04.03.2021 - 09:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Wie die Zwischenzeugnisse zum Schüler kommen

An unterschiedlichen Plätzen, zu unterschiedlichen Zeiten, per Post: Die Ideen der Schulen in der Region Amberg-Sulzbach, um die Zwischenzeugnisse an Schüler und Eltern coronakonform zu verteilen, sind äußerst kreativ. Ein Überblick.

Die Zwischenzeugnisse sind da, die Schüler aber nicht. Heuer ist von den Verantwortlichen Findigkeit gefragt, um den aktuellen Notenstand an den Mann zu bringen.
von Redaktion ONETZProfil

Von Andrea Mußemann, Stephanie Wilcke, Andreas Ascherl, Miriam Wittich, Andreas Royer und Markus Müller

Wie bekommen unsere Kinder heuer eigentlich ihre Zwischenzeugnisse? Selbst viele Eltern können diese Frage auf Anhieb aktuell nicht so recht beantworten. Sicher ist: Heuer ist alles anders. Amberg-Sulzbachs Schulamtsdirektorin Beatrix Hilburger verweist auf einen im Januar aktualisierten Paragrafen in der Bayerischen Schulordnung. "Damit kann bei Wechselunterricht ein Teil der Klasse das Zwischenzeugnis am 4. März und der andere Teil am 5. März erhalten." Doch auch ein Verschicken per Post sei möglich "sofern Schülerinnen und Schüler infolge der Anordnung von Distanzunterricht, von Quarantäne oder Beurlaubung vom Präsenzunterricht ihr Zeugnis nicht … in der Schule entgegennehmen können". Ob Erziehungsberechtigte das Zeugnis in der Schule abholen dürfen, würden die Schulleitungen unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes entscheiden, erklärte Hilburger. Wie regeln die Schulen in Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach die Zeugnisübergabe? Eine Auswahl.

Dr.-Johanna-Decker-Schulen

Die 650 Zeugnisse der Schülerinnen an den Decker-Schulen in Amberg gehen am Freitag verpackt in Umschlägen in die Post. "Eine gute Summe Geld für Porto und Kuverts kostet uns das. Aber wir haben keine großen Alternativen", erklärt Schulleiter Günter Jehl. Man halte sich damit an einen Vorschlag aus dem Kultusministerium. "Bei vielen anderen Wegen kann zum Beispiel der Abstand oder der Datenschutz nicht eingehalten werden." Die Q12 sei indes inzidenzunabhängig im Haus und bekommt daher ihr Zeugnis persönlich überreicht.

Städtische Wirtschaftsschule Amberg

An der städtischen Wirtschaftsschule Friedrich Arnold in Amberg erhalten die beiden Abschlussklassen an diesem Donnerstag und Freitag ihre Zwischenzeugnisse ebenfalls persönlich, weil sie ja in Präsenz unterrichtet werden. Für die anderen Klassen hat sich die Einrichtung von Schulleiterin Brigitte Conchedda ein Zeitfensterprogramm überlegt. "Jede Klasse holt sich für jeweils eine festgelegte Stunde am Nachmittag ab kommenden Montag das Zeugnis." Bis Dienstag, 16. März, läuft der Plan.

Erasmus-Gymnasium

Am Erasmus-Gymnasium bekommen nur die Schüler der zehnten Jahrgangsstufe Zwischenzeugnisse. Denn die Zehntklässler könnten nach dem Schuljahr mit der Mittleren Reife an die Fachoberschule wechseln oder eine Ausbildung beginnen, sie benötigen deshalb auch ihre Zwischenzeugnisse. Am Freitag werden diese mit der Post verschickt, heißt es aus dem Sekretariat. Alle anderen EG-Schüler bekommen Notenberichte, die verteilt werden, sobald wieder Präsenzunterricht stattfinden darf.

Max-Reger-Gymnasium

Anfang März 2020 hatte das Kollegium des Max-Reger-Gymnasiums beschlossen, künftig auf die Zwischenzeugnisse zu verzichten und auf sogenannte Notenberichte umzusteigen. Wegen der Pandemie ging der Beschluss dann allerdings nicht mehr durch die notwendigen Gremien. Aus diesem Grund bleibt es beim MRG nach den Worten von Direktor Georg Meyer für diesmal bei den gewohnten Zwischenzeugnissen. Wie die zu den Schülern kommen, ist derzeit aber noch nicht abschließend geklärt. "Wir warten bis Freitag, wie es in der kommenden Woche weitergeht", schildert Meyer den Plan. Denn tatsächlich sei der 5. März nur der Tag, vor dem das Zwischenzeugnis nicht rausgegeben werden darf. Später sei das durchaus flexibel möglich. Kommen nun auf absehbare Zeit Klassen zurück in den Präsenzunterricht, erhalten sie zu diesem Zeitpunkt ihre Zeugnisse. "Wenn sich aber nichts ändert, werden wir sie per Post zuschicken", sagt Meyer.

Mittelschule Kümmersbruck

Obwohl derzeit keine Schüler ins Schulhaus gelassen werden dürfen, hat die Mittelschule Kümmersbruck eine Lösung gefunden, die Zwischenzeugnisse am Freitag persönlich auszugeben. Die Klassenleiter werden sie an unterschiedlichen Plätzen vor der Schule verteilen, diese wurden im Vorfeld jeweils auch den Eltern mitgeteilt. "So können wir verhindern, dass es da einen großen Auflauf gibt, und trotzdem bekommen die Kinder von ihrem Klassenleiter direkt die Zeugnisse ausgehändigt – natürlich mit Abstand", erklärt Schulleiter Florian Fuchs. "Die ersten werden um 8 Uhr verteilt, die letzten um 13.30 Uhr." Mit 250 Schülern in zwölf Klassen könne die Mittelschule das gut handhaben. "So viele sind wir nicht. Da kommen wir uns nicht in die Quere."

Max-Josef-Grundschule

Geklärt scheint inzwischen die Frage, ob die Amberger Grundschulen am Donnerstag oder Freitag im Wechselunterricht geöffnet sein werden. Der soll wenigstens in dieser Woche noch stattfinden. Vorbereitet wäre man beispielsweise an der Max-Josef-Schule aber auf alle Fälle, wie Konrektorin Andrea Kausler erläutert. Nach Mitteilung der Stadt Amberg vom Mittwoch soll an diesem Donnerstag und Freitag der Wechselunterricht in den Grundschulen aber möglich sein. Aus diesem Grund bekommt Gruppe A das Zeugnis am einen, Gruppe B dagegen am anderen Tag. Aber auch für den alternativen Fall wäre die Schule vorbereitet gewesen. Dann wären die Kinder notfalls am Freitag gestaffelt nach Klassen und Gruppen nach und nach mit ihren Zwischenzeugnissen versehen worden.

Herzog-Christian-August-Gymnasium

Kein Zwischenzeugnis ist für das Sulzbach-Rosenberger Herzog-Christian-August-Gymnasium auch keine Lösung. Wie Schulleiter Dieter Meyer erklärt, wird die Ausgabe des halbjährlichen Leistungsnachweises auch unter Corona-Bedingungen nicht ausfallen. Die Schulleitung halte sich an die Vorgaben des Kultusministeriums und wird die Zwischenzeugnisse per Post zustellen lassen. Betroffen sind davon die Jahrgangsstufen 5 bis 10. „Wir wollen damit auch in diesen besonderen Zeiten für ein Stück Normalität sorgen“, sagt Oberstudiendirektor Meyer. Für die Jahrgangsstufe 11 wird es das Ausbildungsabschnittszeugnis mit dem Hauptleistungsnachweis im Sommer geben. Den Schülern der in Präsenz unterrichteten Q12 kann es direkt im Schulgebäude ausgehändigt werden. Das Porto für die 469 Zeugnisse wird im Normalfall vom Landkreis als Sachaufwandsträger übernommen.

Realschule Auerbach

Wollte man die Methode, mit der die Realschule Auerbach ihre Zwischenzeugnisse an den Mann bringt, mit einem modernen Wort beschreiben, man müsste das „Drive-in-Verfahren“ wählen. Denn hier sind die Eltern aufgefordert, am Freitag zwischen 14.30 und 16.30 Uhr oder am Samstag zwischen 10 und 11.30 Uhr auf der Zufahrtsstraße vor der Schule mit dem Auto vorbeizukommen und das Dokument in Empfang zu nehmen – gegen Unterschrift natürlich.

Die Rektorin, Schwester Lioba Endres, hat die Eltern gebeten, einen Zettel mit Namen und Klasse des Schülers hinter die Windschutzscheibe zu heften. So ist gleich erkennbar, welches Zeugnis als Nächstes gebraucht wird. Die Schulleiterin verteilt die Schriftstücke zusammen mit ihrer Stellvertreterin und den beiden Sekretärinnen. „Und wir hoffen, dass es nicht regnet.“

Schwester Lioba geht davon aus, dass die Eltern den Schwenk zur Realschule weitgehend unkompliziert mit einem Einkauf in Auerbach verbinden können und dass die freiwillige Einbahnregelung vor dem Kloster der Schulschwerstern von Unserer Lieben Frau die ganze Sache erleichtert: „Das müsste ohne größere Verkehrsbehinderungen funktionieren.“

Zumal auch nicht alle 325 Schüler Zeugnisse bekommen. Für die etwa 100 Neunt- und Zehntklässler gilt das zwar ausnahmslos, doch in den Klassen darunter gibt es einen „Notenzwischenbericht“, den die Eltern auf Antrag auch per Mail erhalten können. „Früher haben wir für alle Zeugnisse gemacht, aber in der jetzigen Situation ist der Bericht, der alle Noten einzeln aufführt, für Kinder und Eltern einfach aussagekräftiger und transparenter“, erklärt die Rektorin. Die Mail-Zusendung kann immer noch gewählt werden, so dass derzeit nicht klar ist, wie viele Eltern an den beiden Tagen vorbeischauen werden. „Ich bin selber gespannt, wie viele kommen und ob es hektisch wird“, sagt die Schulleiterin.

Die Drive-in-Idee hat man an der Realschule selbst entwickelt. Für Schwester Lioba bestätigt sie eine Erfahrung, die sie im vergangenen Jahr nicht nur einmal gemacht hat: „In der Not wird man sehr kreativ und entwickelt neue Ideen.“

AZ-Redakteur Markus Müller kommentiert zum Zwischenzeugnis die Rolle der Lehrer

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