. Doch nicht immer, wenn einem Autofahrer ein Tier vor den Wagen läuft, erfährt die Polizei zeitnah davon. Zuweilen auch überhaupt nicht. Dabei ist es sehr wichtig, solche Unfälle sofort zu melden, wie die Nachfrage bei Ambergs Polizeisprecher Achim Kuchenbecker zeigt: Verkehrsteilnehmer seien dazu nämlich verpflichtet, betont er. "Wenn ein Unfall passiert, egal, ob es ein Wildunfall ist oder man ein Auto auf einem Parkplatz angefahren hat, besteht die gesetzliche Pflicht, dies zu melden."

Autofahrer meldet Wildunfall zu spät

Poppenricht

Wer sich meldet, muss nichts befürchten

Wenn man ein Tier angefahren hat, ist diese schnelle Meldung laut Kuchenbecker auch deshalb wichtig, damit sich Polizei und Jagdpächter um das Wild kümmern können. Der Grund: Auch Tiere, die nach so einer Kollision weglaufen, können verletzt sein – und zwar so schlimm, dass man sie "von ihrem Leid zu erlösen muss". Im Klartext bedeutet dies, dass das Wild erschossen werden muss – und zwar "fachgerecht". Deshalb appelliert Kuchenbecker auch: Nach einem solchen Unfall "sofort die Polizei anrufen". Angst vor Konsequenzen sei übrigens unbegründet, fügt er hinzu: "Man wird da als Autofahrer nicht in Regress genommen", es würden also keine Zahlungen fällig.

 

"Sofort" heißt in diesem Fall auch sofort, wie Kuchenbecker verdeutlicht: Also nach einem Wildunfall am besten direkt von dort, wo er passiert ist, die Polizei anrufen – und zwar auch mitten in der Nacht. "Da darf man ruhig auch die 110 wählen", sagt der Pressesprecher. In Zeiten, in denen Handys allgegenwärtig seien, sei so ein Anruf ja meist kein Problem. Wer trotzdem kein Mobiltelefon dabei hat oder im Funkloch steckt, sollte den Anruf eben schnellstmöglich erledigen, sobald er ein Netz hat. Auch direkt zur Polizei fahren, sei eine Möglichkeit.

Polizei informiert Jagdpächter

Wer den Unfallort verlassen muss, um den Vorfall zu melden, sollte sich die Stelle gut einprägen oder sie markieren, damit Polizei und Jagdpächter eine Chance haben, sie zu finden, um nach dem beteiligten Wild zu suchen. Leichter wird dies, wenn man auch die Richtung angeben kann, in die Wildschwein oder Reh weggelaufen sind. Bleibt ein Tier am Unfallort liegen, ist laut Kuchenbecker Vorsicht geboten: In verletztem Zustand könnte es aggressiv sein, was insbesondere bei größeren Tieren wie einem Wildschwein nicht ungefährlich ist.

Hat das Tier den Zusammenstoß nicht überlebt, sollte man es, wenn dies möglich ist, an den Straßenrand ziehen, "damit nicht der nächste auch drüber fährt". Es in den Kofferraum zu packen, etwa, um es zur Polizei zu bringen, ist aber keine gute Idee: Mit einer solchen Aktion kann man sich Ärger wegen Wilderei einhandeln. Also: aus der direkten Gefahrenzone ziehen, aber ansonsten liegen lassen und sofort die Polizei informieren. Die Beamten verständigen dann den für dieses Gebiet zuständigen Jagdpächter, der sich um alles weitere kümmert.

Wichtig: Schnell melden

Wichtig ist in jedem Fall die schnelle Meldung bei der Polizei, wie Kuchenbecker ausdrücklich betont: Am Tag danach, "wenn es gerade passt", sei zu spät für ein verletztes Tier, das sich bis dahin vielleicht sehr lange quälen muss. "Das ist ein Lebewesen, um das man sich kümmern muss", stellt Kuchenbecker klar. Der Polizeisprecher formuliert es deutlich: "Wenn ein Lebewesen mit 50 km/h oder schneller angefahren wird, dann ist es verletzt." Und im Fall eines Rehs bedeute das dann eben, "dass es elendig zugrunde geht". Das gelte übrigens auch, wenn es nach dem Aufprall noch davon läuft. Selbst Tiere, die sich beispielsweise einen Vorderlauf gebrochen haben, könnten sich durchaus noch ein Stück weiterschleppen, bis sie dann irgendwo hilflos liegen bleiben.

Wildunfälle sind nicht nur im Herbst ein Thema

Amberg
Im Blickpunkt:

Was man nach einem Wildunfall tun sollte

Der ADAC hat eine kleine Checkliste zusammengestellt, was man nach einem Wildunfall tun sollte:

  • Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen und Unfallstelle absichern. Das gilt auch, wenn das Tier verletzt geflüchtet ist. Ganz wichtig: Ruhe bewahren.
  • Sind Personen verletzt, die 112 wählen und Erste Hilfe leisten.
  • Auch ohne Verletzte muss immer die Polizei (Rufnummer 110) verständigt werden. Geben Sie Ihren genauen Standort durch.
  • Wenn möglich, das tote Tier an den Randstreifen ziehen, damit keine Folgeunfälle passieren. Wegen eventueller Parasiten oder Krankheiten aber nicht mit bloßen Händen anfassen (Handschuhe).
  • Verletzte Tiere nicht anfassen, da sie sich wehren könnten.
  • Warten Sie am Unfallort, bzw. in sicherer Entfernung, bis Polizei oder Jäger da sind.
  • Wichtig: Das angefahrene Wild darf vom Unfallort nicht entfernt werden, sonst droht eine Anzeige wegen Wilderei. Das kann eine Strafe nach sich ziehen.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.