28.05.2018 - 14:41 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Die Oberpfalz wächst - aber nicht überall

Die Bevölkerung in der Oberpfalz nimmt zu, obwohl die Menschen in sechs von zehn Städten und Landkreisen in den nächsten Jahren eigentlich weniger werden. Das zeigt eine Berechnung des Bayerischen Landesamt für Statistik.

In den meisten Teilen der Oberpfalz nimmt die Bevölkerung in den kommenden Jahren ab.
von Eva Hinterberger Kontakt Profil

Geht es nach dem Bayerischen Landesamt für Statistik, ist Tirschenreuth oberpfalzweit der Landkreis, der bis zum Jahr 2036 die meisten Bewohner verlieren wird. Das geht aus der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung hervor, die das Landesamt am Montag in München vorstellte. Demnach soll es dort dann 10,5 Prozent weniger Menschen geben, als im Jahr 2016 - nämlich 65 300 statt 72 900. Damit hat das Landesamt seine aktuellen Berechnungen im Vergleich zu denen aus dem Jahr 2016 nach unten korrigiert. Damals gingen die Statistiker noch von 65 800 Tirschenreuthern im Jahr 2035 aus.

"Das wird so nicht passieren", sagt hingegen Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert. So habe sich der Bevölkerungsverlust in den letzten Jahren deutlich verringert. "Wo wir früher 400 bis 500 Leute Verlust in einem Jahr hatten, sind es heute 150 bis 200. Das pendelt sich langsam ein." Ein Grund dafür sei, dass es junge Leute wieder aufs Land ziehe. "Sie finden hier bezahlbaren Wohnraum oder Kindergartenplätze. Das, was in Ballungsgebieten fehlt." Das Landesamt berechnet seine Voraussagen anhand von Geburten-, Sterbe-, und Wanderungstrends. Und das könnte laut Lippert der Haken sein. "Vermutlich beachten sie die Bemühungen des Landkreises nicht", überlegt Lippert. Er nennt zum Beispiel Unternehmen, die sich in Tirschenreuth ansiedeln oder Kooperationen mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule, die es jungen Leuten ermöglichen sollen, in der Region zu bleiben. Denn: Das Problem seien weniger die Abwanderungen als das Defizit zwischen Sterbe- und Geburtenrate. "Deswegen ist es wichtig, dass die Jungen bleiben."

Neben Tirschenreuth sollen laut Statistik aber auch die Menschen in den Landkreisen Neustadt/WN (minus 7,4 Prozent), Amberg-Sulzbach (minus 5,1 Prozent) und Cham (minus 0,6 Prozent) sowie in Amberg (minus 4,5 Prozent) und Weiden (minus 5,7 Prozent) weniger werden.

Mehr Bürger sieht das Landesamt bis 2036 hingegen in Stadt (plus 8,8 Prozent) und Landkreis Regensburg (plus 7,4 Prozent) sowie den Landkreisen Neumarkt (plus 4,7 Prozent) und Schwandorf (plus 1,5 Prozent). "Wir haben zum einen den Strukturwandel gut bewältigt und bieten hochqualifizierte Arbeitsplätze. Zum anderen weisen unsere Gemeinden noch Bauland zu angemessen Preisen aus", erklärt Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratsamts Schwandorf die Steigerung. Zudem biete Schwandorf mit Oberpfälzer Seenland und Oberpfälzer Wald gute Erholungsmöglichkeiten sowie zahlreiche kulturelle Veranstaltungen wie zum Beispiel die verschiedenen Festspiele. "Das sind Faktoren, die uns von den in der Regel nördlicher gelegenen Regionen unterscheidet." Diese vier Regionen mit einem Bevölkerungswachstum führen dann auch dazu, dass die Bewohner in der Oberpfalz insgesamt zunehmen werden. So sagen die Statistiker vom Landesamt voraus, dass im Jahr 2036 1 109 000 Menschen in der Oberpfalz wohnen werden. Ende 2016 waren es noch 1 098 400.

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A. Schmigoner

Man kann über Statistik und deren Methoden durchaus geteilter Meinung sein. Für die letzte Bevölkerungserhebung wurden rund 10 % der Haushalte erfasst und dann auf die Gesamtbevölkerung "hochgerechnet", mit teils erheblichen finanziellen Folgen für die betroffenen Kommunen. Die Aussagen und Ergebnisse des LfStaD sind deshalb unter diesem Vorbehalt zu bewerten.

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