16.03.2020 - 17:59 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Ensdorfer wählen Markus Dollacker ab

Die SPD stellt künftig den Bürgermeister in Ensdorf: Markus Dollacker (CSU) unterlag bei der Wahl am Sonntag seinem Herausforderer Hans Ram. Auch anderswo wurde es spannend: Von Stichwahlen und knappen Entscheidungen.

Wahlparty der Ensdorfer SPD: Hans Ram (Mitte) bejubelt seinen Sieg, er löst den amtierenden Bürgermeister Markus Dollacker ab.
von Kristina Sandig Kontakt Profil
Hans Ram ist Fachlehrer für Werken, Technisches Zeichnen und Textverarbeitung an der Mittelschule Kümmersbruck. Ab 1. Mai ist er außerdem Ensdorfs neuer Rathaus-Chef. An der Kommunalpolitik gefällt ihm besonders, „dass man hier direkt was verändern kann“.

Allmählich kommt es bei Hans Ram (SPD) an, dass er ab Mai Bürgermeister von Ensdorf sein wird. Mit 54,39 Prozent besiegte er Amtsinhaber Markus Dollacker von der CSU, der lediglich auf 45,61 Prozent der Stimmen kam. Und damit der einzige im Landkreis ist, der als amtierender Bürgermeister am Sonntag abgewählt wurde. Bislang muss man sagen, denn noch ist offen, was die Stichwahlen in Ammerthal und Hirschbach in zwei Wochen ergeben werden.

Hans Ram gesteht am Montagvormittag, dass er es immer noch nicht so richtig glauben könne. Mit seinem Wahlkampfteam sei er in Wolfsbach im Wirtshaus am Sonntagabend zusammengesessen - wegen Corona im kleinen Kreis. Je mehr sich herauskristallisierte, welch großen Zuspruch er bekommen hatte, "desto größer sind unsere Augen geworden."

Weitere Bürgermeisterwahl-Ergebnisse aus dem Landkreis

Amberg

Rams Einschätzung nach sind für einen politischen Wechsel einige Aspekte zusammen gekommen. Es gebe viele Themen, die den Ensdorfern auf den Nägeln brennen und die angepackt werden müssen. "Wir brauchen unbedingt eine Dorferneuerung", sagt der neue Bürgermeister. "Und dafür müssen wir auch die Mittel abrufen." Wie in der Nachbargemeinde Rieden müsse man das Wasserleitungsnetz optimieren, das sei teilweise schon 60 Jahre alt. Weiter fehle ein Baugebiet ("Wir müssen zusehen, dass uns die jungen nicht abwandern"), außerdem müsse man Menschen nach Ensdorf locken. "Für diejenigen, die sich selbstständig machen wollen, brauchen wir günstige Gewerbeflächen", fährt er fort und sieht gerade in den Absolventen der OTH, die in der Region bleiben wollen, ein großes Potenzial. "Und auch unsere Caritas-Sozialstation platzt aus allen Nähten", skizziert er ein weiteres Thema für Ensdorf, das angepackt werden muss. Ebenso das betreute Wohnen. "Dadurch würden wir vielen älteren Menschen das Leben erleichtern."

Ich kann es immer noch nicht ganz begreifen.

Ensdorfs abgewählter Bürgermeister Markus Dollacker

Ensdorfs abgewählter Bürgermeister Markus Dollacker

Erhofft hatte sich Ram ein achtbares Ergebnis bei der Kommunalwahl. "Ich bin ja gegen einen Amtsinhaber angetreten." Doch die Bürger hätten eindeutig entschieden: "Sie wollen einen Neuanfang." Als künftiger Bürgermeister setzt Ram nach eigener Aussage auf Zusammenarbeit. Seinen Willen nach soll jede Fraktion einen Bürgermeister stellen, "wir brauchen auch das Know-how aller 14 Gemeinderäte". Ihm ist auch an einem guten Verhältnis mit seinem Amtsvorgänger Markus Dollacker gelegen.

Dieser gestand am Montagvormittag: "Ich kann das Wahlergebnis noch nicht ganz begreifen." Er wüsste nicht, was er in seiner Zeit als Bürgermeister falsch gemacht hätte. Nichtsdestotrotz sei es ein deutliches Ergebnis. "Die Wähler haben so entschieden", so Markus Dollacker. "Da beißt die Maus keinen Faden ab."

Von knappen Ergebnissen und Stichwahlen:

Neun Stimmen Vorsprung

Peter Dotzler (Freie Wähler) erreichte bei der Bürgermeisterwahl in Gebenbach, der kleinsten Gemeinde im Landkreis, 257 Stimmen. Seine Kontrahentin von der CSU, Susanne Lindner, kam auf 248 Stimmen. Somit siegte der Amtsinhaber mit neun Stimmen Vorsprung. „Das war schon knapp“, kommentierte er am Montag die 50,89 Prozent, die er tags zuvor erreicht hat. „Aber das ist Demokratie: Der Wähler trifft die Entscheidung.“ Susanne Lindner, die für die CSU angetreten ist, war zunächst überrascht und freute sich über ihren sehr guten Wahlerfolg. Sie sieht die 49,11 Prozent aber als Gemeinschaftsleistung ihres Wahlkampfteams, eingeschlossen der Kandidaten auf der Liste. Froh ist sie über die gute Unterstützung durch die Wähler und dass der Wahlkampf fair war. Susanne Lindner gesteht, dass sie andererseits enttäuscht ist. „Es hat leider nur wegen ein paar Stimmen nicht gereicht“, bedauert sie am Tag nach der Wahl. (san)

Hier Freude, da Enttäuschung

In Hirschbach muss der amtierende Bürgermeister Hans Durst in die Stichwahl. Der SPD-Mann hatte 32,50 Prozent (235 Stimmen) erreicht, seine Herausforderer Richard Leißner (FBL/FWG) und Hermann Mertel (UG 4.0) waren auf 25,86 Prozent (187 Stimmen) beziehungsweise 41,63 Prozent (301 Stimmen) gekommen. Somit gehen Mertel und Durst in die Stichwahl. Mertel freut sich über den Zuspruch vom Sonntag. „Über 40 Prozent, das ist schon ordentlich“, sagt er. Gehofft hatte er im Vorfeld auf 37 oder 38 Prozent. So einfach haue man einen amtierenden Bürgermeister nicht aus dem Sattel. „Einer meiner besten Spezeln, Richard Leißner, hat 25 Prozent bekommen. Da hoffe ich jetzt, dass die mir zufallen.“ In die Stichwahl gehe er recht zuversichtlich, sagt er am Tag nach der Kommunalwahl. „Über 40 Prozent, das ist doch schon mal was.“ Kein Hehl daraus, dass er enttäuscht ist, macht der bisherige Bürgermeister Hans Durst. „Aber der Wähler hat so entschieden, das muss man akzeptieren.“ Er habe sich natürlich ein paar Stimmen mehr erhofft, ein Ergebnis in der Richtung von Mertel, seinem Kontrahenten in der Stichwahl. (san)

Wahlkampf mit viel Papier

Auf in die Stichwahl: Alexandra Sitter (UWG) und Anton Peter (CSU) wollen das Bürgermeisteramt in knapp zwei Wochen ergattern. Der Wahlkampf steht unter ganz besonderen Vorzeichen. In Zeiten von Corona werde dieser sich wohl auf Papierwerk beschränken, erklärte Sitter. Sie würde zwar ganz gerne Veranstaltungen abhalten, da sie unglaublich viel zu sagen habe. Darauf verzichte sie aber, „da wir dieses Verantwortungsbewusstsein schon haben“. Auch Peter wird vorwiegend auf Flyer zurückgreifen. Die Gründe, warum er es in die Stichwahl schaffte, sieht der CSU-Kandidat in den Querelen der vergangenen Jahre: „Ich glaube, dass die Ammerthaler die ganzen Streitereien leid sind.“ Seine Hoffnung: „Der Gemeinderat soll wieder vernünftig Entscheidungen treffen können.“ Sitter ihrerseits erklärte, dass „wir in Ammerthal zwölf Jahre gute Arbeit geleistet haben“. Sie habe sich nichts vorzuwerfen und sei immer für den Fort- statt den Rückschritt eingetreten. Der dritte Bürgermeisterkandidat Stefan Anderle, der sich in den nächsten Tagen positionieren will, ob er Sitter oder Peter unterstützt, sagte: „Was die Gemeinderatstätigkeit betrifft, haben wir bereits im Vorfeld gesagt, dass wir uns keiner der Koalitionen anschließen werden, sondern neutral in der Mittel bleiben. Dieses Versprechen haben wir den Wählern gegeben, und das werden wir auch halten.“ (doz)

Der neue Amberger Stadtrat

Amberg

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.