29.10.2019 - 12:48 Uhr
Ehenfeld bei HirschauOberpfalz

Kindergarten Ehenfeld: Es fehlt an allen Ecken - was macht die Kirche?

Die Kirche hat bisher keinen Cent in die Hand genommen, um den außergewöhnlichen Betrieb des Kindergartens St. Michael in der Hirschauer Schule zu unterstützen. Kinder spielen mit Eltern-Spenden und Second-Hand-Ware. Viele sind fassungslos.

Derzeit ist der Kindergarten von Ehenfeld in zwei Räumen der Mittelschule von Hirschau untergebracht. Den Kindern fehlt es in der Notlösung an allerhand Spielsachen, die bei der Förderung der Kleinen helfen. Bislang gab es vom Träger in dieser besonderen Situation kein zusätzliches Geld, um Fehlendes zu ersetzen.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Als vor den Sommerferien der Ehenfelder St.-Michael-Kindergarten wegen toxischer Schimmelsporen in der Luft vom Träger, der katholischen Kirchenverwaltung, versperrt wurde, mussten auch viele Spielsachen und Kleidung zurückgelassen werden.

Ehenfeld bei Hirschau

Die Notunterkunft in der Hirschauer Mittelschule, wo 24 Mädchen und Buben im Kindergartenalter und zehn Krippenkinder noch bis Ende März betreut werden, sah aus, wie es in einer Schule eben aussieht: Tische, Stühle aus Holz, kein Teppich auf dem Boden. Es wirkte kahl.

Nicht Aufgabe der Eltern

Schon Ende August schafften daher Erzieherinnen und Eltern die wenigen sauberen Spielsachen aus dem Gemeinschaftshaus mit Privatfahrzeugen dorthin. Die Erzieherinnen ergatterten bei einem Kinderbasar für relativ wenig Geld Spielzeug, viele Eltern suchten auf Dachböden und Kellern. Der Träger unternahm in dieser Hinsicht nichts.

Hirschau

Die Wut über die Sorglosigkeit erboste die Eltern schon beim Runden Tisch, den die Gewerkschaft Verdi nach der Kündigung der Erzieherinnen einberufen hatte. "Warum ist das nicht von Anfang an geklärt worden? Es hätte schon lange etwas passieren müssen. Warum hat immer noch nicht eine Spezialfirma das Dringendste aus dem Kindergarten geholt und gereinigt?", fragte eine Mutter. "Wir sammeln Spenden, damit Wichtiges angeschafft werden kann. Das ist nicht die Aufgabe der Eltern", sagte eine andere aufgebrachte Mutter. Michael Schörnig vom Bistum Regensburg verschanzte sich derweil hinter Listen, die erst seit kurzem vorlägen. Immer und immer wieder sollen die Erzieherinnen gezwungen worden sein, diese Listen zu kürzen. Schörnig nannte das beim Runden Tisch "konsolidieren".

Ehenfeld bei Hirschau

Fakt ist, dass der Träger und das Bistum Regensburg immer noch keinen zusätzlichen Cent in der außergewöhnlichen Situation in die Hand genommen haben. Alles, was jetzt in der Notlösung bereitsteht, kam auf Initiative der Eltern, Erzieherinnen und der Stadt Hirschau zustande. Wäre sie nicht tätig geworden, würden die Kinder in leeren Räumen betreut. "Schon im September war klar, was unsere Vorschulkinder an Materialien brauchen. Wir können nichts dafür, dass der Kindergarten zugesperrt wurde", kritisierte die Elternbeiratsvorsitzende Martina Stahl. "Von der Kirche kommt keine Rückmeldung. Wir warten immer noch auf Geld."

Wenigstens Kleinigkeiten hätte die Kirche zahlen können, mahnte ein Vater. "Es schaut so aus: Die Kirche hat gekündigt, weil man aus der Trägerschaft heraus will, und will jetzt mit dem Problem nichts mehr zu tun haben", klagte Stahl. Seit sich die Kirche entschlossen habe, Ende März den Kindergarten loszuwerden, "stehen wir im Regen".

Kein normaler Betrieb möglich

Auf Nachfrage bei den Erzieherinnen, an welchen grundsätzlichen Dingen es fehlt, um einen halbwegs normalen Betrieb erhalten zu können, hat die Amberger Zeitung keine Antwort erhalten. Beim öffentlichen Runden Tisch erklärte eine Erzieherin, dass man eine Waschmaschine von der Stadt erhalten habe, der Staubsauger eines Privatmanns ausgeliehen wurde und die Kolleginnen Mikrowelle und Wasserkocher von Zuhause mitbrachten. Das legt nahe, dass der Träger nie die Absicht hatte, größere Anschaffungen zu tätigen.

Ehenfeld bei Hirschau

Schon nach wenigen Tagen war zudem klar, dass die Spielsachen, die Eltern und Erzieherinnen aus zweiter Hand zusammengetragen haben, bei weitem nicht ausreichten. Es soll über jede Kinderschere und jedes Malbuch nachgedacht worden sein, ob man das wirklich brauche und sich leisten könne, heißt es aus Elternkreisen. Ein betroffener Vater hat sich vor einigen Tagen mit einem Leserbrief an unsere Zeitung gewandt: "Es mangelt momentan an Toiletten, Spielsachen, schlichtweg an elementaren Dingen", kritisiert er. "Es bestürzt mich, wie die Erzieherinnen - selbst gekündigt und emotional ergriffen, um ihre berufliche und private Existenz bangend - trotz widrigster Umstände das Beste für die Kinder geben und versuchen, ein sorgloses und kindgerechtes Umfeld zu schaffen." In Ehenfeld sind Betroffene wie nicht Betroffene tief bestürzt über das Verhalten der Kirche.

Ehenfeld bei Hirschau

Sogar am Arbeitsschutz für die Erzieherinnen soll gespart worden sein. Laut einer Mutter müssen die Mitarbeiterinnen den ganzen Tag auf Kinderstühlen und hölzernen Werkraumstühlen sitzen. Die speziellen Sitzmöglichkeiten für Erzieher wollte die Kirchenverwaltung nicht anschaffen - obwohl der Betrieb bis zu einem möglichen Übergang im kommenden Jahr so normal wie möglich weiterlaufen sollte. Das erklärte Schörnig zumindest beim Runden Tisch vergangene Woche.

Appell nach Regensburg

Der den Leserbrief schreibende Vater endet schließlich mit einem Appell nach Regensburg: "Bitte werden Sie ihrer eigenen Leitlinien gerecht und enttäuschen Sie nicht die Erzieherinnen, die Eltern und insbesondere die Kinder - die mögliche Zukunft der Kirche in der Region."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.