17.02.2021 - 16:25 Uhr
AuerbachOberpfalz

Totes Schaf bei Auerbach löst Spekulationen über Wolfsriss aus

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Das Bild zeigt ein totes Schaf auf einer verschneiten Wiese. Das Fell am Brustkorb ist aufgerissen, ein paar Gedärme hängen raus. Wurde das Tier von einem Wolf gerissen? Der Nachweis wäre eine Premiere im Landkreis Amberg-Sulzbach.

Schäfer Markus Schreiner zusammen mit seinen beiden Herdenschutzhunden vor der Schafherde, die sich derzeit bei Michelfeld aufhält.
von Markus Müller Kontakt Profil

Das tote Schaf, das am 8. Februar einen guten halben Kilometer vom Bahnhof von Michelfeld (Stadt Auerbach) entfernt gefunden wurde, gehörte zur Herde von Markus Schreiner. Der ist derzeit mit seinen Tieren auf dem Gebiet der Stadt Auerbach unterwegs, wie schon oft in den vergangenen Jahren. Er weiß, dass im Veldensteiner Forst ein Wolfsrudel lebt. „Aber du kannst dem Wolf nicht davonlaufen“, sagt Schreiner, „der ist mittlerweile überall. Die Ausbreitung geht wahnsinnig schnell.“

Unweit von Auerbach fiel vor kurzem ein Wolf auf, der sich mitten am Tag in einer Ortschaft sehen ließ

Neuhaus an der Pegnitz

Der hauptberufliche Schäfer aus dem Landkreis Straubing-Bogen setzt auf Herdenschutzhunde zur Abschreckung des Wolfs. Ein weißer Kangal (eine türkische Hirtenhund-Rasse) und ein dunkler Sarplaninac (eine jugoslawische Züchtung) produzieren eine gewaltigen Lärm, sobald sich ein Mensch der Herde nähert, die sie bewachen – immer innerhalb des Weidezauns.

Kehlbiss spricht für Wolfsriss

Ob das laute Bellen der Hunde auch Wölfe auf Abstand hält? Zumindest bei einem Raubtier war das offenbar nicht der Fall. Markus Schreiner möchte gar nicht so viel drüber philosophieren, ob es tatsächlich ein Wolf war, der das Schaf getötet hat. Riss- und Fraßbild – unter anderem ein Kehlbiss – passen seiner Meinung nach dazu, aber der letzte Beweis ist immer schwer zu führen. Der könnte durch das Landesamt für Umwelt (LfU) erfolgen. Ein Mitarbeiter der Behörde hat DNS-Proben von dem Schafskadaver genommen. Die Ergebnisse liegen aber laut einem Sprecher des LfU noch nicht vor.

Markus Schreiner vermutet, dass das gerissene Schaf irgendwie die Umzäunung verlassen hat („wie, das weiß kein Mensch“), sich dann aber in der Nähe der Herde aufhielt, als es getötet wurde. Am Tag nach dem Fund habe er dann noch einmal Wolfsspuren bei seinem Weidezaun gesehen: „Sie kamen direkt aus dem Wald.“ Der Weidezaun schließt rund 200 Mutterschafe ein. Zusammen mit einigen Ziegen und den Lämmern, etliche erst wenige Wochen alt, sind es rund 300 Schützlinge, die die beiden kräftigen Herdenhunde haben.

An diesem Montag hat ein Bauer Markus Schreiner von einem weiteren Schafsskelett berichtet, das er bei Michelfeld gefunden hat. Dieser „Knochenfund“ ist nach Informationen des LfU älteren Datums: „Eine Bewertung der Todesursache ist nicht möglich.“

Herdenausbruch beim Übungsplatz

Eindeutig auf Wölfe geht für Schreiner der Verlust von zwei Schafen zurück, den er im Dezember in der Nähe des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr erlitten hat. Damals sei es zu einem Herdenausbruch gekommen, und drei zuverlässige Zeugen hätten in der Nähe der Herde einen Wolf beobachtet. „Da habe ich eine Entschädigung angeboten bekommen.“

Wölfe aus dem Veldensteiner Forst sind gelegentlich auch im Truppenübungsplatz Grafenwöhr unterwegs

Auerbach

Die steht dem Tierhalter zu, wenn das Landesamt für Umwelt bei getöteten Nutztieren „die Beteiligung eines großen Beutegreifers oder einen begründeten Verdacht hierauf feststellt“. Dann ermittelt das LfU „die zu erstattende Schadenshöhe, und es wird die Auszahlung des Ausgleichsbetrages in die Wege geleitet“, erklärt ein Sprecher des Landesamtes zur Vorgehensweise. Ein ausgewachsenes Schaf stellt einen Wert von etwa 150 Euro dar, sagt Markus Schreiner. Gekörte Böcke kämen auch schon mal auf 700 Euro.

Seit fünf Jahren Herdenschutzhunde

Aber der Wert ist nur ein Aspekt. Es lässt keinen Schäfer kalt, wenn eines seiner Tiere gerissen wird. Schreiner hat sich deshalb im Jahr 2016 Herdenschutzhunde zugelegt. „Das ist natürlich ein Riesen-Mehraufwand.“ Doch er ist froh, dass er sich frühzeitig dafür entschieden hat. „Wenn ich jetzt erst mit Welpen anfangen müsste, wäre mir nicht geholfen.“ Vier Herdenschutzhunde hat er inzwischen. Im Sommer sind alle im Einsatz, weil da die Schafe in mehr Gruppen aufgeteilt sind. Schwerstarbeit leisten sie aber vor allem im Winter, „wenn der Wolf hungriger ist“, wie Schreiner sagt.

Mit Herdenschutzhunden arbeitet auch ein Schäfer im Landkreis Tirschenreuth

Tirschenreuth

Die härtere Nahrungssuche des Wolfes spiegelt sich womöglich auch darin wider, dass dem LfU derzeit noch ein zweiter Fall eines getöteten Nutztiers im Umfeld des Veldensteiner Forstes vorliegt. Auch hier steht die Bewertung der Untersuchungsergebnisse noch aus. „Dies sind die ersten Fälle dieser Art, die dem LfU für diese Region gemeldet wurden“, heißt es aus dem Landesamt.

Kein Nutztierriss durch Wolf nachgewiesen

Speziell im Landkreis Amberg-Sulzbach gab es laut LfU „seit dem erneuten Vorkommen von Wölfen in Bayern (2006) ... keinen Nutztierriss unter der nachweislichen Beteiligung eines Wolfes“. Sollte die DNS-Probe jetzt den Nachweis liefern, wäre das also für den Landkreis eine neue Situation in Bezug auf Nutztiere.

Am Donnerstag erfolgte dann tatsächlich die Bestätigung des Wolfsrisses durch das LfU

Auerbach

Überblick über die Wolfsaktivitäten im Landkreis Amberg-Sulzbach

Amberg

Bei Wildtieren war es ohnehin nie fraglich, dass sie von den Wölfen im Veldensteiner Forst gerissen werden. „In Mitteleuropa ernähren sich Wölfe vor allem von Reh-, Rot- und Schwarzwild“, so die Information aus dem LfU. Zuletzt wurde im Gebiet des Landkreises Amberg-Sulzbach am 8. November an einem toten Reh Wolfs-DNS nachgewiesen.

Vor einigen Wochen wurden Wölfe bei Hütten (Landkreis Neustadt/WN) Opfer des Straßenverkehrs

Mantel
Hintergrund:

Das Wolfsrudel im Veldensteiner Forst

  • Ausgangspunkt
    Im Winter 2018 fanden in dem 6000 Hektar großen Waldgebiet im Grenzbereich der Landkreise Amberg-Sulzbach, Nürnberger Land und Bayreuth ein weiblicher und ein männlicher Wolf zusammen.
  • Herkunft
    Der Rüde des Elternpaares stammt aus der zentraleuropäischen Tieflandpopulation und war im Februar 2017 bereits auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr nachgewiesen worden, von Juli 2017 bis Januar 2018 auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels. Das Weibchen stammt aus einem brandenburgischen Elternrudel.
  • Nachwuchs
    Der erste Wurf 2018 umfasste mindestens fünf Welpen. Aus den Jahren 2018 und 2019 konnten insgesamt elf Welpen genetisch identifiziert werden. Im August 2020 gelangen Fotonachweise von vier Jungwölfen.
  • Verluste
    Das Muttertier kam im September 2019 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Auch für zwei Jungtiere ist diese Todesart belegt: am 15. April 2020 bei Neu-Ulm, am 13. Mai 2020 bei Pressath.
  • Verbreitung
    Ein männlicher Wolf aus dem Veldensteiner Forst hat sich (nachgewiesen seit Januar 2020) im Manteler Forst mit einer Wölfin aus Sachsen zusammengetan. Weitere Individuen aus dem Veldensteiner Elternrudel wurden im Februar 2019 im Landkreis Neustadt/WN nachgewiesen, im Oktober 2020 im Landkreis Eichstätt und im Januar 2021 im Landkreis Tirschenreuth.

Quelle: Wolfsmonitoring des Landesamtes für Umwelt

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