09.07.2020 - 11:21 Uhr
EdelsfeldOberpfalz

Geschichte zum Anfassen

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Der Goglhof in Eberhardsbühl, ein privates Bauernmuseum, zeigt, wie in früherer Zeit Äcker bestellt, Tiere gehalten und Werkzeuge gebraucht wurden, wie die Menschen lebten in einer Welt, in der es noch kaum Technik und Maschinen gab.

Grüne Fensterläden und rote Geranien – ein schönes Detail des alten Bauernhauses.
von Helga KammProfil

Eine Reihe von Besitzern hatte das kleine Fachwerkanwesen, das 1767 als Wohnstallhaus erbaut wurde. Es waren bis zum Jahr 1909 die Familien Renner, Pickel und Gnahn. Ab dann machte sich die Familie Tuchbreiter den Hof zur Heimat. "Andreas Tuchbreiter war ein Bauernsohn aus Steinling, der in Sulzbach als Bergmann arbeitete und im nahen Iber zur Miete wohnte", hat Margarete Jäkel, die heutige Besitzerin, aus Geschichtsbüchern herausgefunden.

Er brachte den nach 20 Jahren Leerstand ziemlich verfallenen Hof wieder "auf Vordermann", bewirtschaftete ihn im Nebenerwerb bis 1940 und zog mit seiner Frau acht Kinder groß. Die Kriegsereignisse zwangen dann die Familie dazu, den Hof zu verkaufen. Nach 1945 lebten bis zu vier Flüchtlingsfamilien gleichzeitig auf dem Hof, wenig später wurde er verlassen.

In den Folgejahren lag der kleine Dreiseithof im Dornröschenschlaf und war mehr und mehr dem Verfall preisgegeben. Bis er nach rund 40 Jahren von einer Frau entdeckt wurde, die lange Jahre nach einem historischen Bauernhaus gesucht hatte. Margarete Jäkel, geboren in Elbogen, dem heute tschechischen Loket, war Lehrerin an der Grundschule in Illschwang und noch nicht im Ruhestand, als sie 1991 den Goglhof kaufte.

Denkmalschutz

Sie wagte die aufwendige und anstrengende Restaurierung und rang mit dem Denkmalschutz um jedes Detail. So wurde aus dem Hof ein Freilandmuseum, das noch immer lebendig ist, wie die Ziegen, Hühner und Katzen beweisen, die sich in Haus und Hof frei bewegen können. Für ihre "besonderen Verdienste um die Kultur" wurde der Denkmalschützerin 2017 der Kulturpreis der literarischen Gesellschaft "Pegnitzschäfer" verliehen.

Im Jahr 2008 wurde der Freundeskreis Goglhof e.V. gegründet, ein Förderverein, der von dem pensionierten Rektor Hermann Gnahn geführt wird. Er ist der Nachfahre eines der früheren Besitzer und fühlt sich dem Bauernmuseum sehr verbunden.

Der Freundeskreis zählt heute 175 Mitglieder. Er setzt sich die Aufgabe, den Goglhof als bedeutsames Baudenkmal zu erhalten und die Heimat- und Kulturpflege der Region zu bereichern. Gemeinsam mit anderen Vereinen veranstaltet der Freundeskreis das ganze Jahr über Heimatabende, an denen das Brauchtum und die Kultur der Oberpfalz wieder lebendig werden. Die Abendveranstaltungen bieten Stubenmusik und Geschichten in Mundart und entführen so in eine Zeit ohne Fernsehen und Internet.

Die originalen Tische und Stühle im Raum, der alte Kachelofen, das schummrige Licht und die sparsame Dekoration, jeweils dem Jahreskreis entsprechend, schaffen eine Atmosphäre von Nostalgie und Geborgenheit. Hermann Gnahn weist darauf hin: "Dass die alte Stube dabei meist brechend voll ist, wenn erzählt, gesungen und musiziert wird, zeigt das große Interesse an dieser alten, aber nicht immer nur guten Zeit." In den Sommermonaten sind Veranstaltungen draußen im Hof des Anwesens ein Treffpunkt für Gäste aus nah und fern.

Typischer Dreiseithof

Der Goglhof ist ein typischer Dreiseithof mit Wohnstallhaus. Die Tiere lebten mit den Menschen unter einem Dach. Prächtig ist der Giebel mit dem einzigen Profilfachwerk in der Oberpfalz. "Er ist der Mitgift einer Müllerstochter aus Holnstein zu verdanken", vermutet Margarete Jäkel. Diese hatte wohl vor ihrer Einheirat in den Goglhof einen versierten Zimmermann aus Franken mit dieser ganz spezielle Arbeit beauftragt.

Beheizt werden mit dem Kachelofen konnte nur die gute Stube". Die "schwarze Küche" mit dem Kochgeschirr hat ihren Namen von dem häufig rauchenden Kamin. Geschlafen wurde unter dem Dach, wo es im Winter fast so kalt war wie im Freien. Zum Waschen gab es im Haus Kannen, Eimer und Schüsseln.

Im Originalzustand

Die 85-jährige Margarete Jäkel hat sich im Dachgeschoss des Hauses eine kleine Wohnung zeitgemäß ausbauen lassen, alles andere aber ist nach ihrem Wunsch im Originalzustand geblieben. Das alte Pflaster im Hof, die Stallungen unter der "Altane", selbst das alte Aborthäuschen neben dem Misthaufen wurden erhalten.

In der großen Scheune sind alte landwirtschaftliche Geräte zu sehen, zum Beispiel die mehr als 80 Jahre alte Dreschmaschine, die immer noch funktioniert und bei Gruppenbesuchen zum Einsatz kommt. Eine kleine Ausstellung informiert über die Geschichte des Goglhofes und erzählt mit Bildern und Texten, wie Bauersleute aus Edelsfeld und den Dörfern ringsum früher lebten und arbeiteten.

Informationen:

Öffnungszeiten

Das Freilandmuseum Goglhof hat normalerweise geöffnet in den Monaten April bis Oktober jeweils am zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 09664/8276. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation lohnt es sich, vor einem Besuch nachzufragen. Alle geplanten Sitzungen, Zusammenkünfte und Heimatabende wurden für den Rest des Jahres abgesagt. Das Theater „Der erste Amtsarzt auf dem Goglhof“ von Helma Koch und Peter Seidl ist für das Frühjahr 2021 geplant.

Die Adresse: Eberhardsbühl 6, 92265 Edelsfeld.

Weitere Informationen auf www.freilandmuseum-goglhof. de. (dt)

Historisches entdecken auf einer Wanderung zum Rastenhof:

Neustadt an der Waldnaab

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