26.08.2020 - 03:00 Uhr
AuerbachOberpfalz

Auerbach: Wo die Auerochsen zurückgekehrt sind

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Der Name der Stadt kommt von den Auerochsen. Die sind seit fast 400 Jahren ausgestorben. Eigentlich. In Auerbach gibt es aber noch eine Herde davon. Und sie hat hier eine wichtige Funktion.

Die Heckrinder im Naturschutzgebiet Grubenfelder Leonie (benannt nach der Schachtanlage, aus der einst Eisenerz gefördert wurde) sind Rückzüchtungen alter Rinderrassen, mit denen Aussehen und Eigenschaften des Auerochsen wiederbelebt werden sollten.
von Markus Müller Kontakt Profil

Aus wissenschaftlicher Sicht ist es nicht ganz korrekt, die Herde von 40 bis 50 Tieren, die das Naturschutzgebiet Grubenfelder Leonie beweidet, als Auerochsen zu bezeichnen. Da muss man von Heckrindern sprechen. Diese Tiere entstanden durch den Versuch der Gebrüder Heck, aus älteren Rinderrassen (unter anderem spanischen Kampfstieren) Auerochsen rückzuzüchten, also ihre wichtigsten Merkmale wiederzubeleben. Das ist in einigen Punkten besser gelungen als in anderen. Bei der Fellfärbung etwa kommen die Heckrinder dem Ur (so ein anderer Name der Auerochsen) ziemlich nahe, bei der Größe haut das nicht so gut hin. Da ist heute ein Stier mit 1,50 Meter Widerristhöhe schon ein Riese, während es sein Urahn auf bis zu 1,85 Meter brachte.

Der Stand bei den Auerbacher Auerochsen im Jahr 2018

Aber natürlich sprechen die Auerbacher liebevoll von ihren „Auerochsen“. Die Tiere sind seit dem Jahr 2000 im Naturschutzgebiet Grubenfelder Leonie direkt am nördlichen Stadtrand beheimatet. Dieses einstige Bergbauareal gehört heute dem Landesbund für Vogelschutz (LBV). Weil dort aufgrund des Erzabbaus bis 1987 die Erdoberfläche leicht einbrechen kann, dürfen Menschen das Grubenfeld nicht mehr betreten. Für viele seltene Tier- und Pflanzenarten dagegen ist das 87 Hektar große Gebiet ein Paradies. Experten haben dort 570 Arten gezählt, von denen 100 auf der Roten Liste stehen. Neben 75 Brutvogel- und 250 Falterarten gibt es hier auch die größte Laubfrosch-Population der Oberpfalz. Damit die freien Flächen nicht verbuschen, braucht es die Rinder, die, unterstützt von zwei Exmoor-Ponys, das Gelände beweiden.

Mehr zum Naturschutzgebiet Grubenfelder Leonie und seinen Bewohnern

Der LBV hat um den westlichen Teil des eingezäunten Areals einen drei Kilometer langen Rundweg eingerichtet, die „Ochsentour“. Wer ihn begeht, hat keine Garantie, die Auerochsen und die Ponys zu sehen, das Ganze ist ja nicht als Zoo angelegt. Aber wer sich ruhig verhält, etwas Geduld mitbringt (und eventuell ein Fernglas), hat gute Chancen, die ständig herumwandernde Herde zu Gesicht zu bekommen. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss zu einer der regelmäßig vom LBV angebotenen Führungen kommen. Dabei werden die Rinder durch eine Fütterung angelockt.

Alle Teile unserer Serie Ferien daheim mit Tipps für Ausflüge in der Oberpfalz

Oberpfalz
Service:

- Start

Die „Ochsentour“ startet man am besten beim Schützenheim Degelsdorf (Pfannmühlweg 1, 91275 Auerbach), dort gibt es auch Parkplätze.

- Einkehrmöglichkeit

Direkt am Rundweg liegt in Degelsdorf der Landgasthof zur Leonie. Er hat von Donnerstag bis Sonntag geöffnet, am Sonntag ab 11 Uhr, sonst ab 15 Uhr.

- weitere Ziele

Rund um Auerbach sind für Naturfreunde außerdem sehenswert: die Kammerweiher im Naturschutzgebiet Pegnitzaue bei Michelfeld, das Felsländl, ein romantischer Weg entlang des Speckbachs zwischen Auerbach und Michelfeld mit vielen Felsformationen und Höhlen, die Maximiliansgrotte bei Krottensee mit dem größten Tropfstein Deutschlands, die Dolomitfelsen der Steinernen Stadt, die bei Kletterern sehr beliebt sind und Drehort für „Fünf Freunde und das Tal der Dinosaurier“ waren.

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